Der Lagerplatz Girspel befindet sich irgendwo im Wald ob Magden und auf halbem Weg in Richtung Olsberg. Wer ihn ohne Smartphone und Google Maps finden will, muss entweder ortskundig oder ein Pfadfinder mit sehr gutem Orientierungssinn sein. Einmal dort angekommen, trifft man am Pfingstsonntag von der letzteren Sorte eine Menge Exemplare an, denn es ist der Ort, an dem die fünf Abteilungen des Bezirks Rheinbund – Pfadi Rheinfelden, Pfadi Möhlin, Pfadi Pro Patria Basel, Pfadi Rheinbund und PTA (Pfadi Trotz Allem) Riehen – heuer ihr alle vier Jahre stattfindendes Bezirkspfingstlager durchführen.

Beeindruckendes Bild

«Von den Pfadi Region Basel sind in diesem Jahr rund 2000 Teilnehmende und Leitende in einem Pfingstlager», nennt Mediensprecherin Annika Scheuber eine beeindruckende Zahl. In Magden sind es rund 160 Pfadfinder und Leiter, allerdings sind an diesem Tag auch zahlreiche Wölfli zum Lagerplatz gekommen. So bietet sich ein beeindruckendes Bild, denn jedem Sektor des Geländes sieht man trotz 16 Grad und Regen lauter gut gelaunte Pfadis: Sie erledigen ihre «Ämtli», albern herum, unterhalten sich im Schutz der Bäume oder wärmen sich bei Tanz und Gesang im grossen Zelt auf.

Ob Kinder oder Erwachsene, untereinander spricht man sich nur mit dem Pfadinamen an. «Sie geben den Charakter der entsprechenden Person wieder», erklärt Scheuber, die hier Squirrel heisst. Dann gibt sie das Zepter an die zwei Bezirksleiter Luca Ceresola und Pascale Birrer alias Shaggy und Makita weiter. Ist das nicht etwas seltsam, wenn sich Erwachsene mit dem Pfadinamen ansprechen? «Überhaupt nicht», versichert Makita, während sich der Fragesteller kurz durch den Kopf gehen lässt, wie Paff oder Tabasco wohl zu ihren Namen gekommen sind.

Von Glutenallergien bis Vegetariern

«Seit die Pfadibewegung Schweiz ein Wochenende im Jahr einen Werbetag durchführt, nehmen die Teilnehmerzahlen bei der Pfadi wieder zu», berichtet Shaggy. Genaue Zahlen kennt der Bezirksleiter keine, sondern spricht aus mehrjähriger Lager-Erfahrung. Bei so vielen Kindern gibt es einiges zu beachten. Zwar sind Smartphones tabu, doch jede Leiterperson hat für alle Fälle ein voll geladenes dabei. Bei der Wahl der Lagerplätze wird sogar darauf geachtet, dass der Handyempfang gut ist. Eine weitere Herausforderung ist das Essen – von Glutenallergien bis zu Vegetariern gibt es bei der Zubereitung einiges zu beachten. Wohl auch deshalb gehören insgesamt 17 Personen zum Küchenteam. «Die besonderen Speisen werden aber nicht im Lager, sondern im Pfadilokal Rheinfelden gekocht», so Shaggy.

Während Hagrid aus den «Harry Potter»-Büchern den Pfadis erklärt, dass sie am Nachmittag eine «Rundreise durch die Zauberwelt» erwartet, wird der Regen stärker. Den Kids scheint das aber nichts auszumachen, mit dem Regenschutz bekleidet liegen sie auf den nassen Rasen und machen sich fürs «Zahlen-Rugby» bereit. «Regen und Kälte sind kein Thema», winkt Strolch von Pro Patria ab. Der zwölfjährige Riehener besucht sein erstes Bezirkspfingstlager und ist begeistert. «Super! Es ist mega lustig», lautet sein Zwischenfazit.

Auch aus Riehen und von Pro Patria ist Eclair. Für die 13-Jährige ist es ebenfalls eine Bezirkspfingstlager-Premiere. Was ist denn anders als bei einem «normalen» Lager? «Weil es mehr Menschen hat, rückt man als Abteilung automatisch näher zusammen», erklärt die 13-Jährige, die sich darauf gefreut hat, Kontakte zu anderen zu knüpfen. «Ich habe schon einige interessante Leute kennen gelernt.»

In der Tat erkennt man an den Krawatten, wie die Halstücher mit den Farben der jeweiligen Abteilung genannt werden, dass man nicht unter sich bleibt. Shaggy bestätigt dies und fügt an: «Die Kinder haben einfach eine Riesenfreude, von der Morgenfrühe bis spät abends miteinander zu spielen und gemeinsame Abenteuer zu erleben.» Für die meisten Teilnehmenden dürfte es deshalb wohl nicht das letzte Pfingstlager gewesen sein.