Filmproduzent Valentin Greutert war Gymnasiast in Liestal, als Bruno Manser die Klasse besuchte. Der Mann sei ihm als Freak vorgekommen, erinnert sich Greutert an seine Schulzeit. Er habe ihn danach vergessen, bis der Umweltaktivist 2000 in den Regenwäldern von Malaysia spurlos verschwand. Später habe er von ihm geträumt. Aus dem Traum ist nach elfjähriger Vorbereitung ein Spielfilm geworden. Fertig ist dieser nicht. Die Filmsequenzen sind zwar abgedreht, das Material muss jedoch noch geschnitten und diese Postproduktion finanziert werden. Dafür fehlt es an Geld.

Es ist nicht der erste Film über Manser. Der Basler Ethnologe hatte selbst die Wirksamkeit des Mediums erkannt und mit den Dokumentarfilmen «Blasrohre gegen Bulldozer» (1988) und «Tong Tana – Eine Reise ins Innere Borneos» (1989) Werbung für seinen Kampf gegen die Abholzung des Regenwaldes und für den Volksstamm der Penan gemacht. 2005 wurde Manser amtlich für tot erklärt. Kurz darauf erschien der Dokumentarfilm «Bruno Manser – Laki Penan» (2007). Zuletzt war in ausgewählten Kinos die skandinavische Produktion «The Borneo Case» (2017) zu sehen. Ein Hollywood-Studio hatte sich 1994 die Spielfilmrechte gesichert. Daraus wurde aber nichts. Mit ideeller Unterstützung der Familie und des Bruno Manser Fonds (BMF) soll nun im kommenden Jahr Greuterts Werk «Paradise War» in der Regie von Nilaus Hilber in die Kinos kommen.

Aktives Politlobbying

Vor zwei Jahren wurde das Filmprojekt in einer Medienkonferenz angekündigt. Es war die Rede von fünfzig Drehtagen und einem Budget von 4,6 Millionen Franken. Die Umstände im Dschungel von Borneo zeigten sich bei den Dreharbeiten aber widriger als befürchtet. Es regnete ohne Unterlass, die Crew holte sich Fussinfektionen, ein Baum krachte auf einen Unterstand und zerstörte einen Teil des Equipments. Die Zahl der Drehtage stieg auf über siebzig, das Budget auf 5,7 Millionen Franken. Greutert sagt, die Finanzierungslücke betrage knapp eine halbe Million Franken. Weitere rund 300'000 Franken wären nötig, um nicht eine gesprochene Defizitgarantie nutzen zu müssen.

Aufgefordert, sich an der Restfinanzierung zu beteiligen, ist auch Basel-Stadt. Motiviert vom Manser-Erbverwalter Kaspar Müller sowie von LDP-Nationalrat Christoph Eymann hat Grossrätin Patricia von Falkenstein gestern eine Interpellation eingereicht. Sie fragt die Regierung, ob für das Filmprojekt nicht weitere Mittel etwa aus dem Swisslos-Fonds oder vom Kompetenzkonto der Regierung gesprochen werden könnten. «Schliesslich ist Bruno Manser für Basel eine wichtig Figur», sagt von Falkenstein.

Aus der Region sind schon grössere Geldbeträge geflossen. Die Christoph Merian Stiftung brachte 200'000 Franken auf. Als Schwerpunktprojekt unterstützten die beiden Basel aus den jeweiligen Swisslos-Fonds den Film mit 380'000 Franken; zwei Drittel steuerte die Stadt, ein Drittel der Landkanton bei.

Die staatliche Gutschrift hatte zu einer politischen Kurzdiskussion geführt, ob es zulässig sei, mit Basler Fördermitteln eine Zürcher Produktionsfirma zu finanzieren. Die Basler Filmverantwortliche Katrin Grögel erklärte gegenüber der «Tageswoche» jedoch die Unbedenklichkeit sowie die Absicherung: Es gehöre zu den Vergabebedingungen, dass 120 Prozent der ausbezahlten Fördermittel in der Region Basel ausgegeben werden müssten. Da ein Teil der Beteiligten hier wohnten und zudem auch in Mansers Heimatstadt gedreht werde, sei diese Vorgabe erfüllt. Und wenn nicht, könnten die Mittel zurückgefordert werden.

Ob Basel-Stadt auf von Falkensteins Politlobby weiteres Geld sprechen wird, ist offen. Sicher ist jedoch, dass die Stadt gar nicht rasch genug wird reagieren können. Die Zürcher Produktionsfirma A Film Company AG hat sich lediglich bis Ende dieses Monats Zeit gegeben, um in Verhandlungen die Finanzierungslücke zu schliessen. Lässt sich die Frist nicht einhalten, wäre der Zeitplan bis zur Premiere gefährdet.

Eine Premiere als Belohnung

Mit unsicherer Finanzierung zu arbeiten, gehört für Filmemacher zum Alltäglichen. Greutert ist denn auch gelassen, dass sich die restlichen Geldmittel finden. Verglichen etwa mit Bauprojekten sei der Kostensprung nicht besonders gross. Mit dem Film werde zudem Pionierarbeit geleistet, sagt Greutert. In einem aufwendigen Casting hätten sich 400 Stammesmitglieder der Penans für eine Rolle beworben.

15 Personen seien für die Aufnahmen geschult worden. Und als ein zweiminütiger Promostreifen während den Filmfestspielen in Cannes präsentiert wurde, habe die Kinobranche grosses Interesse gezeigt. Greutert sagt: «Es ist ein Film ohne Stars, der aber auf einer wahren Geschichte beruht und ein breites Publikum anspricht.

Sollte Basel kein zweites Mal den grossen Geldbeutel öffnen, schlägt von Falkenstein eine Schmalbudget-Variante vor: Vielleicht lasse sich mit einer Kostenbeteiligung hier die Filmpremiere organisieren.