«Streit unter Muslimen» titelte die «Basler Zeitung» Ende März. Die Hicret Moschee distanziere sich von der Basler Muslim Kommission, der Dachorganisation der islamischen Vereine. Die Moschee wolle künftig selbst am «Runden Tisch der Religionen» sitzen, mit dem das Basler Präsidialdepartement den interreligiösen Dialog pflegt.

Die Abspaltung schien Fakt. Schliesslich war mit Lukas Ott der Stadtentwickler zum Besuch geladen, um ihn direkt über die Ambitionen und Aktivitäten der Moschee zu informieren. Von ihm werde die finanzielle Hilfe beim Aufbau von integrativen Weiterbildungskursen erwartet, die der Verein von der Muslim Kommission bisher nicht erhalten habe. Gemäss Medienberichterstattung nahm Ott nicht nur solidarisch am Gebet teil, sondern stellte in unverbindlicher Form auch eine direkte Teilnahme am runden Tisch in Aussicht.

Vor den Kopf gestossen fühlte sich die Muslim Kommission, zu deren Gründer Vertreter der Hicret Moschee gehörten. Von den Austrittsabsichten hatte die Kommission vorab in Form eines Mails eines Vorstandsmitglieds Kenntnis erhalten. Darin heisst es, die Muslim Kommission stelle sich «ohne unsere Zustimmung als Sprachrohr und Dachverband der Basler Muslime dar, was inakzeptabel ist». Deshalb solle die Moschee «per sofort aus der Liste auf der Website» entfernt werden.

Für den Dachverband kam die Aufforderung überraschend, da die letzten Kontakte einvernehmlich gewesen seien, wie Präsident Selim Karatekin sagt, und selbst der Delegierte der Hicret Moschee im Vorstand des Dachverbandes war gemäss eigenen Aussagen über einen Austrittsentscheid nicht informiert.

Fraktionierte Gemeinschaft

Ein Ausscheren schien jedoch nicht undenkbar. Immer wieder rumort es zwischen den Vereinen. Schliesslich ist die muslimische Gemeinschaft nach nationaler Herkunft, religiöser Ausrichtung und selbst nach politischer Haltung hoch fraktioniert und die einzelnen Gruppierungen wiederum häufig von einzelnen Familien dominiert. Spannungen und Dispute innerhalb der Muslim Kommission gehören zu ihr, seit es sie gibt.

Einige Gespräche und Tage später folgte jedoch eine Gegenerklärung. Ahmed Koca, Präsident der Hicret Moschee, stellt in einer vorliegenden Erklärung fest: «Wir möchten hiermit feststellen, dass die Aussagen im Zeitungsbericht und allfällige Austrittswünsche aus der Muslim Kommission nicht den Tatsachen entsprechen.» Was in der Zeitung stand, habe ein Vorstandsmitglied «in einem von uns nicht autorisierten Interview und Vorgehen» geäussert. Die Hicret Moschee wolle weiterhin Mitglied der Dachorganisation bleiben und deren Arbeit «mit ganzer Kraft unterstützen».

Ott, der in der Zeitungsberichterstattung als eine Art Kronzeuge für die Emanzipation der Hicret Moschee vom Dachverband diente, ist über die Korrespondenz informiert. Er sagt auf Anfrage: «Wir beurteilen die Debatte als vereinsinterne, beziehungsweise innermuslimische Angelegenheit, in der wir keine Position beziehen.» Das Ziel sei es, den Dialog mit möglichst allen Akteuren der Basler Religionsgemeinschaft zu pflegen.

So informationsnah die «Basler Zeitung» an den vermeintlichen Austrittsplänen der Hicret Moschee war, so wenig scheint sie über den Rückzug des Rückzugs informiert zu sein; eine entsprechende Information gab es nicht.

«Missverständnis»

Das Vorgehen hat eine Vorgeschichte. Vor knapp zwei Jahren erschien in der «Basler Zeitung» der Bericht «Laufpass für Muslim Kommission». Demnach hätten sich die drei Basler Moscheen Hicret, Merkez und Nursi vom Dachverband losgesagt, weil dieser unter Führung der Familie Karatekin zu politisch, genauer zu Erdogan-nahe, sei. Hicret zog sich von dieser Kampagne zurück, während Merkez und Nursi zumindest gemäss «Basler Zeitung» an der Kritik festhielten.

Merkez hat daraufhin den Dachverband verlassen. Nursi-Sprecher Müslüm Demir erklärte jedoch gegenüber «Telebasel», beim Streit müsse es sich um ein «Missverständnis» handeln. Die Stiftung Said i Nursi sei schliesslich auch bei der Gründung der Muslim Kommission beteiligt gewesen.