Am 11. August 2018 hinderte eine Gruppe von Vandalen eine S-Bahn mit rund 45 Fahrgästen im deutschen Magdeburg an der Weiterfahrt. Die Angreifer stürmten den Zug, verriegelten diesen und verletzten zwei Passagiere mit Reizgas. Anschliessend besprühten sie das Fahrzeug grossflächig mit Graffitischriftzügen. Die Bundespolizei wandte sich damals für Hinweise an die Öffentlichkeit.

Basler «Bomber» ziehen nach

Das sogenannte «Train Bombing», wie das Besprühen von Zügen in der Graffitiszene genannt wird, ist keine Seltenheit. Dass dabei jedoch Züge gestoppt und gar Personen verletzt werden, ist neu.

Ein ähnliches Szenario ereignete sich am vergangenen Freitag nun auch in der Region: Vor dem Bahnhof St. Johann in Basel musste der Lokführer eines von Frankreich her kommenden TER Alsace-Regionalzuges eine Vollbremsung einleiten.

Grund: ein mit Absicht auf die Schienen gelegtes Stahlfass. Trotz Notbremsung kollidierte der Zug, in dem nur wenige Passagiere sassen, mit dem Fass. Eine Entgleisung konnte verhindert werden, Verletzte gibt es keine. Nachdem der Zug zum Stillstand gekommen war, brachte Unbekannte am hinteren Zugteil Sprayereien an.

Der Vorfall ereignete sich zwischen 19 und 19.30 Uhr. Kurze Zeit später fand die Polizei unweit von der Unfallstelle ein weiteres Fass sowie ein aus der Verankerung gerissenes und über die Schienen gelegtes Kabel. Die Fahndung nach der Täterschaft blieb erfolglos.

2018 verzeichneten die SBB eine deutliche Zunahme von versprayten Zügen. Die Basler Staatsanwaltschaft betont jedoch die Ausserordentlichkeit des Falls vom Freitag: So sei noch nie ein Zug extra für Sprayereien mit einer «dermassen hochgefährlichen Aktion» gestoppt worden, sagt Sprecher Peter Gill.

Kritik aus der Graffitiszene?

Auf der Facebook-Seite «Wandschmuck2 basel», die regelmässig Bilder aktueller «Bombings» postet, wird Kritik laut: So findet ein User die Sabotageaktion beispielsweise «voll weich» – und statt Likes erntet der Beitrag überwiegend wütende Reaktionen.

Auch dass die Seite kein Foto der Sprühereien veröffentlicht, mit denen sonstige Graffiti auf der Plattform gehuldigt werden, ist bezeichnend. Stattdessen teilt sie lediglich Medienbeiträge über den Vorfall – ein Zeichen dafür, dass sogar die Graffitiszene selbst mit dem Vorfall nicht einverstanden ist?

Der Zug wurde mittlerweile aus dem Betrieb genommen. Laut einem Sprecher sei eine möglichst schnelle Ausserbetriebnahme der Fahrzeuge wichtig, damit Nachahmungstäter nicht ermutigt werden. Das Fahrzeug muss in eine Werkstätte überführt und so lange ersetzt werden. «Einen vollgesprayten Zug gründlich zu säubern nimmt Dutzende Mannstunden in Anspruch und es müssen starke Chemikalien eingesetzt werden.»

Details zum Tatvorgang vom Freitag und Informationen zur Täterschaft kann die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt gemäss eigener Aussagen noch nicht veröffentlichen. Zeugen oder Personen, die sachdienliche Hinweise geben können, werden gebeten, sich mit der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt direkt oder mit der nächsten Polizeiwache in Verbindung zu setzen.