Der 26. September 2016 ist ein Montag. Für die meisten ist es der Start in eine neue Woche, für vier Sans-Papiers in Basel der Wendepunkt in ihrem Leben.

Im April wagten sie den Schritt aus der illegalen Anonymität und stellten beim kantonalen Migrationsamt ein Härtefallgesuch. Für Menschen, die schon viele Jahre illegal in Basel leben, die eigentlich gar nicht hier sein dürften, ist ein solches Gesuch die einzige Möglichkeit, eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten. In diesem Moment setzen Sans-Papiers alles auf eine Karte. Wird ihr Gesuch abgelehnt, müssen sie die Schweiz innerhalb von wenigen Tagen verlassen.

Das kantonale Migrationsamt hat die vier Gesuche im Juli abgelehnt. «Sie erfüllen die gesetzlichen Anforderungen nicht», sagte Martin Schütz vom Justiz- und Sicherheitsdepartement damals gegenüber der bz.

Lehnt das kantonale Migrationsamt ein Gesuch ab, wird die Härtefallkommission einberufen. Sie beurteilt die Fälle erneut und gibt eine Empfehlung ab. Am 26. September entscheidet sich, ob die Mitglieder der Härtefallkommission anderer Meinung sind als das kantonale Migrationsamt.

Für viele Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Kirche ist klar, dass die Härtefallregelung genau für solche Menschen wie die vier Sans-Papiers in Basel gemacht ist. Bereits im April – als sie ihre Gesuche einreichten – stellten sich 3000 Personen mit ihrer Unterschrift hinter die Sans-Papiers. Gestern haben sich erneut Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur, Wissenschaft und Kirche für sie eingesetzt und drei dringliche Appelle an die Härtefallkommission abgeschickt.

«Sie sollen bleiben dürfen»

Sie fordern, dass die vier Sans-Papiers bleiben dürfen. Nach all den Jahren würden auch sie dazu gehören. Sie hätten ein legales Leben verdient, eines ohne Schwierigkeiten und Hürden. «Wer jahrelang in ständiger Angst hier gelebt hat, hat eine grosse Leistung erbracht. Da ist es nichts anderes als Recht, wenn wir die Sans-Papiers als Teil von uns akzeptieren», sagte Ines Rivera, Pfarrerin bei der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt.

Die Unterstützung von Menschen mit Papieren sei für sie sehr wichtig, sagte Beto, einer der vier Sans-Papiers. «Das gibt uns Kraft und Mut, damit wir die Hoffnung an einen positiven Ausgang nicht verlieren.» Er kann sich ein Leben ausserhalb von Basel nicht vorstellen, hier hat er Freunde, ein Umfeld, eine Arbeit – in seiner Heimat nichts davon. Um endlich nicht mehr ein verstecktes Leben führen zu müssen, haben Beto und die drei anderen viel Mut bewiesen, sind aus der Anonymität getreten und haben das Gesuch eingereicht. «Wir hoffen, dass der Mut honoriert wird», sagte Regina Wecker, emeritierte Professorin für Frauen- und Geschlechtergeschichte. Die Menschen hinter den Unterschriften sind sich einig, dass nun auch die Mitglieder der Härtefallkommission denselben Mut zeigen sollen, indem sie die Gesuche gutheissen. «Allzu viel Mut braucht es nicht», sagte Fabrice Mangold von der Anlaufstelle für Sans-Papiers. «Die Fälle gelten problemlos als Härtefälle.»

17 Tage bis zur Gewissheit

Wo die vier Sans-Papiers in Zukunft leben werden, hängt stark vom Ja oder Nein der Härtefallkommission ab, obwohl das Staatssekretariat für Migration SEM in Bern das letzte Wort hat. Bisherige Fälle haben gezeigt, dass das SEM in praktisch allen Fällen nicht von der Empfehlung der kantonalen Behörden abweicht.

Die bisherigen Fälle haben aber auch gezeigt, dass die Härtefallkommission in vier Fällen eine positive Empfehlung ausgesprochen hat, obwohl das kantonale Migrationsamt die Gesuche ablehnen wollte.