Lange wurde gerätselt, wer nach dem Wegzug des Interdiscounts vom Marktplatz in den altehrwürdigen Märthof ziehen wird. Jetzt ist klar: Es wird ein Luxushotel. Die Hotelgruppe Bâle Hotels, die zur Coop-Gruppe gehört, will hier ein Vier-Sterne-Haus der oberen Kategorie bauen, wie dem Baubegehren zu entnehmen ist. Laut dem Projektbeschrieb sind insgesamt 64 Zimmer geplant. Acht davon sind Suiten, acht Juniorsuiten.

Den Gästen soll es an nichts fehlen. Neben einem Fitnessraum im Untergeschoss und einer Bibliothek in der 1. Etage gibt es eine Bar und eine Dachterrasse mit fünfzig Sitzplätzen. Das Frühstück werden die Hotelgäste im 5. Stock zu sich nehmen und dabei Aussicht über die Dächer von Basel haben. Zwischen 15 und 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird das neue Hotel anstellen, heisst es.

Treffpunkt auch für die Basler

Die Gruppe Bâle Hotels, die in Basel das Hotel Pullman Basel Europe an der Clarastrasse und das Hotel Victoria am Centralbahnplatz betreibt, will sich mit dem neuen Haus nicht nur an die gut betuchten ausländischen Gäste richten, sondern auch die Einheimischen ansprechen. Zum Stichwort Gastronomie steht im Projektbeschrieb: «Der Märthof soll ein Treffpunkt für die Baslerinnen und Basler werden. Entlang der Eisengasse liegt die Bar.» Der Aussenbereich biete im Sommer einen idealen Treffpunkt und verbinde das Gebäude mit dem Marktplatz. «Auch die Hotelgäste geniessen im Restaurant den Kontakt mit der lokalen Bevölkerung», heisst es.

Wer derzeit einen Blick in den leergeräumten Märthof wirft, der ahnt: Es braucht grosse Investitionen, um aus dem einstigen Elektro-Detailhändler ein Hotel zu machen. Coop beziffert die Baukosten auf etwas über 22 Millionen Franken. Was die Fassade angeht, wird das neue Hotel aber keine grossen Veränderungen fürs Stadtbild nach sich ziehen. Schon im Nutzungskonzept betont Bâle Hotels, auf die Tradition des Gebäudes Rücksicht zu nehmen. Ende des 19. Jahrhunderts habe der Märthof aus fünf unabhängigen Häusern bestanden, erst 1981 wurden die nebeneinanderstehenden Gebäude aufgebrochen und vereint. Das Haus gilt seither als eines der schönsten in der Basler Innenstadt.

Entsprechend würden am Mauerwerk keine Veränderungen wahrgenommen, heisst es im Projektbeschrieb. Die Fassadenteile, welche schon heute mit Verputz und Anstrich versehen seien, würden in einem weissen Farbton neu gestrichen – die Natursteinpartien nur sanft gereinigt. Auch das Dach und die Fenster würden nur sanft renoviert. Coop hält sich zum Projekt offiziell bedeckt. Sprecher Urs Meier sagt: «Sobald eine rechtskräftige Baubewilligung vorliegt, werden wir gerne und im Detail informieren.» Bis dahin gibt es keinen Kommentar. Auch Coop ist sich natürlich darüber im Klaren, dass das Einsprachepotenzial für ein solches Grossprojekt gross ist.

Vier-Sterne-Häuser sind gefragt

In den Basler Hotelier-Kreisen ist die Info, wonach ein Luxushotel am Marktplatz entstehen soll, aber bereits durchgesickert. Felix Hauser, Präsident des Hotelier Vereins Basel, begrüsst die Pläne von Bâle Hotels. «Die Vier-Sterne-Kategorie ist nach wie vor diejenige, die am stärksten gefragt ist», sagt er.

In den vergangenen Jahren habe es vor allem im Zwei- und Drei-Sterne-Bereich neue Angebote gegeben. Das habe dazu geführt, dass die Durchschnittszimmerpreise in Basel gesunken seien. Dazu stehe das Niedrigpreissegment vonseiten der Bettenvermietungsplattform Airbnb unter Druck. Hauser erachtet es unter diesen Umständen als wichtig, dass eine Stadt wie Basel die «ganze Palette» anbieten kann.

Noch wird Basel aber auf die «ganze Palette» warten müssen. Gemäss Projektbeschriebs sollen die Pforten im ersten Halbjahr 2021 geöffnet werden – sofern Einsprachen den Bau nicht verzögern.