Frau Hablützel-Bürki, worüber unterhalten wir uns?

Über Ordnung, meint das Nähkästchen.

Sind Sie ein ordentlicher Mensch?

Ja, ich habe es gerne aufgeräumt in meinem Leben. Meine Tochter und ich sind soeben aus den Ferien zurückgekehrt, die noch nicht geleerten Koffer sind im Grümpelkämmerli. Ich mag es nicht, wenn alles sichtbar rumliegt. Auch sonst bin ich ein strukturierter Mensch, plane gerne die Wochen, bevorzuge klare Tagesabläufe.

Ihren Namen kennt man vor allem vom Spitzensport. Ihnen haftet der Ruf an, nicht pflegeleicht zu sein, dass Sie keine Teamplayerin sind. Warum hatten sie Mühe, sich als Fechterin unterzuordnen?

Es ging nicht um unterordnen, sondern um für alle gleichbedeutende Abläufe. Bei den Teamkämpfen hat mich oft geärgert, dass es gewisse Kollegen nicht genug ernst nahmen. Dass sie einen Tag vor dem Kampf am Strand von Rio rumlagen. Das habe ich angesprochen, weil ich es unprofessionell fand. Und weil ich nie mitgemacht habe bei den «Vergnügungstouren», wurde ich rasch unbeliebt, bekam den Stempel der «Stänkerin» aufgedrückt.

Machte Ihnen das nicht zu schaffen?

Doch, ich bekam eine dicke Haut. Und es spornte mich zu noch mehr Leistung an. Ich ziehe den Schwanz nie ein, sondern kämpfe. Heute kann ich sagen: Ich habe alles richtig gemacht. Klar, damals war ich sehr direkt. Heute bin ich diplomatischer.

Sie hatten sicher viele Neider.

Oh ja, das war mein grosses Handicap. Es gab unzählige unschöne Situationen.

Zum Beispiel?

1993 an der Europameisterschaft, als ich Silber gewann. Da kam ein Fechter zu mir und sagte, ich solle auf keinen Fall aus meiner Wasserflasche trinken. Jemand aus meinem Team habe etwas reingemischt. Ich weiss nicht, was drin gewesen war, habe es nicht überprüfen lassen. Das war vielleicht naiv, aber ich wollte mich auf den Kampf konzentrieren. Solche Erlebnisse führten dazu, dass ich mich abkapselte, dass ich nur noch für mich schaute.

Seit Februar 2017 sitzen Sie für die SVP Basel-Stadt im Grossen Rat. Schauen Sie da auch nur für sich?

Nein, wir sind ein gutes Team bei der SVP. Ich habe keine Probleme, mich an Vorgaben zu halten und mich an den Regeln zu orientieren. Wir ziehen am gleichen Strick.

Klingt harmonisch. Allerdings schaffte es die SVP diesen Sommer wegen interner Querelen immer wieder in die Schlagzeilen, etwa wegen der E-Mail-Affäre um Grossrat Joël Thüring. Chaotische Zustände.

Es war halb so wild! Und ich habe mit Thüring mitgefühlt. Es gab so viele Parallelen, man wollte ihn vernichten wie damals mich. Auch ich musste vieles über mich in den Medien erfahren. Thüring ist eine sehr kompetente Person – das weckt Neider.

Niemand im Basler Parlament positioniert sich so rechtskonservativ wie Sie. Wie kommt’s? Wuchsen Sie in konservativen Verhältnissen auf?

Nein, im Gegenteil – mein Vater war Mitglied der SP! Sehen Sie, ich bin weit herumgekommen, habe mich immer für fremde Kulturen interessiert und gelernt, mich anzupassen. Dass viele Asylbewerber dies hier nicht tun, dass ihnen unser Land den roten Teppich ausrollt, das widerstrebt mir. Sie nutzen den Sozialstaat aufs Äusserste aus. Viele Schweizer, insbesondere Rentner, leben am Existenzminimum. Bekommen kaum Sozialbeiträge, haben aber ihr Leben lang Steuern bezahlt.

Schwarze Schafe finden Sie überall. Es gibt genug Ausländer, die hart arbeiten und sich integrieren.

Gegen die habe nichts. Aber gegen jene, die hierherkommen, die hohle Hand machen und in Saus und Braus leben.

Ist das nicht reichlich übertrieben?

Nein, ich kenne den Fall einer Grossfamilie, die alles bezahlt kriegt und ein «Sackgeld» von 6000 Franken hat. Monatlich.

Woher haben Sie diese Informationen?

Aus verlässlichen Quellen im privaten Umfeld.

Sie sind eine Hardlinerin.

Nein, eher Realistin. Ich verschliesse die Augen nicht. Und ich bin nicht gewillt, kriminelle Leute zu unterstützen.

Finden sich Ausländer in Ihrem Freundeskreis?

Sicher! Ich bin nicht ausländerfeindlich.

Sie wollen sich im Grossen Rat unter anderem für das Thema Sicherheit einsetzen. Fühlen Sie sich sicher hier? Sie wohnen ja wieder in der Stadt, nachdem Sie lange in Riehen gelebt haben.

Nein, ich fühle mich nicht sicher. Und Sie?

Ich habe vier Jahre lang an der Rebgasse gewohnt und nicht mal ansatzweise etwas Negatives erlebt.

Ich selber zum Glück auch nicht.

Sie haben kürzlich eine Interpellation eingereicht zum Thema, dass «eine Welle der Gewalt» die Stadt überrolle, und was die Regierung gedenke, dagegen zu tun. Laut Statistik ging die Kriminalität im ersten Halbjahr um zehn Prozent zurück.

Das ist eine provisorische Zahl. Im Juli häuften sich die Gewalttaten. Mein Ziel ist es, dass die Polizeipräsenz verstärkt wird. Auch die Posten in den Quartieren sollten reaktiviert werden.

Von einer «Welle der Gewalt» kann man trotzdem nicht reden. Wenn man bedenkt, wie viele Menschen im Sommer in der Stadt unterwegs sind. In Relation dazu passiert sehr wenig.

Im Juli las man beinahe täglich von Morden und Überfällen. Da will ich nicht untätig rumsitzen.

Könnten Sie sich auch eine Karriere auf dem nationalen Politparkett vorstellen? Im Nationalrat etwa?

Das wäre sicher interessant. Was die Nationalratswahlen betrifft, wird die Basler SVP aber erst zum gegebenen Zeitpunkt besprechen. So hat alles seine Ordnung.

Zurück zum Fechten: Vermissen Sie den Spitzensport ab und an?

Hin und wieder kribbelt es. Ich bin noch immer bei den Veteranen aktiv, brauche dieses «sich Messen», diesen Anreiz.

Sind Talente in Sicht, die dereinst in Ihre Fussstapfen treten könnten?

Da sehe ich zurzeit leider keines, nein.

Was ist mit Laura Stähli? Die Baslerin hat an den Weltmeisterschaften im Juli Bronze geholt. 17 Jahre nach dem Gewinn Ihrer WM-Medaille.

Sie ist mit 27 Jahren eine routinierte Fechterin; für sie kommt nun die Zeit der Bewährung und der Erfolgsbestätigung.