Mehr als eine halbe Milliarde: So hoch schätzt die Basler FDP die Kosten, welche die verschiedenen Neubau- und Umzugspläne der staatlichen Museen in den nächsten Jahren generieren. Wohlgemerkt ohne die sowieso laufenden Subventionszahlungen. Fast die Hälfte des Betrags, nämlich 225 Millionen Franken, kostet alleine der geplante Neubau für das Naturhistorische Museum und das Staatsarchiv im St. Johann. Baustart soll bereits in zwei Jahren sein.

Auf 120 Millionen werden die Kosten beziffert, um den Berri-Bau, wo Mammut, Dinosaurier und Konsorten zurzeit untergebracht sind, anschliessend zu sanieren und das Antikenmuseum in die Räumlichkeiten zu zügeln. Dazu befürchtet die FDP weitere horrende Kosten, weil das Kunstmuseum, das Historische Museum am Barfüsserplatz und das Haus zum Kirschgarten ebenfalls saniert werden müssen. «Diese Sanierungen werden systematisch bagatellisiert oder verschwiegen», kritisiert FDP-Präsident Luca Urgese.

Stattdessen würde das für die Museen zuständige Präsidialdepartement eine Salamitaktik verfolgen. Das jüngste Beispiel: Vergangene Woche wurde bekannt, dass die Subventionen für das Kunstmuseum um jährlich zwei auf rund 19 Millionen Franken erhöht werden sollen. Der Grund: Beim Erweiterungsbau hatten sich die Verantwortlichen massiv verrechnet. Eine externe Betriebsanalyse hatte in vielen Bereichen Nachholbedarf aufgezeigt.

Messehallen als Zwischennutzung

Eine solche Auslegeordnung hatte die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann Ende 2017 für jedes der fünf Museen im Besitz des Kantons angekündigt. «Warum werden die Betriebsanalysen nacheinander statt gleichzeitig durchgeführt?», fragt nun Urgese in einem Vorstoss nach, den er gestern im Parlament eingereicht hat. «Das Präsidialdepartement muss doch ein Interesse daran haben, so bald als möglich Klarheit über den bevorstehenden Finanzierungsbedarf aller Museen zu erhalten.» Die Planung im Präsidialdepartement sei konzeptlos, das Vorgehen unkoordiniert, so der Vorwurf von Urgese. Mit dieser Einschätzung ist die FDP nicht alleine: Politiker sämtlicher Couleur fordern endlich umfassende Transparenz bei den Museumsfinanzen.

Kritisch ist die Basler FDP auch gegenüber dem geplanten Neubau für das Naturhistorische Museum und das Staatsarchiv im St. Johann. Vor allem an der Aussage, dass es keine Alternative zum vorliegenden Projekt gebe, gibt es Zweifel. Deshalb kommt die FDP nun mit einem eigenen kühnen Vorschlag: Das Naturhistorische Museum und das Staatsarchiv sollen vorübergehend in die leeren Messehallen zügeln. Vergangene Woche war bekannt geworden, dass die MCH Group wegen der schlechten Aussichten für das Gesamtjahr darüber nachdenkt, Messehallen zu veräussern. Ein Interessent ist der Kanton.

«Ist es angesichts der frei werdenden Flächen auf dem Areal der Messe Basel noch opportun und als nachhaltig einzustufen, ein Staatsarchiv in einem Schwemmlandgebiet am Voltaplatz zu planen, wenn mit einer Umrüstung der vorhandenen Messehallen raschere und günstige Lösungen in Griffnähe rücken?»», fragt Urgese. Beim Naturhistorischen Museum schlägt er vor, während der Sanierung des Berri-Baus in der Messe eine Zwischennutzung mit einem reduzierten Ausstellungsbetrieb einzurichten. Nach den Bauarbeiten könnte das Museum dann wieder zurück an die Augustinerstrasse ziehen. «Wenn man so viel Geld für einen Neubau in die Hand nimmt, erwarte ich, dass geprüft wird, welche Varianten sonst noch möglich sind», sagt Urgese.

Trotz der Kritik wollen die Freisinnigen nicht als Kulturbanausen abgestempelt werden. «Wir schätzen die Bemühungen der Regierung ebenso wie die grosszügige und traditionsreiche Unterstützung von Privaten für die Mehrung und den Erhalt des kulturellen Erbes der Stadt Basel sowie für dessen Vermittlung sehr», so Urgese.