«Die Befehlsverweigerung ist nicht akzeptabel», schreibt SP-Grossrat Jörg Vitelli in einer Medienmitteilung. Im März 2017 hat der Basler Grosse Rat in einer Motion mit grosser Mehrheit den Regierungsrat verpflichtet, das GA und Halb-Tax Abo auf der neuen 3er-Tramverlängerung ins elsässische Saint-Louis zu akzeptieren.

Passiert ist gar nichts. Wie beim 8er-Tram ins deutsche Weil am Rhein gilt von den Schweizer Abos auch ins Elsass nur das U-Abo. Stattdessen seien «prohibitive grenzüberschreitende Anschlussbillette geschaffen» worden. Verantwortlich dafür macht Vitelli neben der Regierung das Bau- und Verkehrsdepartement – indirekt also seinen Parteifreund, dessen Vorsteher Hans-Peter Wessels (SP). Der dürfte froh gewesen sein, dass der Ärger um das 3er-Tram mit der Einweihung endlich vorbei ist. Dem scheint nicht so.

Unterstützung erhält Vitelli von der IGöV Nordwestschweiz, einem Interessenverband für den öffentlichen Verkehr. «Ein schwerer Mangel», sei die Nichtgültigkeit des GA auf der Linie, schreibt Präsident Stephan Maurer. Gegenüber der bz betont er: «In der engen Agglomeration müssten die verschiedenen Abos beidseitig der Grenzen gültig sein. Noch besser wäre ein gemeinsamer Tarifverbund.»

U-Abo Gültigkeit unter Druck

Davon ist man noch weit entfernt. Nun scheint sogar die Gültigkeit des U-Abos auf den beiden Tramverlängerungen ins nahe Ausland unter Druck zu kommen. Wie aus öV-Kreisen zu vernehmen ist, setzt sich der Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) unter anderem mit der Idee auseinander, für monatlich zehn Franken ein Zusatzabo zum U-Abo zu schaffen. Damit könnte man die beiden elsässischen Buslinien 603 und 604, den 38er-Bus nach Grenzach-Wyhlen, den 55er-Bus nach Weil Haltingen und die Tramverlängerungen 3 und 8 nutzen. Die jetzige Gültigkeit des U-Abos auf den beiden Tramlinien würde dann keinen Sinn mehr machen, müsste also abgeschafft werden.

Vitelli kann der Idee wenig abgewinnen: «Ich glaube nicht, dass das viele kaufen würden. Es wäre sinnvoller, das U-Abo um fünf Franken teurer zu machen und seinen Geltungsbereich auszudehnen.»

Beim TNW gibt man sich bedeckt. Geschäftsführer Adrian Brodbeck teilt mit: «Wir sind dabei, die verschiedenen Bedürfnisse und Meinungen betreffend Verbesserung des grenzüberschreitenden Verkehrs zu konsolidieren und daraus Szenarien zu entwickeln. Dabei ist noch nichts spruchreif.»

Zusatz-Wirrwarr durch die BVB

Die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) tragen zum Durcheinander bei den grenzüberschreitenden Tarifen bei. Als Vitelli am Bernerring das Anschlussbillett zum GA für die Tramfahrt ins Elsass lösen wollte, wurde nur Distribus als Destination angeboten. Laut BVB gilt das auch für das Tram, aber wer soll das wissen? Ausserdem gebe es Softwareprobleme und es erscheint die falsche Auskunft «Billett kann nicht ausgegeben werden». «Das ist eine sehr verworrene Situation», klagt Vitelli.

Das ist noch nicht alles. Zum Schrecken der Elsässer haben die BVB in ihren aufwendig gestalteten Flyern zum 3er-Tram den falschen Preis angegeben. Statt 2,00 Euro wie angegeben kostet die durch ein mit Abo ermässigte Fahrt 2,20 Euro.