Die Schiesserei im Café 56 in der Basler Erlenstrasse im März 2017 sorgte für grosses Aufsehen: Zwei Männer wurden in der Kneipe erschossen, ein dritter Mann hatte Glück und wurde lediglich an der Hüfte verletzt. Aufgrund der Zeugenangaben geht man von zwei Tätern aus, sie verliessen danach den Tatort ohne Hast. Die Basler Staatsanwaltschaft hat vor rund zehn Wochen gegen einen Verdächtigen aus Albanien Anklage wegen zweifachen Mordes erhoben, nun wird der Fall im Dezember vor dem Basler Strafgericht verhandelt.

Schiesserei in Basel: Zwei Tote, ein Schwerverletzter

Schiesserei in Basel: Zwei Tote, ein Schwerverletzter

Der heute 42-jährige Mann hatte sich einen Tag nach der Schiesserei bei der Schifflände einer Polizeipatrouille gestellt. Die Staatsanwaltschaft nahm in daraufhin in Haft, doch zwei Tage später behauptete er, er habe sich selbst lediglich belastet, um einem Freund die Flucht zu ermöglichen. Wie aus dem Haftentscheid hervorgeht, fürchtete er um die Sicherheit seiner Familie in Albanien. Er bestritt auch, bei der Schiesserei selbst überhaupt dabei gewesen zu sein.

Allerdings existieren Bilder einer Überwachungskamera, diese zeigen ihn wenige Stunden vor der Schiesserei in der Erlenstrasse.

Konflikt von Drogenhändlern

Die blutige Abrechnung spielte sich offensichtlich im Drogenhändler-Milieu ab, das überlebende Opfer wie auch Zeugen misstrauen den Behörden oder haben Angst. Da Zeugenaussagen auch unter normalen Umständen oft unzuverlässig sind, ist die Beweislage schwierig. Die Abgabe der vier Schüsse dauerte knapp 20 Sekunden, ein fünfter Schuss ging durch die Fensterscheibe hindurch auf die Strasse.

Die Kriminaltechniker haben jede Patronenhülse, jeden Zigarettenstummel und jeden Teelöffel am Tatort sichergestellt. Das ändert allerdings nichts daran, dass Herkunft und Verbleib der verwendeten Waffe nicht geklärt sind. Wie die Anklageschrift nun zeigt, hat die Staatsanwaltschaft auch keine eindeutigen Beweise, welcher der beiden Männer die Schüsse abgegeben hat und stellt daher wie üblich Eventualanträge: Entweder hat der 42-Jährige geschossen und der Mittäter hielt derweil die restlichen Gäste in Schach, oder die Rollenverteilung war umgekehrt. Der Mittäter konnte bis heute nicht gefasst werden.

Ein wenig Licht brachte man in das Vorleben des 42-Jährigen: Er wuchs in Tirana auf und reiste im Alter von 14 Jahren im Rahmen eines Familiennachzuges zu seinem Vater nach Italien. Mit 22 stellte er in Deutschland mit falschen Angaben ein Asylgesuch, wenig später stürmte er mit einer Schusswaffe in ein Lokal in Hannover. Gerichte in Frankreich und Deutschland verurteilten ihn später wegen Kokainhandels, insgesamt hat er bereits Freiheitsstrafen von 14 Jahren angehäuft und teilweise abgesessen. Viele Delikte liegen aber schon mehr als zehn Jahre zurück, das Gericht darf sie daher nicht berücksichtigen. Er wurde schon dreimal nach Albanien abgeschoben. Inzwischen hat er sich den Milieu-Anwalt Valentin Landmann als Wahlverteidiger genommen.

Auch die Opfer der Schiesserei stammen aus dem Milieu: Der getötete 28-jährige Albaner war wegen Drogenhandels und Körperverletzung vorbestraft, in Frankreich und Italien bestanden gegen ihn Einreisesperren. Über das zweite Opfer ist wenig bekannt, der 39-jährige Albaner hatte allerdings auch bereits ein Einreiseverbot für Belgien und wurde in Italien wegen Hehlerei gesucht.

War es Machtdemonstration?

Der heute 25-jährige Mann, der die Schiesserei mit Verletzungen überlebt hat, wurde im Kanton Baselland als Teil einer Einbrecherbande verurteilt und hatte ebenfalls eine Einreisesperre für die Schweiz, inzwischen wurde er ausgeschafft. Die drei Opfer verbrachten bereits die vorherige Nacht gemeinsam in einer anderen Kneipe, um mit einem Bekannten Geburtstag zu feiern: Dieser Mann war ebenfalls wegen Einbrüchen und Heroinhandels vorbestraft.

Um was es bei der Schiesserei genau ging, wird wohl nie geklärt werden. Staatsanwalt Markus Hofer spricht in der Anklageschrift vage von offenen Rechnungen und Machtdemonstrationen.

Die Gerichtsverhandlung startet am 10. Dezember und dauert vier Tage.