Auf dem Tisch steht eine Schale mit hausgemachtem Hummus, ein Glas voller Oliven und Fladenbrot. Bevor das Essen angerührt wird, rückt Jen Ries die Schale etwas näher an das Glas, entfernt Krümel, beugt sich mit ihrem Smartphone über das Arrangement und schiesst ein paar Fotos. «So, jetzt können wir essen», sagt Ries zu ihrer Kollegin Valérie Ziegler. Die Fotos werden die beiden später auf Instagram posten. Auf der Fotografie-Plattform stellen sie unter dem Namen basel_happens Orte und Menschen aus Basel vor. Dieses Projekt haben die beiden vor einem Jahr begonnen.

Damals, als in Basel während den Sommerferien wenig los war, trafen sich Valerie und Jen immer wieder in den gleichen Bars und Cafés. Sie stellten fest, dass sie ihre Heimatstadt nicht mit den gleichen, neugierigen Augen betrachten wie fremde Städte, die sie bereisen. Auf ihrer Suche nach Inspiration durchforsteten sie das Internet nach passenden Plattformen. Als sie nicht fündig wurden, beschlossen sie kurzerhand, selbst nach schönen Orten und interessanten Menschen zu suchen und ihre «Spots» und «Locals» auf Instagram zu teilen.

Viel Arbeit ohne Lohn

Seitdem posten Ziegler und Ries jeden zweiten Tag neue Bilder mit kleinen Texten. Ziegler ist Journalistin und Ries Fotografin. Ihr Projekt basel_happens machen die beiden neben ihren «normalen» Jobs. Sie verdienen kein Geld damit, stecken aber viel Zeit und Energie rein. «Wir sehen uns ungefähr einmal die Woche und kommunizieren praktisch jeden Tag wegen basel_happens», sagt Ziegler. Trotzdem wollen sie den nicht kommerziellen Stil beibehalten. «Würden wir Geld damit verdienen, könnten wir nicht mehr so neutral berichten», sagt Ziegler.

Ries fügt an: «Es stört mich enorm, wenn ich bei Bloggern merke, dass sie gesponsert werden und den Post nur deshalb machen.» Ziegler und Ries würden sich deshalb auch nicht als Influencer bezeichnen. «Wir möchten ja schliesslich niemanden beeinflussen, sondern inspirieren. Inspirencer wäre vielleicht passender», sagt Ziegler. Ansprechen möchten sie mit dem Account alle diejenigen, die Basel besser kennenlernen möchten. Die Botschaft ist: Die Sehnsucht nach Schönem und Neuem lässt sich nicht nur an fernen Orten befriedigen. Auch Basel hat wunderbare und überraschende Ecken, die sich wie Ferien anfühlen. In der Café Bar Rosenkranz, zum Beispiel, die sich Ziegler und Ries am vergangenen Freitag als Spot ausgesucht haben, fühlt sich Ziegler «ein bisschen wie in Berlin im Prenzlauer Berg».

Auf ihren Entdeckungstouren lassen sich die beiden gerne überraschen und inspirieren. «Wir versuchen uns mit basel_happens selbst ein bisschen aus der Komfortzone zu locken», erzählt Ries. In einer neuen Bar fragen sie oft nach den Spezialitäten des Hauses, anstatt ihre Lieblings-Drinks zu bestellen. «In der Bar Blaupause habe ich einen Rüebli-Cocktail getrunken. Der war fantastisch, aber ich wäre nie auf die Idee gekommen so etwas zu bestellen», sagt Ries.

Wenn die Gläser und Teller leer sind, suchen sich die beiden jeweils eine Person aus, die sie zum Spot befragen. Oftmals ist das der Inhaber, manchmal aber auch ein Gast oder wie dieses Mal die Kellnerin. Nina aus dem Rosenkranz erzählt von dem leckeren Abendessen, das ihre Kollegin neuerdings kocht und vom Frühstück am Wochenende. Da fällt Ziegler auch ein, weshalb sie sich hier fühlt wie im Prenzlauer Berg: Es liegt an den Etagèren, auf denen das Frühstück serviert wird. Und schon fühlt sich der Cafébesuch an wie eine kleine Reise in die Ferne.