Die Ansage war klar: «Diese Verbindung ist für die Fasnacht wichtig, die Route muss offen bleiben», sagte der Zugchef des Stammvereins «Alti Stainlemer» nach der Fasnacht 2018 gegenüber der bz. Er meinte die als «Gläbbergässli» berüchtigte Grünpfahlgasse, die neben dem Unternehmen Mitte zum Rümelinsplatz hochführt. Seit Jahren kommt es dort an der Fasnacht zu Pöbeleien zwischen Party-Gästen und Kostümierten.

Diese Forderung zeigt jetzt Wirkung. Mit dem neuen Programm im Unternehmen Mitte, bei dem auf Fasnachtsdekoration, eine Bühne Schnitzelbängg und neu auch eine Bestuhlung mit über 100 Sitzplätzen gesetzt wird, verwandelt sich das Lokal in eine Fasnachtsbeiz – auch dank Unterstützung des Fasnachts-Comités, das beratend beistand. Tatsächlich hätten bereits mehrere Bängg Interesse an einem Auftritt bekundet, sagt Caroline Faust von der Geschäftsleitung des Unternehmens Mitte. Der Wandel läuft gut an.

Polizei beobachtet Nutzungskonflikte scharf

Die Basler Polizei gibt allerdings noch keine Entwarnung: «Die Kantonspolizei beurteilt die Lage grundsätzlich ähnlich wie im Vorjahr», sagt deren Sprecher Martin Schütz. «Wie alleweil wird sie jene Örtlichkeiten, in denen es zu Nutzungskonflikten kommen könnte, besonders im Auge behalten.» Über das Fasnachtsaufgebot gibt es polizeitaktischen Gründen keine Angaben. Schütz verweist auf das aus Polizeisicht gute Resultat vom Vorjahr: «Provokationen kamen in Einzelfällen vor, wobei die Kantonspolizei jeweils durch rechtzeitiges, deeskalierendes Einschreiten eine sich anbahnende gröbere Auseinandersetzung unterbinden konnte.» Das Dutzend Schlägereien, das an der Fasnacht 2018 verzeichnet wurde, habe sich an anderen Stellen im Basler Fasnachtsperimeter ereignet.

Doch nicht nur die Mitte, die vom Karnevals-Saulus zum Fasnachts-Paulus wird, ist verantwortlich, dass die Gasse zurück an die Fasnächtler geht. Mit dem Besitzerwechsel im ehemaligen «Caveau Bâle» sorgt eine weitere gastronomische Einrichtung für Aufwertung. Dort, gleich gegenüber der Mitte, wird derzeit das Gebäude saniert. Die aktuelle Baustelle entlang der Fassade wird bis Anfang März abgebaut, womit der Weg an der Fasnacht frei ist. Neu wird das Lokal vom Restaurant Teufelhof betrieben. Der Eröffnungstermin für die «Caveau»-Nachfolge ist laut Christoph Widmer, Projektverantwortlicher des Teufelhofs, aber erst auf einige Monate nach der Fasnacht 2019 angesetzt.

Die grosse Fasnachts-Aufwertung

Allerdings führten die neuen Betreiber ebenfalls bereits Gespräche mit den Behörden: «Wir sind mit der Allmendverwaltung, der Polizei und dem Comité im Austausch», sagt Widmer . Ob bereits auf diese Fasnacht hin Massnahmen getroffen werden sollen, sei allerdings noch offen.
Somit erlebt die Basler Fasnacht ihren ersten dokumentierten Fall von urbaner Aufwertung. Wo über die Jahre pöbelndes Partyvolk eine eigene Hochburg eingerichtet hatte, sollen Fasnächtler jetzt wieder schwelgen können. Dabei gehe es für die Mitte nicht darum, «jemanden zu vergraulen», betont Faust. Aber die Stimmung müsse eine andere werden. Nicht zuletzt wegen der aufwendigen Renovationen, die jeweils nach der Fasnacht nötig waren.

Die Gäste jedenfalls profitieren. Mit dem neuen Regime gibt es eine zentrale Einrichtung mehr, die ergänzend zu den oft heillos ausgebuchten Beizen Schnitzelbängg anbietet. Zusammen mit den weiterhin an Auftritten interessierten Guggenmusiken ergibt das eine interessante Mischung. Gesellen sich noch Cliquen dazu, wäre der Coup perfekt: Nicht nur würde das berüchtigte «Gläbbergässli» wieder zur Fasnachtszone, sondern die als antifasnächtlich verschrieene Mitte wäre auf einen Schlag Schmelztiegel sämtlicher Basler Fasnachtsgattungen.