Die Gesundheit der Kinder war den beiden Basel einst kostbar. 150 Millionen Franken gaben sie für den Neubau des Universitäts-Kinderspitals an der Spitalstrasse aus, der 2011 feierlich eröffnet wurde. Die Feierlaune ist acht Jahre später weg. Zwar konnten die UKBB-Verantwortlichen gestern schwarze Zahlen präsentieren.

Das Jahr 2018 fiel «gar nicht so schlecht aus», wie CEO Marco Fischer vor den Medien sagte. Es gab etwas mehr stationäre Aufenthalte und im Schnitt schwerere Fälle. Doch handle es sich im wahrsten Sinn des Wortes um eine ausserordentliche Jahresrechnung, die dank Sondereffekten positiv gestaltet werden konnte. Unter anderem fielen Nachzahlungen der Invalidenversicherung an, was zu einem Gewinn von 2,5 Millionen Franken statt zu einem Verlust von 4,3 Millionen führte.

Operationen hinter Gardinen

Doch die Zukunft bringt dunkle Wolken. Der Bundesrat hat die Tarife für ambulante Eingriffe gesenkt, was beim UKBB Einbussen von 3,5 Millionen Franken zur Folge hatte. Verwaltungsrats-Präsident Manfred Manser sagte, 30 Prozent der Kosten der ambulanten Versorgung der Kinder seien nicht gedeckt.

Dank Restrukturierungen hätten Kosten gespart werden können. Zehn Stellen wurden gestrichen, Umstellungen bei den Mahlzeiten vorgenommen und in Spitzenzeiten wurde auf Personal vom Unispital zurückgegriffen statt auf externe Arbeitskräfte. Inwiefern der Kostendruck sich auf die Patienten auswirkte, darüber sagten sie nichts.

Ganz im Gegensatz zu Besuchern, Patienten und Mitarbeitern. Gerade in Spitzenzeiten stosse das UKBB an Kapazitätsgrenzen, berichten sie. Der Vater einer Vierjährigen erzählt der bz von seiner Erfahrung in der Notfallaufnahme, nachdem seine Tochter mit Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma eingewiesen worden war. «Wir mussten die ganze Nacht im Untersuchungsraum bleiben, obwohl von Anfang an klar war, dass wir übernachten mussten.» Will heissen: eine Nacht in einem Raum mit mehreren anderen kranken und verletzten Kindern, die hinter Gardinen versorgt und gar operiert wurden.

«Meiner Tochter wurde gesagt, dass sie ruhen solle, was kaum möglich war: Denn nebenan wurde ein Junge behandelt, der ohne Unterbruch schrie.» Auf die Nachfrage, warum er mit seinem Kind nicht in den stationären Bereich könne, antworteten die UKBB-Mitarbeiter, dass dies nach 22 Uhr nicht möglich sei – das die Weisung.

Stattdessen brachten sie dem Vater der verletzten Tochter einen Klappstuhl mit einem Bettlaken, auf dem er die Nacht verbringen sollte (siehe Bild links). Als sich der Mann nach der abgeschlossenen Behandlung per Mail beschwerte, «wurde ich mit PR-Floskeln abgespeist», sagt der Jungvater.

Gegenüber der bz sagt UKBB-Sprecherin Deborah Wallrabenstein: «Der Pflegestellenschlüssel ist nachts auf den Stationen so berechnet, dass die Sicherheit und Überwachung bestehender Patienten auf den Stationen zwar optimal gewährleistet ist, aufwendige Neueintritte in der Nacht aber nicht erfolgen können.»

Andere Angehörige junger Patienten, mit denen die bz sprach, stützen die Beobachtungen, wonach die Personaldecke dünn ist. Die Notfallstation sei beispielsweise regelmässig überfüllt, die Wartezeiten lang. Die Mutter einer damals Zweijährigen, die unter Atemnot litt, sagt: «Wir mussten in der Warteschlange einreihen, obwohl die Situation akut war.» Eine richtige Triage habe nicht stattgefunden.

Mitarbeiter weiter engagiert

Mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind am Anschlag. Toya Krummenacher von der Gewerkschaft VPOD sagt: «Das Personal spürt, dass die Situation finanziell angespannt ist.» Immerhin gäbe es immer noch regelmässig «kleine Lohnerhöhungen», und auch das Budget für Weiterbildungen sei nicht tangiert.

Ausserdem seien die Mitarbeiter des UKBB «leidenschaftlich» bei der Sache. Auch Patienten berichten von aufopferungsvoll arbeitendem Personal. Die Mutter der damals Zweijährigen sagt, eine vorbeigehende Ärztin sei auf ihr Mädchen aufmerksam geworden, das kaum noch atmete. «Immerhin: Ab da gings sehr schnell», sagt die Mutter.

Ob die Behandlungsqualität alleine mit der Leidenschaft des Pflegepersonals noch lange aufrechterhalten werden kann, ist unklar. Das UKBB, das betonten gestern die Verantwortlichen, fordert deshalb den Bundesrat auf, die Tarifänderung rückgängig zu machen. Die ambulanten Tarife sollten endlich wieder die Kosten decken. Alle Schweizer Kinderspitäler hätten dieselben Probleme sagte Manser. «Der Kampf geht weiter.»