Die Betreiber des «FKK Clubs» beweisen Stehvermögen. Seit 2008 kämpfen die Anwohner gegen das Etablissement, das sich anfänglich als «Fitnessclub» ausgab – und damit auch die Betriebsbewilligung erhielt. Schnell stellte sich heraus, dass die Kunden sich im zweistöckigen Lokal an der Amerbachstrasse 45 zwar körperlich ertüchtigten, aber nicht mit Hanteln, sondern mit jungen Frauen.

Nach sieben Jahren forderte das Bau- und Gastgewerbeinspektorat deshalb nachträglich ein Baubegehren für einen Sexbetrieb. Dieses wurde dann abgelehnt: Ein Sexbetrieb sei an der Amerbachstrasse 45 nicht zonenkonform, eine Umnutzung nur mit Öffnungszeiten bis abends um 22 Uhr möglich. Ein Sexbetrieb, der nur tagsüber offen hat, hat natürlich einen schweren Stand. Deswegen rekurrierte der FKK Club – vergeblich. Im vergangenen Frühjahr entschied die Baurekurskommission, dass der Betrieb innert drei Monaten schliessen müsse.

Doch ein Jahr später läuft Betrieb noch immer. Auf der Homepage lockt der Club mit dem besten Preisleistungsverhältnis der Schweiz. Der Eintritt kostet 69 Franken. Wer einen halbstündigen «Service der Damen» in Anspruch nehmen will, der bezahlt 70 Franken obendrauf.

Ein einträgliches Geschäft, wenn man bedenkt, dass gleichzeitig 20 Kunden den Club besuchen können, sind es pro Abend weit über 10'000 Franken, welche in die Kasse der Clubeigentümerin KMS Verwaltungs GmbH gespült werden. Geld, auf das man nicht gerne verzichtet. Die Clubbetreiber werden deshalb das Lokal wohl weiter offen haben, bis ein rechtskräftiger Entscheid vorliegt.

Autotüren, Betrunkene, Gelächter

Am 24. Mai kommt es nun zur Verhandlung vor dem Appellationsgericht. Bei der Begehung dabei sein wird auch Anwohner Markus Knöpfli sein. Er ist zum Sprachrohr jener geworden, die sich für die Schliessung des Sexclubs einsetzen. Er sagt: «Die Situation ist nach wie vor sehr ungemütlich für die Anwohner.»

Besonders im Sommer, wenn die Anwohner nachts die Fenster offen hätten, höre man im Innenhof Gelächter und Streit, schlagende Autotüren, laufende Motoren und Betrunkene. «Und immer wieder klingeln Gäste des Sexclubs an der falschen Tür», sagt Knöpfli. «Ich habe selber schon erlebt, dass ein Gast morgens um elf Uhr betrunken aus einem Taxi stieg und das FKK aufsuchen wollte, aber den Eingang im Hinterhof nicht fand, weil dieser von der Strasse her schlecht zu sehen ist.»

Die Baurekurskommission kam zu einem ähnlichen Urteil, als sie die Clubschliessung anordnete. Viele Schlafzimmer der umliegenden Gebäude seien gegen den Innenhof ausgerichtet. So diskret und ruhig wie behauptet verhielten sich auch die Gäste nicht. Immer wieder gäbe es im «FKK Club» Mottotage und BBQs. Und weil der Sexclub über die Landesgrenzen hinaus bekannt sei, zöge er auch Gäste an, die nicht um Diskretion bemüht seien. Auch wenn die Kommission nicht sagt, dass ein Sexclub an der Amerbachstrasse 45 ganz verboten werden müsste, räumt sie ein: Es werde nur schwer möglich sein, ab 22 Uhr Nachtruhe zu bewahren, wenn der Club weiter bestehe.

Ob die Clubbetreiber erwarten, dass das Appellationsgericht den Entscheid der Baurekurskommission umstösst – oder ob sie mit dem Weiterzug einfach ein paar Monate schinden wollen, in denen die Einnahmen weitersprudeln, war nicht in Erfahrung zu bringen. Die Verantwortlichen waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Anwohner Knöpfli glaubt aber nicht an ein baldiges Ende. Er hält es für möglich, dass die Clubbetreiber bis vors Bundesgericht gehen. «Hier geht es um viel Geld.»