Die bz hat Mitte Januar aufgezeigt, welche Airlines hauptsächlich für die unbeliebten Süd-Starts nach 22 Uhr verantwortlich sind. Daraufhin erhielt die Zeitung zahlreiche Zuschriften von Lärmgegnern. Wir haben die Hauptkritikpunkte zusammengefasst und dem Flughafen vorgelegt. Und dort, wo es möglich war, im Sinne eines Faktenchecks eigene Nachforschungen hinzugefügt.

Behauptung 1: Es wäre problemlos möglich, dass sich die Flugbewegungen wieder auf einen nicht bewohnten Streifen zwischen Allschwil und Hégenheim konzentrieren und nicht über dicht besiedeltes Wohngebiet in der Schweiz und in Frankreich fliegen.

  • Der Flughafen sagt dazu: Die Süd-Startverfahren wurden von der französischen Zivilluftfahrtbehörde (DGAC) in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) so konzipiert, dass möglichst wenige Personen durch starke Lärmimmissionen belästigt werden. Flugrouten werden nach internationalen Normen festgelegt, welche zwei Hauptziele verfolgen: Einerseits die Flugsicherheit zu gewährleisten und andererseits möglichst wenige Menschen mit möglichst wenig Lärm zu belasten.
  • Die bz hat neun zufällig ausgewählte Abflüge mittels den Daten von flightradar24.com auf einer Google-Karte eingetragen (Bild links). Dabei zeigt sich: Die Flugrouten orientieren sich tatsächlich entlang des unbewohnten Streifens zwischen Allschwil und Hégenheim, die Ausreisser überfliegen Allschwil. Eine detailliertere Karte zum Nachrecherchieren finden Sie auf unserer Website.

Die Flugrouten neun zufällig ausgewählter, in Richtung Süden startender Jets.

Behauptung 2: Es bringt nichts, dass die Flugzeuge ab 22 Uhr von ganz hinten an der Piste starten, weil sie dann einfach flacher starten und am definierten Wendepunkt gleich tief über die Dächer lärmgeplagter Anwohner donnern.

  • Der Flughafen sagt dazu: Die vorgesehene Höhe beim Abdrehen beträgt 1300 Fuss, die Flugzeuge weisen zum Zeitpunkt des Abdrehens in den meisten Fällen eine höhere Flughöhe auf.
  • Die bz hat nachgeprüft: Mithilfe der Internetseite flightradar24.com können die Linienverläufe der meisten Flugzeuge punktgenau nachvollzogen werden. Der Vergleich zweier identischer Flugzeuge (Airbus A320) in den Tagen vom 29. Januar bis 6. Februar zeigt: Die nach 22 Uhr gestarteten Wizz-Air-Flüge nach Skopje (siehe Bild oben, in rot dargestellt) haben beim Abbiegen mehr Höhe als die als Vergleich herangezogenen Easyjet-Flüge nach Barcelona. Die zufällig ausgewählten Nachtflüge waren an der Vergleichsstelle vor dem Abbiegen durchschnittlich 130 Meter höher als die Vergleichsflüge. Und alle waren sie höher als die geforderten 1300 Fuss (396 Meter).

Behauptung 3: Süd-Starts nach 23 Uhr sind nur nötig, weil nach 23 Uhr noch Flugzeuge landen, hauptsächlich Charterflüge aus Nordafrika. Ansonsten könnte nach Norden gestartet werden. Und selbst mit diesen landenden Flugzeugen wäre es möglich, einige Minuten abzuwarten und dann nach Norden zu starten.

  • Der Flughafen sagt dazu: Vorzugspiste am Euro-Airport ist die Piste 15, d.h. im Normalfall wird von Norden her gelandet und in Richtung Süden gestartet. Starts nach Norden auf Piste 33 erfolgen also gegen die eigentliche Betriebsrichtung. Wenn Piste 15 in Betrieb ist, kann der Tower keinen Piloten zwingen, verspätet abzufliegen, um eine oder mehrere Nordlandungen abzuwarten und dann in Richtung Norden zu starten. Der Tower kann dem Piloten lediglich vorschlagen, unter Inkaufnahme einer Verspätung auf Piste 33 zu starten. Der Pilot allein entscheidet, ob er dies tatsächlich macht.
  • Die bz hat nachgezählt: Von Montag 31. Januar bis Dienstag 6. Februar sind am Euro-Airport sechs Flugzeuge nach 23 Uhr gelandet, keines davon aus Nordafrika. Ein Flug kam aus Zypern, die anderen fünf aus europäischen Städten. Zwei der sechs Flüge landeten in Richtung Norden. Südstarts bleiben dennoch die Regel: Von den 288 nach 22 Uhr gestarteten Flügen, die die bz Mitte Januar analysiert hat, sind 188 in Richtung Stadt gestartet, 102 in Richtung Norden.

Behauptung 4: Das 2014 eingeführte Abflugverfahren für Südstarts ist falsch gelegt, weil direkt über besiedeltes schweizerisches Gebiet geflogen wird. Die Abflugroute sei um mindestens 1,5 Kilometer in Richtung Süden verlegt worden.

  • Der Flughafen sagt dazu: Um die Streuung der Flugspuren zu verringern, wurden im August 2014 am Flughafen Basel-Mulhouse für einige Abflugrouten sogenannte RNAV-Abflugprozeduren eingeführt. Durch diese Navigationsmethode sind Ungenauigkeiten bei den tatsächlich geflogenen Flugrouten seltener. An der ursprünglichen Routenführung wurde nichts geändert.
  • Diesen Punkt konnte die bz nicht verifizieren.