Stefan Camenisch, Abteilungsleiter Bildung und Familie bei der Gemeinde Riehen, blättert die Informationsbriefe der Schule an die Eltern durch, die seit Jahren bei Vorfällen der Belästigung verschickt werden. «Es ist durchschnittlich ein Fall pro Jahr», rechnet Camenisch vor. Doch in den vergangenen zweieinhalb Wochen ereigneten sich aber gleich zwei Fälle.

Am 28. Januar wurde ein Mädchen anfangs Nachmittag auf dem Schulweg beim Bahnübergang an der Inzlingerstrasse angesprochen und gebeten, ins Auto einzusteigen. Das Mädchen rannte daraufhin weg und ging via Unterführung in die Schule.

Am vergangenen Montag, ebenfalls anfangs Nachmittag, wurde eine Schülerin bei der Verzweigung Pfaffenlohweg/Äussere Baselstrasse von einem Mann angesprochen und gebeten, ihm zu folgen. Gemäss dem Mädchen hatte der Mann einen dunklen Teint und wurde von einem mittelgrossen Hund begleitet, der einen Maulkorb trug. Die Schülerin fuhr mit dem Trottinett weg und ging zur Schule, wo sie ihre Lehrerin informierte.

In beiden Fällen erstatteten die Eltern Anzeige in Absprache mit dem örtlichen Ressortleiter der Polizei Thomas Galli. Es ist aber fraglich, inwiefern die beiden Männer belangt werden könnten, wenn man sie fasste. Das Ansprechen einer Person an sich sei noch keine Straftat, erklärt der Basler Polizeisprecher Toprak Yerguz. «Es stellt sich dann jeweils die Frage, was genau dahintersteckt.» Die Strafverfolgung obliege der Staatsanwaltschaft.

Polizei erhöht Präsenz

Die Polizei hat nach den Vorfällen in Zusammenarbeit mit dem Fahndungsdienst ihre Patrouillentätigkeiten bei den Schulhäusern intensiviert. «Wir sind wachsam», sagt Toprak Yerguz. Was dies genau heisst, möchte er aus polizeitaktischen Gründen nicht sagen. Zudem sei die Jugendpolizei in Zivil vor Ort unterwegs, schreiben Stefan Camenisch und Co-Schulleiterin Stéphanie Koehler in den beiden Briefen an die Eltern der Primarschulkinder in Riehen und Bettingen.

Im Schreiben rufen Camenisch und Koehler die Eltern zu erhöhter Aufmerksamkeit auf. «Prägen Sie sich Auffälligkeiten ein, um eine Personenbeschreibung abgeben zu können und informieren Sie bei Feststellungen umgehend die Polizei.» Die Polizei sei dankbar, «wenn Sie es ohne Zeitverlust auf die Telefonnummer 117 melden, wenn Sie einen Mann mit dunklem Teint sehen, der von einem mittelgrossen Hund mit Maulkorb begleitet wird».

Die Polizei geht – auch aufgrund der unterschiedlichen Beschreibungen – davon aus, dass die beiden Fälle Zufall und unabhängig voneinander sind. Die Polizei klärt trotzdem ab, ob es ein Muster gibt. Denn zwei Fälle innert so kurzer Zeit seien für Riehen schon aussergewöhnlich, betont Stefan Camenisch.

Kinder reagieren richtig

In Absprache mit der Polizei informieren die Riehener Schulbehörden nach einer Einschätzung des Vorfalls seit Jahren umgehend. «Wir stellten fest, dass sich so etwas bei der Elternschaft sehr schnell herumspricht. Deshalb informieren wir lieber proaktiv», erklärt Stefan Camenisch. Die Eltern seien dankbar für den offenen Umgang der Schulbehörden und der Polizei.

Bei aller Betroffenheit zeigten die beiden Vorfälle aber auch, dass die Schulkinder bei Belästigungsfällen richtig reagieren. «Die Prophylaxe vonseiten Eltern, Schule und Polizei greift», resümiert Camenisch. «In allen Fällen, seit ich hier bin, haben die Kinder richtig gehandelt.» Der Umgang mit Belästigungen und dem eigenen Körper sei heute offener als zu Zeiten, als er noch ein Kind gewesen ist, meint Camenisch. Auch aktuell werde das Thema in den Schulklassen behandelt; schliesslich sorgen die beiden Fälle auch bei den Kindern für reichlich Gesprächsstoff.