Die Absicht war gut. Dienstagabend organisierten Regio Basiliensis und die Handelskammer Frankreich-Schweiz eine Podiumsdiskussion zum Euro-Airport (EAP). Noch nie seit der Gründung im Mai 1946 war der Groll gegenüber dem Flughafen derart gross wie heute.

Der Schutzverband der lärmgeplagten Bevölkerung um den EAP, der ein Nachtflugverbot ab 23 Uhr fordert, erfährt gerade einen enormen Goodwill. Sogar bürgerliche Politiker haben sich einem entsprechenden Postulat der Grünen Landrätin und Vizepräsidentin des Schutzverbandes, Rahel Bänziger, angeschlossen.

Eine gute Absicht also, sensible Themen rund um den Flughafen endlich in einer Runde anzusprechen. Da war aber dieser Makel, der den Eindruck erweckte, man habe die Gegner noch immer nicht auf dem Radar: Die Regio Basiliensis um Präsidentin Kathrin Amacker hatte es verschwitzt, einen Vertreter eines Anrainerverbandes auf das Podium zu laden. Sie sei vor wenigen Tagen nachgeladen worden, sagte Bänziger mit süffisantem Unterton.

Sie war denn auch die Einzige auf dem Podium am EAP, die sich für die Anwohner einsetzte. Die weiteren Teilnehmer: der Basler Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin, EAP-Direktor Matthias Suhr, Gilbert Stimpflin, Präsident CCI Grand Est, die Lörracher Landrätin Marion Dammann und Gastgeberin Amacker. Eine gesittete Runde, moderiert von bz-Journalist Peter Schenk.

Viel versprochen, nichts passiert

Stoisch nahm Suhr die Aussagen Bänzigers zur Kenntnis. Sie sagte etwa, dass sie die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens durchaus anerkenne, sie aber auf das Ruhebedürfnis der Anwohner poche. Sie zeigte sich enttäuscht darüber, dass der EAP versprochene Massnahmen, etwa die Einführung des Nachtflugverbots, nicht umsetze. «Es wurde schon so viel versprochen. Passiert ist nichts.»

Warum, so Bänziger, sei eine Ausweitung der Nachtflugsperre nicht möglich, wenn dies in Zürich und anderen Flughafen der Fall sei? Darauf konterte Brutschin, in Frankreich würde an allen Flughäfen rund um die Uhr geflogen, ausser in Paris-Orly und dem EAP. «Aber: Ich kann Ihre Anliegen nachvollziehen. Durch das überproportionale Wachstum des Flughafens ist es lauter geworden. Das wird auch nicht bestritten.» Er wünsche sich, dass diesbezüglich eine Lösung gefunden werde.

Suhr betonte, am EAP sei man willens, ab 23 Uhr keine Starts mehr in Richtung Süden durchzuführen. «Aber Sie müssen sehen: Beim Flughafen handelt es sich um eine öffentlich-rechtliche Einrichtung. Wir können eine Ausweitung der Nachtflugsperre nicht in Eigenregie einführen. Das entscheidet die französische Aufsichtsbehörde für Zivilluftfahrt.»

Der entsprechende Prozess sei angelaufen, es dauere wohl aber zwei Jahre bis zu einem Entscheid. Weiter stellte er fest: «Es zeichnet sich für 2019 erneut ein Rekord bei den Passagierzahlen ab. Diese Realität deckt sich für mich einfach nicht mit den Ansprüchen aus der Bevölkerung.» Es werde derzeit bei den Reisebüros sehr rege gebucht.

Easyjet-Wegzug sei Angstmacherei

Und dann wurde der sonst sehr besonnene Suhr sogar ein bisschen laut, als er anführte, dass man sich bewusst sein müsse, dass Platzhirsch Easyjet nicht lange fackeln würde, wenn für die Airline die Rahmenbedingungen an einem Flughafen nicht stimmen würde. «Das war in Hamburg so oder in Rom. Die waren innert weniger Monate weg!»

«Hören Sie auf mit der Angstmacherei», entgegnete Madeleine Göschke. Die Präsidentin des Schutzverbands sprach von einem Publikumsplatz aus. Sie denke nicht, dass Easyjet die Zelte hier abbrechen würde. «Wo sollen die hin? In der Nähe gibt es keinen Flughafen, der sich für die Airline eignen würde.» Auch Aviatik-Lobbyist Paul Kurrus ergriff bei der Fragerunde das Wort, formulierte die Bitte an die Fluglärmgegner, den technischen Fortschritt anzuerkennen: «Mit der neuen Flugzeuggeneration sinken die Lärmemissionen in absehbarer Zeit um 50 Prozent.»

Auch zu ein paar Voten zum noch nicht restlos finanzierten Bahnanschluss reichte es an dem Abend. Bänziger formulierte nochmals die Absicht der Anrainerverbände, den Bahnanschluss als Pfand einzusetzen, um beim Nachtflugverbot einen Deal zu erreichen. «Es grassiert die Angst, dass ein Bahnanschluss zu noch mehr Flugverkehr führt», so Bänziger. Diesen Konnex konnten die Podiumsteilnehmer nicht nachvollziehen. So sagte Brutschin: «Für die Basler Herzstück-Pläne ist der Bahnanschluss des EAP zentral. Es handelt sich hierbei nicht um ein aviatisches Problem. Ich finde es verkehrt, wenn Sie das in die Waagschale werfen.»

Die Fronten bleiben verhärtet. Der Anlass am Dienstag hat aber gezeigt, dass miteinander zu diskutieren dazu beiträgt, Missverständnisse aus der Welt zu schaffen. EAP-Sprecherin Vivienne Gaskell zeigte sich angetan von der Idee, an einem Mediengespräch den genauen Ablauf des Prozesses in Richtung Nachtflugverbot zu erläutern. Und damit für Klarheit zu sorgen, warum das so lange dauert.