Die Fasnacht ist vorbei. Das Elend ist gross. Schmützchen, Tränchen, Umarmungen um vier Uhr am Donnerstag, und später noch ein nachhaltiges Brummen im Schädel. Die Stimmung kann man noch nicht als aufgeräumt bezeichnen; zu viele Eindrücke und schöne Erlebnisse in geballter Ladung. Aber ans Aufräumen muss man jetzt doch gehen. Wer noch einen Estrich hat, kann seine Scharadenkiste füllen. Die Lieblingskostüme wandern vielleicht in die Reinigung, die Zugskostüme in den Bebbisagg. Und die Wohnung wird nach tausend Räppli abgesaugt. Immerhin stehen noch die Schlussabende, die Zeedel-Lääsede und dann die Bummel im Kalender. Aber dann folgt bald einmal das wirkliche Aufräumen, nämlich die Lämpe-Sitzungen.

Warum heissen diese Nach-Fasnachts-Hocks oder Aktivenversammlung (bei den Rumplern sogar «Daagig») Lämpe-Sitzig? Weil es eben darum geht, Lämpe auf den Tisch zu bringen und auszubügeln. Im langen Lauf der Basler Fasnachts-Geschichte gab es Cliquen-Abspaltungen und Neugründungen auch meistens nach den in den zweiundsiebzig Stunden entstandenen Sturmböen – den mentalen, nicht den echten wie dieses Jahr. Aber eigentlich handelt es sich bei diesen hitzigen Debatten um Miseren auf ganz anderen, schlichteren Ebenen: Warum hat man am Mittwoch um halb zwei Uhr denn schon wieder einen Halt beim Barfi gemacht, und nicht erst beim Schlüssel wie traditionellerweise schon seit zwei Jahren? Dann das Nachtessen am Montag: Immer diese langweiligen Schnitzel mit Pommes frites; man könnte wirklich einmal abwechseln (und an die Vegis hat man wieder nicht gedacht!). Päuli hatte sein Piccolo nicht gestimmt, abgesehen von der zweiten Stimme beim Rossignol, die er immer noch nicht kann. Nichts gegen Frauen, aber die Trommel von Vreni tönt wie eine Pauke. Undsoweiter.

Aber nach der Lämpe-Sitzig wird die Tagesordnung noch einmal mit Sprüchen und Sticheleien beim fröhlichen Umtrunk abgehandelt. Dann ist die Sache erledigt und aufgeräumt, bis wahrscheinlich im nächsten Jahr wieder das gleiche Programm ablaufen wird. Sogar die Cliquenspaltungen pendeln sich nach wenigen Jahren so ein, dass man sich unter der grossen Junte der Frau Fasnacht wieder als gute Partner findet.

Was wirklich zählt beim Aufräumen, das sind auch in diesem Jahr die Sujets. Die Fasnacht hat das Ohr beim Volk und liefert eine kritische Auslegeordnung all dessen, was ärgert, drückt und stört. Die Sujet-Fasnacht ist eine Abrechnung mit Schieflagen und Frust in Gesellschaft und Politik. Vielleicht bewirkt’s bei gewissen Politikerinnen und Politikern etwas. Hoffentlich regen Laternenhelgen, Zeedel und Schnitzelbängg auch zum Nachdenken an. Auf jeden Fall fühlt sich das fasnächtliche Basel wie nach einem reinigenden Fegfeuer ab Fasnachts-Donnerstag durchgeputzt, erleichtert – eben aufgeräumt. Und das tut verdientermassen gut.