Josef Helfenstein, seit einem Jahr Direktor des Kunstmuseums Basel, hat einen Hilfeschrei ausgestossen. Sein Haus hat ein strukturelles Defizit, das im Regelfall 2,5 Millionen Franken beträgt. Grund für die finanzielle Schieflage ist die mangelhafte Ausfinanzierung der mit dem Erweiterungsbau gestiegenen Betriebskosten.

Helfenstein hat sich in Gesprächen mit der «bz» und der «Basler Zeitung» an die Öffentlichkeit gewandt, um jenes Gehör zu finden, das er beim Präsidialdepartement offenkundig nicht gefunden hat. Dieses hat das latente Problem, das im Rahmen der Budgetierung für das kommende Jahr manifest geworden ist, zur Kenntnis genommen. Mehr nicht. Statt Lösungen zu präsentieren, igelt sich das halbverwaiste Kulturressort ein. Es verweigert sich Medienanfragen und ist gemäss Verwaltungskreisen nun angesäuert, dass sich Helfenstein erdreistet hat, die Probleme offen zu benennen.

Der Museumsdirektor hat das Recht wie die Pflicht, nach einer angemessenen Finanzierung seines Museums zu rufen. Er wusste bei Amtsantritt, dass er vermehrt für Drittmittel für die Ausstellungen sorgen muss. Doch er durfte davon ausgehen, dass die Kulturstadt Basel eine solide Betriebsfinanzierung sicherstellt, wenn sie sich von der Mäzenin Maja Oeri einen halben Kunstbau zahlen lässt.

Neu in Basel ist Helfenstein der einzige, der ein Recht hat, die Forderungen zu erheben. Er ist aber nicht der einzige, der es tut. Oswald Inglin (CVP), Präsident der grossrätlichen Bildungs- und Kulturkommission (BRK), fordert im «Regionaljournal» flugs eine Subventionserhöhung um 2,5 Millionen. In der «Basler Zeitung» sekundiert Markus Altwegg, Präsident der Stiftung für das Kunstmuseum: «Nun muss Regierungsrätin Elisabeth Ackermann hinstehen und das Betriebsbudget erhöhen!»

Ihre Forderungen sind unlauter: Beide Exponenten haben wie die Basler Regierung genau gewusst, dass mit dem Erweiterungsbau die reinen Betriebskosten (ohne verwaltungsinterne Abgeltung der Miete) je nach Studie zwischen 4,8 und 5,2 Millionen Franken steigen werden. Die mit dem Segen der BRK ausgehandelten Subventionserhöhung um 2,3 Millionen Franken war ein austarierter Kompromiss: Er war nicht nur die Grenze des politisch Durchsetzbaren, sondern auch das Maximum, um das bestehende Ungleichgewicht im Basler Kulturbudget nicht ganz ins Kippen zu bringen. Dieses krankt schon heute daran, dass ein zu hoher Anteil in Museen und in bildende Kunst fliesst. Dass die fehlenden Mittel über private Geldgeber generiert werden sollen, war Teil dieses Deals.

Wie Altwegg sagt auch Felix Uhlmann, der neue Präsident der Kommission für das Kunstmuseum, gegenüber dieser Zeitung, die Betriebskosten seien Sache des Staates. Was grundsätzlich richtig ist, wird im konkreten Fall zur unzulässigen Forderung: Kommission wie die personell verknüpfte Stiftung haben sich mehrfach bereit erklärt, für die fehlenden Gelder aufzukommen. Dass sie als buchhalterische Trickserei ihren Mäzenen erzählten, ihr Beitrag sei nicht für den Betrieb, sondern für Ausstellungen vorgesehen, kann als lässliche Sünde betrachtet werden. Dass sie sich nun gänzlich aus dieser Verpflichtung nehmen, ist schwer erträglich.

Ein erster Reflex lässt die Vermutung zu, eine parteiübergreifende Kulturallianz habe die mehrfach erprobte Salamitaktik zur Anwendung gebracht: Ist der Erweiterungsbau des Kunstmuseums erst gebautes Faktum, wird sich die notwendige Finanzierung schon einstellen. Wahrscheinlich ist jedoch eine noch ärgerliche Variante: Die Allianz hat sich in einem Akt kollektiver Autosuggestion eingeredet und sich gegenseitig bestätigt, dass gar kein Finanzproblem besteht. Wer wagte, den warnenden Finger zu heben, wurde mit dem Argument zum Schweigen gebracht, er gefährde nur das noble Geschenk der Mäzenin Oeri. Die notorische Unfähigkeit der BRK, die Finanzen der Museen zu überwachen, sorgte effektiv dafür, dass keine parlamentarische Kontrolle stattfand.

Was nun? Bevor die öffentliche Hand auch nur über einen zusätzlichen Franken für das Kunstmuseum diskutiert, braucht es offene Selbstkritik: «Ja, wir haben uns und damit auch die Öffentlichkeit angelogen.» Dann, aber erst dann, wird man über allfällige Zahlungen sprechen können.

christian.mensch@azmedien.ch