Rechtzeitig zum Erwachen der Natur haben sich in Basel dieser Tage zwei Veranstaltungen mit der Nahrungsmittelproduktion in der Stadt befasst. Das Feierabendgespräch der Stadt und das Forum Food Policy. In Zusammenhang mit beiden fallen die Modebegriffe Urban Gardening oder Urban Farming. Doch was heisst das? Und haben in dem Sammelbegriff für den Lebensmittelanbau in der Stadt auch die Familiengärten, die Balkonkistli und die Dachfarm im Dreispitz ihren Platz?

Plädoyer für offenes Verständnis

«Die grösste Gruppe von Menschen, die in der Stadt Lebensmittel anbaut, sind die Familiengärtner», sagt der oberste Basler Stadtgärtner Emmanuel Trueb. Und: «Ich bin grundsätzlich an allen interessiert, die sich darum bemühen, Lebensmittel zu produzieren», so der oberste Basler Stadtgärtner Emmanuel Trueb. Er plädiert für ein offenes Verständnis von Urban Gardening als Einladung an möglichst viele Menschen, sich mit dem Anbau von Pflanzen und mit Umweltthemen zu befassen. Eigentlich träumt Trueb von einer Fachstelle Lebensmittel und Ernährung in der Stadt Basel, die ähnlich funktioniert, wie Grün Stadt Zürich. Dort werden Gemeinschaftsgärten als Teil der Umweltbildung von der Stadt in Projekten unterstützt. So kann das Verständnis für Lebensmittel, für Ernährung und ökologische Themen gefördert werden. «Uns fehlt dazu der Auftrag», sagt Trueb.

Mehr als ein Garten

Ein Gespräch mit einem Urban-Farming-Aktivisten zeigt: Er ist nicht nur durch die Lust am Gärtnern motiviert. «Für uns geht es darum, ökologisch, ökonomisch und sozial verträglich in regionalen Kreisläufen anzubauen», erklärt Bastiaan Frich, Vorstandsmitglied des Vereins Urban Agriculture Netz Basel. Für ihn sind beispielsweise das Gemeinschaftsgarten-Projekt auf dem Landhof und die Unigärten mehr als reine Lebensmittelproduktion. «Das ist sozio-kultureller Begegnungsraum. Mit solchen Projekten gelingt es uns, die Leute zu berühren und dadurch ändert sich auch der Lebensstil der Partizipierenden.» Frich verweist auf die mehr als 30 Projekte in und um Basel, von der Produktion von Stadthonig bis zu den essbaren Inseln an der Gewerbeschule, die – im Gegensatz zu den Familiengärten – öffentlich zugänglich sind. Er betont auch, das Forum Food Policy befasse sich nicht nur mit der Lebensmittelproduktion, sondern suche nach Ideen für eine städtische Lebensmittelstrategie. Wichtige Aspekte seien, die Wertschätzung und die Eigenverantwortung zu fördern.

Chemie auch interessiert

Der Gegenpol zu den Aktivisten ist die chemische Industrie, die ebenfalls an Urban Gardening interessiert ist. Die Syngenta als Produzentin von Pestiziden beispielsweise «begrüsst» Initiativen, die «das Wissen der städtischen Bevölkerung über die landwirtschaftliche Produktion erhöhen». Der Grund: Das helfe, die «Herausforderungen der Landwirte im Anbau und beim Schutz von Nutzpflanzen der städtischen Bevölkerung zu vermitteln» – und damit das Verständnis für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zur Sicherung der Nahrungsmittelproduktion.