«Sie war gestern Abend noch bei mir. Wir haben keinen Krach. Ich finde, sie sollte wegen der Diebstähle verurteilt werden, aber nur zu einer Bewährungsstrafe», betonte der 74-jährige Mann am Dienstag im Basler Strafgericht. Sie, das war die 45-jährige Frau, die wie in Häufchen Elend im Gerichtssaal sass und gelegentlich irritierte Blicke zu ihrer Verteidigerin warf; etwa so, als würde sie gar nicht begreifen, worum es überhaupt geht.

Diverse ältere Männer aus Basel luden die Frau zu sich nach Hause ein, kochten eine Suppe, tranken gemeinsam einen Kaffee, und wachten Stunden später etwas benommen auf: Mal fehlte ein Laptop, mal ein Mobiltelefon, meistens auch Bargeld. Und die Frau war stets verschwunden.

Im Blut der Senioren fand man Spuren von Diazepam, einem Wirkstoff, der etwa in Valium vorkommt. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Die Frau habe die Männer bewusst betäubt, was juristisch einem qualifizierten Raub entspreche. Das Gericht war etwas verwundert darüber, dass der 74-jährige Mann noch immer Kontakt zur Angeklagten pflegt. «Haben Sie keine Angst, wieder etwas in den Kaffee zu kriegen?», fragte ein Richter. «Ich achte auf den Geschmack.

Ich merke das, wenn der Kaffee anders riecht», antwortete der 74-Jährige. Ein anderer Mann, der die Frau ebenfalls wegen Diebstählen angezeigt hatte, konnte sich indes an gar nichts mehr erinnern und umarmte die 45-Jährige sanft, bevor er den Gerichtssaal verliess. Für die Verteidigerin ein klarer Fall: Die Männer hätten die Frau ja wohl kaum bloss aus Mitleid eingeladen, es sei offensichtlich um sexuelle Dienstleistungen gegangen. Dann sei wohl ein Streit um den Preis entbrannt, von Diebstahl und Raub könne jedenfalls keine Rede sein. Auch hätten die geringen Diazepam-Reste gezeigt, dass die Dosis kaum im wirksamen Bereich gelegen haben konnte.

Doch noch ein Landesverweis

Die 45-Jährige stammt aus Serbien und reiste vor fünf Jahren zusammen mit ihren Kindern in die Schweiz ein. Ihr Asylantrag wurde abgelehnt, seither lebt sie im Asylheim und bezieht Nothilfe. Ihre zwei Kinder leben im Waisenhaus. Vermutlich wegen ihres schlechten Gesundheitszustands verzichtete das Migrationsamt bislang darauf, die Frau wegzuweisen. Die Männer lernte sie in Bars kennen, teilweise aber auch in der Gassenküche. Im Gerichtssaal machte sie einen ziemlich verwirrten Eindruck. Allerdings war sie geistesgegenwärtig genug, jeweils auf ihre früheren Aussagen gegenüber der Staatsanwaltschaft zu verweisen, wenn es um die konkreten Vorwürfe ging.

Staatsanwältin Daniela Erbe forderte eine teilbedingte Strafe von drei Jahren, davon solle die Frau ein Jahr absitzen. Auf einen Landesverweis sei zu verzichten, wegen der schlechten Gesundheit liege hier ein Härtefall vor. Die drei Richter gingen weiter: Am Mittwoch verdonnerten sie die Frau nicht nur wegen Raubes zu drei Jahren, sondern erhöhten auch den unbedingten Teil auf die Hälfte. Somit muss die Frau 1,5 Jahre absitzen. Gerichtspräsidentin Felicitas Lenzinger sagte, dadurch sei ein Vollzugsplan und damit eine Tagesstruktur im Gefängnis möglich. Das Gericht sah allerdings keinen Härtefall: Zusätzlich gab es einen Landesverweis von fünf Jahren. Mit dem Fall wird sich wohl noch das Appellationsgericht beschäftigen müssen.