Die Basler Velo-Parkplätze haben sich teilweise zu Schandflecken im Stadtbild entwickelt. Rund um den Bahnhof verstellen Drahtesel-Lawinen Fussgängerwege und in der Innenstadt, wo der Platz ohnehin knapp ist, sammeln sie sich zu Stosszeiten auf den Trottoirs. Das kann gerade für Passanten mit Kinderwagen oder Rollstuhl deutlich erschwerend werden. Auch viele Nutzer der bz-Facebook-Community erachten die Situation als sehr problematisch. Vor allem an den Bahnhöfen. 

Aufräumen will die Regierung zwar, doch die meisten Pläne befinden sich noch im Ideen-Status. Erwägt wird, Standplätze für Taxis und Lieferanten in der Innenstadt umzunutzen, Motorradparkplätze zur Zwischennutzung freizugeben und sogar eine Liegenschaft soll als Veloparkhaus umgenutzt werden. Welche, ist aber noch offen.

Es geht noch radikaler

Radikal genug ist das den Vertretern von Pro Velo allerdings noch nicht. Anina Ineichen, Co-Präsidentin des Vereins, der sich für Veloanliegen einsetzt, sagt: «Besonders die Zwischennutzung des Gebäudes klingt interessant», doch der Rest geht zu wenig weit. Die Velo-Lobby könne sich vorstellen, Fahrbahnspuren so anzupassen, dass fahrende Velos mehr Platz erhalten, aber auch mehr Abstellplätze gebaut werden können.

Die Vorschläge gehen noch weiter: So könne sie sich auch vorstellen, dass Veloständer auf Rampen gebaut werden, um die engen Verhältnisse der Innenstadt besser zu nutzen. Das Tram muss genau so passieren können wie der Zweirad- und der mittlerweile limitierte Autoverkehr. Tatsache aber bleibe, so Ineichen: «Es hat schlicht zu wenig Veloparkplätze.»

Velofriedhof an der Viaduktstrasse Basel

Velofriedhof an der Viaduktstrasse Basel

Ein Augenschein mit Kamera: Obwohl eigentlich nicht als Veloparkplatz vorgesehen, massieren sich die Fahrräder vor dem Bahnhof SBB in Basel entlang der Viaduktstrasse Velos. Das Durchkommen ist für Fussgänger nicht einfach, denn die Drahtesel-Lawine ist dicht und versperrt oft auch das Durchkommen.

Auto und Velo wollen Platz

Auch der Basler Gewerbeverband hat dazu eine Meinung. Und die ist, zumindest vor dem Hintergrund einer Initiative des Verbands, konzilianter als in der Autoparkplatzfrage. «Bei einem Ja würde der Kanton verpflichtet, eine ausreichende Anzahl Veloparkplätze zu erstellen, wenn möglich gedeckt», sagt Verbands-Sprecher David Weber. 

Die Initiative «Parkieren für alle Verkehrsteilnehmer» habe zum Ziel, die Parkiersituation für alle Verkehrsteilnehmer zu verbessern; auch für Velofahrer, so Weber. Pro Velo sieht dies kritischer und empfindet die Initiative vor allem als autofahrerfreundlich.

Das Elend an den Bahnhöfen

Gerade die Aufhebung von Standplätzen sei weder kreativ noch wirkungsvoll, so der Verband. «Das wäre erstens nur ein Tropfen auf den heissen Stein, und zweites wäre dies ein ideologisch motiviertes Gegeneinander-Ausspielen der verschiedenen Verkehrsarten», so Weber. Damit werde kein Problem gelöst, sondern es würden nur neue geschaffen.

Die Situation an den Bahnhöfen ist zusätzlich erschwert. Während der Gewerbeverband den Bau eines Tiefparkings am Badischen Bahnhof unterstützt hatte, sieht Anina Ineichen von Pro Velo am Bahnhof SBB vor allem die SBB in der Pflicht, ausreichend Abstellplätze zur Verfügung zu stellen. Dort würden die zur Verfügung gestellten Flächen regelmässig überlaufen.