Das Basler Orange-Cinema hat einen neuen Sponsor: den Kanton Basel-Stadt. Erstmals hat die Regierung dem Open-Air-Kino einen Beitrag aus dem Swisslos-Fonds gesprochen. Die 13. Ausgabe auf dem Münsterplatz vom 26. Juli bis 22. August wird mit 25 000 Franken unterstützt.

Mit seinem Geldsegen bedankt sich der Staat bei den Organisatoren für deren Flexibilität. Die Basler Allmendverwaltung übte Druck aus. Sie reagierte auf Reklamationen von Anwohnern und stufte die zahlreichen Grossveranstaltungen auf dem Münsterplatz als Problem ein. Deren Infrastruktur würde den Platz zunehmend verstellen, heisst es etwa im neuen Entwicklungsrichtplan Innenstadt. Die Behörden suchten mit den Veranstaltern das Gespräch.

Eintritt kostet fünf Franken

Die weltweit tätige Firma Cinerent, welche die Orange-Cinemas in Basel, Bern und Zürich organisiert, zeigte sich kooperativ. Vor vier Monaten gab sie bekannt, dass sie auf dem Münsterplatz auf die Tribüne verzichtet. Das neue Konzept für die Jahre 2013 bis 2015, das der «Schweiz am Sonntag» vorliegt, sieht aber weit mehr als bauliche Anpassungen vor. Es trägt den Namen «Volkskino». Neu kostet ein Eintritt in Basel nur noch symbolische fünf Franken. Im letzten Jahr waren es 19 Franken. Mit der Preissenkung soll ein grösseres Publikum angelockt werden. Geplant ist, den Publikumsbereich Richtung Münster zu erweitern und das bisherige Platzangebot von 1350 Stühlen zu erhöhen.

«Alternative Auswahl von Filmen»

Gespart wird dafür bei den Filmrechten. Die Veranstalterin kündet eine «alternativere Auswahl von Filmen – etwas weg von Hollywood» an. Bisher hat Cinerent-CEO Peter Hürlimann in seinen Orange-Cinemas viele Filme gezeigt, die ihm persönlich nicht gefielen. «Ich bin eher im Arthouse zu Hause, weniger im Mainstream oder in den grossen Hollywood-Produktionen. Gerne schaue ich mir gehaltvolle Filme an, Action-Filme und das Horrorgenre mag ich nicht», sagte er 2011 im «Bund». Mit der Konzeptanpassung in Basel dürfte sich Hürlimann seinem eigenen Filmgeschmack nähern. Äussern möchte er sich dazu noch nicht, sondern erst bei Bekanntgabe des Programms am 28. Juni.

In New York und London plant der Cinerent-CEO, weiterzugehen als in Basel. Da in angelsächsischen Städten öffentliche Plätze allen zugänglich sein müssten, könne er sich vorstellen, dort die Filme gratis zu zeigen, erzählte er im «Bund»-Interview. Mit dem Basler Versuch von einem symbolischen Eintrittspreis wagt er nun in der Schweiz einen Schritt in diese Richtung. Der Grund ist ähnlich: Wie im angelsächsischen Raum wird auch in Basel Kritik laut, öffentliche Plätze für Grossveranstaltungen zu sperren.

Gesellschaftlicher Treffpunkt

Der Zaun auf dem Münsterplatz bleibt zwar bestehen. Die Hürde, diesen zu passieren, wird mit dem tiefen Eintrittspreis aber gesenkt. Gleichzeitig wird das Geschehen vor der Leinwand wichtiger als jenes auf der Leinwand. «Der Film selber rückt etwas in den Hintergrund», schreibt Cinerent zum neuen Basler Konzept. Auf exklusive Premieren wird wohl zugunsten von Klassikern verzichtet. Das Open-Air-Kino soll neu in erster Linie ein gesellschaftlicher Treffpunkt sein.

Die Veranstalterin macht aus der Not eine Tugend. Die von den Behörden in Basel erzwungene Konzeptanpassung wertet Cinerent als Pluspunkt. Im Gegensatz zu anderen Städten «mit eher elitären Filmfestivals» erhalte Basel ein Open-Air-Kino für die ganze Bevölkerung, argumentiert die Firma. Trotzdem passt sie die Orange-Cinemas in Bern und Zürich nicht an. Dort kostet der Eintritt weiterhin rund 20 Franken. Der Unterschied: In Bern und Zürich regten die Behörden keinen Konzeptwechsel an.

Mehr Piazza-Feeling

Sehr zufrieden reagiert Pascal Eisner, Präsident des Vereins Pro Münsterplatz, auf das neue Konzept: «Wir führen es unter anderem auf unseren Widerstand zurück.» Er hoffe, dass auf dem Münsterplatz mit dem Verzicht auf eine Tribüne wieder mehr Piazza-Feeling entstehe. Auch das Restaurant Zum Isaak konnten die Veranstalter überzeugen. Neu kann man die Filme von den Restaurant-Tischen im Aussenbereich verfolgen. Das Museumsbistro Rollerhof hingegen hat die Anfrage des «Volkskinos» nach einer Ausdehnung der Bewirtungsfläche abgelehnt. Das lohne sich nicht, heisst es beim Museum der Kulturen. So weit geht die Unterstützung des Kantons dann doch nicht.