«Dass ein Gericht eine sofortige Freistellung aufhebt, ist in der Schweiz sehr selten», sagte Philippe Nordmann, Anwalt der gekündigten Organistin Babette Mondry an einer Versammlung ihres Unterstützungskomitees. Und dass sie den Schlüssel zur Orgel zurückerhalte, um üben zu können, und sogar mit gerichtlicher Erlaubnis die Gottesdienste der Universität begleiten dürfe – das sei vergleichbar mit einem freigestellten Fussballspieler, der von einem Gericht die Erlaubnis erhalte, nicht nur mit der Mannschaft trainieren, sondern sogar mitspielen zu können. Das Gericht sei, so Nordmann, in Kenntnis und Würdigung sämtlicher Unterlagen zum Schluss gekommen, dass die von der Kirche vorgebrachte Begründung nicht glaubhaft sei.

An der von rund 80 Teilnehmern besuchten Veranstaltung herrschte in weiten Bereichen Empörung. Viel Bekanntes wurde wiederholt. Es habe keine Verwarnung stattgefunden, kein Mitarbeiterinnengespräch, um zwei Beispiele zu nennen. Eine Mediation wurde abgelehnt, der Ombudsmann der Kirche lehnte ein Einschreiten offenbar auch ab.

Auch kritische Stimmen

Nur zweimal wurde gegen die allgemeine Stimmungslage im Restaurant Zur Mägd argumentiert. Ein Pfarrer der Gemeinde merkte an, dass der Beschluss, die lang gediente Organistin zu entlassen, einstimmig gefällt wurde. Und da müsse wohl etwas vorgefallen sein. Den verantwortlichen Pfarrer Theophil Schubert kenne er schon lange, ein guter Typ, der nichts übers Knie breche. Ein ehemaliges Mitglied des Kirchenrates meinte, die Kündigung sei nicht überraschend gekommen. «Da war immer etwas», sagte die Frau.

Doch, es war überraschend, kam postwendend das Echo. Das Pensum der Organistin sei noch 2014 aufgestockt worden, wurde entgegnet. Auch die Aussprache zwischen einer «Delegiertengruppe» der Gemeinde und dem Kirchenratsvorstand habe keine Klärung der Hintergründe gebracht, erklärten Gesprächsteilnehmer.

Auf Anfrage der bz sagte David Jenny, Mitglied des Kirchenrates der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt, zur vorgängigen Aussprache, dass die Tatsache der Kündigung nicht zur Diskussion gestanden sei. An den unterschiedlichen Positionen und Grundsatzfragen habe sich zwischen den Parteien nichts geändert. Die Diskussion sei teilweise emotional gewesen. Er habe aber klar gemacht, dass der Kirchenrat aus prozesstaktischen Gründen «sehr begrenzt» Aussagen machen könne. «Das führte zu einer asymmetrischen Kommunikation.» Hintergrund ist, dass die Kündigung angefochten wird. Überdies würden Verhandlungen in dieser Sache zwischen Anwälten geführt und nicht an Versammlungen.

Ironische Untertöne

Wie zu erwarten, wurde die Veranstaltung in der «Mägd» musikalisch begleitet, und das nicht ohne ironischen Hintersinn. Pianist Johannes Fankhauser improvisierte auf den Hochzeitsmarsch (Mondry soll einmal einem Brautpaar die Orgelinterpretation des Stücks verweigert haben, sagte ein Mondry-Kritiker kurz zuvor) und auf «Der Mond ist aufgegangen». Und eine liebliche Schumanniade wurde untermalt mit dem Kampfpsalm «Eine feste Burg ist unser Gott».