In Zürich ist man des Lobes voll: «Die Stadt erhält mit den Entwürfen für das neue Unispital und das Universitätsgebäude ein Hochschulquartier von Weltklasseformat», jubelt die «NZZ am Sonntag», die hier stellvertretend für viele Stimmen zitiert sei.

Verantwortlich für die «Weltklasse»-Bauten, die vor wenigen Tagen vorgestellt wurden, sind die Basler Vorzeige-Architekturbüros Herzog & de Meuron sowie Christ & Gantenbein. «Da verwundert es kaum noch, dass man en passant endlich auch die Animositäten gegenüber Basel überwindet», schreibt die Zeitung.

Dem «Wunder» aus Basel ist es zu verdanken, dass Zürich seine Animositäten nicht nur gegenüber Basel, sondern ganz allgemein gegenüber Neubauten und städtebaulichen Eingriffen zu überwinden scheint. Denn selbst die betroffenen Quartiervereine, die sich lange und vehement gegen Pläne für die Erneuerung des Hochschulquartiers im Herzen der Stadt gewehrt haben, finden Gefallen an den Entwürfen. Das kommt schon fast einer Sensation gleich, erinnert man sich an andere Grossprojekte wie den Neubau des Fussballstadions oder jenen des Kongresszentrums, die lange verzögert oder gleich ganz gebodigt wurden.

Zürcher bauen in Basel

Der Zufall will es nun, dass Basel mit einer Ausnahme alle seine aktuellen Neubauten im Life Science-Campus rund um das Spital und das ehemalige Schällemätteli in die Hände von Zürcher Architekten gelegt hat: Beim Wettbewerb um den Neubau des Klinikums 2 des Universitätsspitals ging das Büro Giuliani Hönger als Sieger hervor, der Neubau des Biozentrums wurde von Andreas Ilg + Marcel Santer entworfen, das geplante Zentrum für Biomedizin von Caruso St. Johns Architects. Die heimischen Stars wie Herzog & de Meuron, Christ & Gantenbein sowie Diener & Diener mussten sich bei den Wettbewerben jeweils geschlagen geben.

In der Neubau-affinen Stadt Basel lösen nun aber diese Neubauprojekte aus den Zürcher Büros keinerlei Glücksgefühle aus. Sie stossen im Gegenteil auf harsche Kritik, was aber für einmal mit Animositäten gegenüber Zürich nichts zu tun hat.

Der siegreiche Entwurf für den Neubau des Klinikums 2 wurde schon im Bericht der Wettbewerbsjury kritisiert. Die Architekten mussten ihren Vorschlag in so wesentlichen Aspekten wie Fassadengestaltung, Gebäudehöhe und Bezug zur historischen Bebauung im Umfeld überarbeiten. Der Basler Stararchitekt Jacques Herzog, dessen Vorschlag nur auf dem zweiten Platz landete, bezeichnete den Entwurf mit dem 60-Meter-Turm in unmittelbarer Nachbarschaft zum historischen Markgräflerhof als städtebaulich grossen Fehler.

Auch der bereits fertiggestellte Neubau des Biozentrums wird von Fachleuten scharf kritisiert. Der Basler Architekt Manuel Herz bezeichnete ihn in einem Kommentar in der NZZ als «sehr banal und städtebaulich absolut misslungen». Er spricht von einem «Türmchen, das zu niedrig ist, um Turm zu sein, und zu hoch ist, um nicht aufzufallen.»

Diese Bedenken hatte auch der Basler Heimatschutz angebracht. Trotzdem winkte es der Grosse Rat 2013 durch. Dazu kommt, dass sich die Inbetriebnahme des Life-Science-Leuchtturms seit Jahren verzögert, weil sich beim technischen Innenausbau die Pannen häuften – ein Umstand, den man den Architekten aber nicht anlasten kann.

Schaden an Wettbewerbswesen

Solche Pannen will die Uni beim Neubau des Zentrums für Biomedizin von vornherein verhindern. Sie hat als Bauherr die Architekten des siegreichen Wettbewerbsprojekts, das aussieht wie ein parkierter monströser Auflieger eines Sattelschleppers, deshalb vorsorglich in die Wüste geschickt. Aus Furcht vor Kostenüberschreitungen, wie es heisst.

Der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) zeigt sich empört. Mit ihrem Vorgehen füge die Uni Basel dem hochstehenden Wettbewerbswesen in der Schweiz ernsthaften Schaden zu, sagte SIA-Präsident im vergangenen September gegenüber der bz. Einzig der Neubau des ETH-Departements für Biosysteme ist nicht Gegenstand harscher Kritik. Verantwortlich zeichnet hier mit Nickl & Partner kein Büro aus Zürich, sondern eines aus München.

Das ansonsten so neubaufeindliche Zürich hat, so scheint es, für einmal die Nase vorn. Dank Architekten aus Basel, die in ihrer Heimatstadt bei entsprechenden Projekten nicht zum Zuge gekommen sind.