Breitbeinig stehen sie auf der Bühne, ihre Finger fahren blitzschnell über die Saiten der E-Gitarren. Wegen des intensiven Headbangens wehen die langen Haare durch die stickige Konzertluft. Doch wer nun wegen den wallenden Mähnen an eine Frauenband denkt, der liegt hier falsch. «Bands bestehen sehr oft nur aus Männern. Und wenn Frauen dabei sind, dann meistens als Sängerinnen», sagt Esther Roth, die nationale Projektleiterin der «Female Bandworkshops». Das Nachwuchsförderungsprojekt wurde 2013 von «Helvetia rockt» gegründet, eine Koordinationsstelle für Musikerinnen in Jazz, Pop und Rock. Die Gründerinnen und Mitstreiterinnen beider Projekte haben es sich zur Aufgabe gemacht, mehr Musikerinnen auf die Bühnen dieser Welt – oder zumindest auf die Bühnen der Schweiz – zu bringen.

Verspätung wegen Renovation

Die Female Bandworkshops finden dieses Jahr zum zweiten Mal statt und werden in 10 Kantonen durchgeführt – darunter erstmals auch in Basel. Sie richten sich ausschliesslich an junge Frauen, da es für Mädchen meist schwer sei, in eine Band aufgenommen zu werden. «Das Geschlecht ist nur dann kein Thema, wenn alle vom gleichen Geschlecht sind», sagt Roth. Von Oktober bis April sammeln junge Frauen nun Banderfahrungen, erarbeiten Songtexte und lernen, sich auf Konzerte vorzubereiten. Nach ersten lokalen Konzerten folgt im Juni ein nationales Abschlusskonzert, an dem alle Bands nacheinander auftreten. «Von den insgesamt 50 Mädchen nehmen sechs Baslerinnen an unserem Projekt teil.» Diese begannen allerdings nicht im Oktober, sondern erst im Januar mit den Workshops. Grund für die Verspätung war die Renovation des Jugendzentrums Badhüsli, in dem sich die jungen Frauen jeweils am Samstag zum Musizieren treffen. «Dafür proben sie jetzt umso intensiver», sagt Roth. Ob die bunt zusammengewürfelten Bands während der Workshops ihre Lieder selber schreiben oder Covers übernehmen, sei den Leiterinnen der Workshops überlassen.

«Rockbusiness ist männlich»

Grund für den mangelnden Anteil von glattrasierten Beinen auf den Musikbühnen ist für Roth der Gleiche wie in den Bereichen IT oder Politik. «Das Rockbusiness ist vom Stereotyp her männlich», sagt die 34-Jährige. Bewegungen, Laute und Attitüde seien nicht feminin und zurückhaltend und würden somit eher Männern zugeschrieben werden. «Viele Frauen sind nicht stark genug, diese Grenzen zu überwinden.» Ob Female Bandworkshops denn ein feministisches Projekt sei? «Ja definitiv», sagt Roth. «Es ist die Aufgabe unserer Generation, die Stereotype zu durchbrechen.» Diese würden schon von Kleinkinderalter her festgelegt werden. «Pink ist immer noch eine Mädchenfarbe, während Blau zu Jungen passen soll.» Dabei seien es aber nicht unbedingt Männer, die diese Stereotypen festlegen. «Mütter haben den grössten Einfluss auf ihre Kinder und geben ihre Vorstellungen der Stereotypen weiter», sagt Roth.

Sie überlegt kurz, kommt dann aber gleich wieder auf ihr persönliches Anliegen zurück. Denn auf allen Konzertbühnen seien Instrumentalistinnen noch ein ungewohntes Bild. «Eine Bassistin, die am Gurten Festival spielte, wurde von einer weiblichen Security zuerst nicht auf die Bühne gelassen.» Diese hätte die Musikerin für ein durchgeknalltes Groupie gehalten. «Mit unseren Projekten wollen wir unter anderem zeigen, dass solche Sachen nicht in Ordnung sind.»