Gleich hinter den Deutschen sind die Italiener die Ausländer, deren Anzahl im Kanton Basel-Stadt mit Abstand am meisten zunimmt. Nachdem die italienischen Gastarbeiter seit den 1970er-Jahren in Scharen in die Heimat zurückkehrten, hat sich die Entwicklung seit 2011 gekehrt.

Es kommen wieder mehr Italiener als gehen. 2013 betrug der positive Saldo 185, 2014 sogar 213 und 2017 149. Die absolute Zahl liegt bei 8500. 2018 ist offiziell noch nicht erhoben. Ähnlich sieht die Entwicklung im Kanton Baselland aus und auch in der gesamten Schweiz legen die Italiener wieder zu. Strömten in den 1950er- und 1960er-Jahren vor allem einfache Arbeiter in die Schweiz, die aus Not auswanderten, sieht das heute anders aus.

Andreas Räss, Leiter der Basler Fachstelle Diversität und Integration, stellt fest: «Heute kommen meist gut ausgebildete Berufsleute und Akademiker.» Aufgrund des Fachkräftemangels in der Schweiz fänden sie hier Arbeit. «Häufig sprechen sie Englisch und nicht wenige haben schon zu Hause Deutsch als zweite Fremdsprache gewählt.»

Trotz Doktortitel kein Job

Weil die Perspektiven, zu Hause einen Job zu finden, trotz guter Ausbildung, Bachelor, Master oder Doktortitel sehr schlecht sind, bleibt vielen jungen Italienern nur die Emigration. Einer von ihnen ist Fabrizio (35), der in Palermo Biologie und Biotechnologie studiert hat. 2007 kam er mit dem Austauschprogramm Erasmus das erste Mal für neun Monate nach Basel und machte hier ab 2009 auch seinen Doktor. 2017 fand er einen Job in einer Pharmafirma in Lausanne, seit letztem Jahr arbeitet er in Basel.

Um die zehn Personen aus Palermo sind wie Fabrizio über Erasmus in Basel gelandet. Mit dieser Gruppe hat er noch viel Kontakt, mit der nächsten Generation, die nachkam, nicht mehr. Der Biologe schätzt, dass 200 bis 300 Gruppen im Raum Basel in der Forschung und Entwicklung arbeiten. Etliche von ihnen würden von Italienern geleitet.

An Basel gefällt ihm die Lebensqualität. «Es ist eine kleine Stadt. In Palermo brauchte ich das Auto, um an die Uni zu fahren, hier mache ich alles mit dem Velo.» Fehlen tun ihm die Eltern. «Sie sind traurig, dass ich so weit weg bin, aber zufrieden, dass ich einen guten Job habe.»

Fabrizio spricht wenig Deutsch. Sein Alltag läuft auf Englisch und Italienisch. In Basel fühlt er sich zwar als gut verdienender Expat willkommen, aber auch als Gast. Ein Problem sieht er jedoch, sollte er einmal Kinder haben. «Für sie könnte es als Secondo schwierig werden.»

Eine zentrale Anlaufstelle für viele Italiener ist die Missione cattolica im Rümelinbachweg, in der Nähe der Heuwaage. Sie wurde bereits 1903 gegründet. Das heutige Gebäude mit der Kirche und vielen Räumen stammt von 1963. Insbesondere am Wochenende geht hier die Post ab und es gibt kaum mehr Platz.

Zu den vier italienischen Gottesdiensten, von denen einer in der St. Clarakirche stattfindet, kommen 500 bis 600 Gläubige. Die Bedeutung der Missione cattolica rührt auch daher, dass es in Saint-Louis und Lörrach viele Italiener gibt, die in Basel arbeiten, aber keine italienische Kirche.

Manche sprechen Baseldeutsch

Pfarrer Valerio Farronato ist seit drei Jahren in Basel. Ihm ist aufgefallen, dass es neben der Gruppe der Akademiker und gut Ausgebildeten junge Italiener gibt, die Arbeit im Gastgewerbe suchen. «Die meisten Neuankömmlinge bereiten sich gut vor, auf gut Glück kommen wenige.»

Neben jungen Familien mit Kindern gibt es die Italiener, die in Basel geboren sind und im Alter von acht oder neun Jahren mit den Eltern wieder nach Italien gingen. Jetzt, mit Anfang, Mitte 20 kehren sie zurück. Dass sie immer noch Baseldeutsch sprechen, erleichtert ihnen vieles.

«Um hier Arbeit zu finden, muss man natürlich die Sprache beherrschen», sagt Farronato. Generell helfe es, dass Italienisch in der Schweiz dritte Landessprache sei und in Basel viele Italienisch sprechen. «Die Zuwanderer kommen nicht nur aus dem Süden, sondern auch aus der Lombardei oder dem Veneto», präzisiert der Pfarrer.

Kommunion und Firmung

Jedes Jahr bereitet die Missione cattolica um die 60 Kinder auf die Kommunion vor. Gefragt ist auch die Firmung, die im Jahr 20 bis 25 junge Erwachsene empfangen. Dafür gibt es einen Grund. Von zuletzt 15 jungen Paaren haben 13 in Italien geheiratet. Damit das geht, müssen sie gefirmt sein.

Die zunehmende Zahl der Italiener in Basel ist auch der GGG Migration aufgefallen. Erstmals findet ihr Informationsanlass «Wie ticken die Schweizerinen und Schweizer?» voraussichtlich am 25. Juni auch auf Italienisch statt.