Während der Psychiater sein Gutachten vorlas, sass der Mann auf seinem Stuhl. Die Schultern hängend, der Blick wanderte vom Gutachter zur Richterin und wieder zurück. «Eine Therapeutin sagte mir, bei Herrn S. handelt es sich um ein Kind in einem erwachsenen Körper. Dem kann ich nur zustimmen.» S.S. sah aus, als würde er das alles nicht ganz begreifen.

Am Mittwoch wurde am Basler Strafgericht über die Verwahrung des 27-jährigen Schweizers verhandelt. Der Mann ist ein Brandstifter. Ein chronischer Brandstifter. Bereits 2012 wurde er vom Jugendgericht verurteilt. Er hatte schon im Jugendalter diverse Brände gelegt. Damals befand ihn das Gericht als massiv therapiebedürftig. Wenig später kam er in die UPK. Lange wurde er aus Sicherheitsgründen in der Forensischen Klinik isoliert. Auch dort legte er mit einem hereingeschmuggelten Feuerzeug einen Brand. Ihm wurde eine stationäre Massnahme auferlegt.

Da ihn danach keine Institution aufnehmen wollte, beziehungsweise alle Plätze belegt waren, sass er im Waaghof. Auch dort legte er sein Muster an den Tag. In einer Nacht im Juli 2014 zündete er auf der Matratze seiner Zelle Kleider, Zeitschriften und Plastikmäppchen an. Der Brand wurde früh genug bemerkt, sodass keiner der anderen 136 Inhaftierten oder Gefängnismitarbeiter verletzt wurden. Wie sein Gutachter am Mittwoch am Gericht festlegte, sei dies jedoch auch kein Hindernis für S. S. gewesen. «Er wollte zwar niemanden verletzen, nahm das aber in Kauf bei den Brandstiftungen.»

Für den Fall im Waaghof wurde er 2015 zu zwei Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Diese Strafe wurde aufgeschoben. Der Verurteilte sollte im Dezember 2018 freikommen. Seit mehr als zehn Jahren verbringt der Angeklagte sein Leben in verschiedenen Institutionen. Vor Gericht drückte sich der Angeklagte klar aus.

Neben den Brandstiftungen kam es auch vermehrt zu Suizidversuchen. «Ich sah oft keinen Grund, am Morgen aufzustehen», sagte der junge Mann vor Gericht. Mehrmals schluckte er Gegenstände herunter oder verletzte sich so, dass er ins Unispital gebracht werden musste. Zudem drohte er einer Therapeutin in der UPK, in die er sich verliebt hatte, mit Vergewaltigung und Mord. Der Gutachter hielt fest: «S.S. fällt es sehr schwer, Beziehungen aufrecht zu halten. Sobald er mit einem unangenehmen Thema konfrontiert wird, zieht er einen Cut und schiebt jede Person von sich weg.»

Hohes Rückfallrisiko

Nun stellte der Straf- und Massnahmevollzug Antrag auf Verwahrung. «Bei S.S. besteht eine schwere emotionale Persönlichkeitsstörung im Borderline-Bereich.» Das Rückfallrisiko sei sehr hoch, er sei überhaupt nicht therapierbar, begründete der Vertreter den Entscheid. Der Verteidiger des Mannes hielt dagegen. «Seit eineinhalb Jahren hat sich S.S. nicht mehr auffällig verhalten. Es gab keine Brandstiftungen oder Suizidversuche mehr. Er zeigte, dass es emotionale Bindungen aufbauen kann, beispielsweise zu mir oder zu seinem Bewährungshelfer.»

Das Gericht entschied zum Vorteil des angeklagten Mannes. Während der Verkündung des Urteiles nickte der Mann fortwährend. «Wir ordnen eine stationäre Massnahme an», so die Richterin. Das bedeutet, dass der Mann für maximal fünf Jahre in therapeutische Behandlung kommt. Wo ist noch unklar. Die Entscheidung sei dem Gericht nicht leicht gefallen. Vieles habe für eine grosse Verwahrung gesprochen: Die schwere psychische Erkrankung, das Rückfallrisiko auf Brandstiftung, Gewalttaten und Suizidversuche.

Dennoch habe der Mann bei seinen Delikten nie die Intention gehabt, «Dritte schwer zu beeinträchtigen». Der Mann bedankte sich beim Gericht und ging mit den Worten der Richterin: «Ihre Geschichte ist nicht einfach und auch Ihre Zukunft wird das nicht sein.»