Zwei Schweine werden geschlachtet – und die Welt schaut zu. Die öffentliche Metzgete, die Metzgermeister Rolf Häring Ende Oktober im Sissacher Dorfkern durchführte, hätte 2017 eine Randnotiz bleiben können. Schliesslich wird immer wieder traditionelles Handwerk öffentlich demonstriert. Doch dann kam der Tierschutz. Und der Aufschrei. Und die Massen. Letzteres ist denn auch das einzig Gute an der fehlgerichteten Polemik, die in der Metzgete Tierquälerei sah: Sie brachte mehr Menschen in Härings Zelt, die nun wissen, dass das Schweinsschnitzel nicht mit einem Fingerschnippen auf den Teller gezaubert wird. Die blutigen Bilder prägen sich ein. Und das ist gut so.

Foto: Juri Junkov

 

 

Kennen? Von wegen! Klar, gesehen haben wir ihn alle, damals vor dem Stadtcasino, als er noch Uniform trug und Pfeife rauchte. Ich habe versucht, mich der Person Fritz Rudin anzunähern. Und habe einen witzigen und charmanten Mann kennengelernt. Da sass nicht das Stadtoriginal, das Passanten einst Angst machte, vor mir. Sondern einfach ein älterer Herr, den alle kennen, den aber kaum jemand kennt. Das habe ich mit meinem Porträt zumindest ein bisschen geändert – und damit Vorurteile aus der Welt geschafft. Was will ein Journalist mehr?

Foto: Nicole Nars-Zimmer

 

 

Der schwere Tramunfall in Muttenz im Oktober hat mich deshalb so aufgewühlt, weil keine 15 Minuten später Schulkinder aus dem Margelacker genau an dieser Stelle auf dem Velostreifen auf den Übergang gewartet hätten. Nicht auszudenken ... Wenige Wochen zuvor hatte bereits ein Klassenkamerad an der 14er-Haltestelle Käppeli bei einem Tramunfall ein Bein verloren, was für meine Zwillingsbuben lange Zeit äusserst schwierig zu verarbeiten war. Wenn ein Unglück so nahe geschieht, kommt man selbst als abgebrühter Journalist ins Grübeln.

Foto: Kenneth Nars

 

 

Für mich war dies der emotionalste Moment im Basler Polit-Jahr: Als Regierungsrat Hans-Peter Wessels Stellung zu den Vorwürfen rund um die BVB nehmen musste. Einen Tag zuvor hatte ihn die Geschäftsprüfungskommission harsch kritisiert. Die Stimmung auch unter den Journalisten war aufgewühlt, Wessels wirkte angezählt. Der Raum passte perfekt: im Gewölbe des Rathauses. Selbst politische Gegner müssten zugeben: Wessels Stärke war in diesem Moment beeindruckend.

Foto: Roland Schmid

 

 

Eine Karriere endet tragisch. Am 5. September hat Urs Hintermann, Gemeindepräsident von Reinach, genug. Genug von der Asylheim-Affäre. Er tritt per sofort zurück. Erwartet hätte einen Abgang unter solchen Umständen niemand. Hintermann kostete eine Affäre den Kopf, an deren Anfang eine Asyl-Betreuerin stand, die sich nicht im Griff hatte. Ein kühler, grundvernünftiger Politiker stolpert über Menschliches, Allzumenschliches – ausgerechnet!

Foto: Kenneth Nars

 

 

Meine Emotion des Jahres war das Genervtsein. Immer dann, wenn Grossräte oder Amtsstellen beschlossen, der Staat solle doch noch eine Aufgabe übernehmen. So beispielsweise bei der Liste der genderneutralen Kinderbücher. Oder bei der staatlichen Gemüseberatung. Der Fachstelle für Urban Gardening, den Einführungskursen für neue Regierungsräte, den öffentlichen Velopumpen und so weiter ad nauseam.

Foto: Nicole Nars-Zimmer

 

 

Mit mulmigen Gefühlen stand ich im August hinter dem rot-weissen Absperrband in Laufen. Zu wissen, dass hier vor wenigen Stunden jemand sein Leben lassen musste, ging mir nahe. In einem Steinbruch hatte ein Mann seinen Geschäftspartner, mit dem er dort eine illegale Hanfanlage betrieb, erschossen. Über solch tragische Ereignisse zu berichten, gehört auch zum Job eines Journalisten. Glücklicherweise sind Tötungsdelikte in der Schweiz selten. 

Foto: Nicole Nars-Zimmer

 

 

Im Frühjahr titelte die «Schweiz am Wochenende»: «Gymnasium Leonhard will das Trainerhosenverbot einführen.» Die Reaktionen verblüfften mich. Lehrer schrieben mir daraufhin nicht zitierfähige E-Mails. Wie aber die jüngere Generation reagierte, imponierte mir. Die Schüler, also die Betroffenen, suchten das Gespräch mit der Schulleitung und brachten das Verbot zu Fall, noch ehe es eingeführt worden war. 

Foto: Fabio Baranzini

 

 

Natürlich war das keine Landsgemeinde, welche die Gegner der Stilllegung des Läufelfingerlis da organisiert hatten, sondern ein simpler Komitee-Anlass im Abstimmungskampf. Doch was für einer! Angesichts der Polemik um Begriffe ging beinahe unter, dass an diesem strahlenden Oktobersonntag gerade eine kleine Volksbewegung entstanden war, die sich für funktionierende öffentliche Leistungen im ländlichen Raum einsetzt. Für viele Beobachter war bereits da, sechs Wochen vor der Volksabstimmung, klar: Das Läufelfingerli wird weiterfahren.

Foto: Nicole Nars-Zimmer