«Es war ein unerwartet arbeitsintensives Vorhaben», sagt Felix Rudolf von Rohr und legt seine Hände auf einen proppenvollen Bundesordner. Darin befinden sich Schriftwechsel, Dokumente und Protokolle, die den langen Weg der Basler Fasnacht auf die Liste des immateriellen Weltkulturerbes nachzeichnen. Jene Liste, auf der Bräuche, traditionelle Handwerkskünste und ähnliches verzeichnet sind. Zum Beispiel das japanische Kabuki-Theater, der Flamenco, oder die traditionelle Geigenbaukunst in Cremona.

Im Jahr 2008 hatte das Bundesamt für Kultur (BAK) erstmals eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die prüfen sollte, welche Brauchtümer, Künste und Handwerke der Schweiz auf die Liste der immateriellen Kulturgüter der Welt gehören. Diese Liste führt die Unesco, die Weltorganisation für Bildung und Kultur. «2012 konnte eine gemeinsame Kommission der beiden Basel das BAK überzeugen, die Fasnacht auf die Liste zu nehmen», sagt Alt-Comité-Obmann Rudolf von Rohr. Neben der Fasnacht finden sich auf der Liste auch der Vogel Gryff, die Herbstmesse, und das Basler Trommeln.

Der Entscheid rückt näher

Doch die Castingshow ging weiter. Das BAK entschied sich aus den mehr als 200 Bräuchen auf seiner nationalen Liste für acht, die man der Unesco vorlegen will. Doch: Jedes Land darf pro Jahr nur einen Vorschlag machen. Entschieden wird dann jeweils an der Unesco-Vollversammlung im darauffolgenden Jahr. In der ersten Dezemberwoche werden also Delegierte aus aller Welt – bekanntermassen nicht aus den USA – darüber befinden, ob denn die Basler Fasnacht nun schützenswert sei, oder nicht. Es wäre nach der «Fête des vignerons» das zweite Schweizer Brauchtum unter internationalem Schutz.

Und in Basel werden Rudolf von Rohr und seine Mitstreiter nicht etwa alleine zu Hause auf dem Sofa auf dem Entscheid im koreanischen Seoul warten: «Mit grosser Freude und Engagement sind das Präsidialdepartement und das Standortmarketing mit dem Fasnachts-Comité daran, für den 8. Dezember eine ‹grosse Kiste› zu organisieren.» Wie gut die Chancen stehen, das sollte man dann schon abschätzen können. Denn im Vorfeld berät bereits eine Kommission der Unesco und da wollen die Basler ordentlich lobbyieren. «Ich bin guter Dinge», sagt Rudolf von Rohr.

Detaillierte Vorgaben

An der Vorbereitung sollte es nicht scheitern. Die Unesco verlangte ein detailliertes Dossier. Fragebögen, ein zehnminütiger Film über die Fasnacht und exakt zehn Fotos wollen die Delegierten vorgelegt bekommen. «Stellen Sie sich vor, zehn Fotos, um jemandem, der noch nie in Basel war, zu zeigen, was Fasnacht alles sein kann!» Auch bei der Erstellung dieses Dossiers gab es vom BAK Hinweise. Die Zusammenarbeit sei «hervorragend» gewesen, sagt Rudolf von Rohr. «Beispielsweise hat man uns gesagt, im Film sollen keine alkoholischen Getränke zu sehen sein», erzählt er. Denn in der Jury sitzen auch Delegierte aus arabischen Ländern und die könnten daran Anstoss nehmen. Dank ihrer guten Vorbereitung hoffen nun die Basler darauf, am 8. Dezember anstossen zu können.