Der arme Hansli also macht sich fast in die Hose, wenn er das Volk sieht auf der Strasse, alles Ausländer im Kleinbasel, wo es einst noch heimelig nach «Suurem Mogge» gerochen haben soll, und wo heute nur noch gedämpfter Reis und Curry zu riechen sind. So stand es auf der Laterne der Alten Garde der Alte Stainlemer zum Fasnachtssujet: «Vereinigte Kleinbasler.» Ein Rundumtiefschlag gegen die empfundene Überfremdung eines Quartiers. Die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus kommt jetzt zu einem klaren Schluss: Das war fremdenfeindlich und schlecht umgesetzt dazu. Wenn auch nicht rassistisch.

Das Urteil ist richtig. Rechtskraft hat es keine, da ermittelt schliesslich noch die Staatsanwaltschaft. Jetzt mag man aufheulen, ganz laut «Fasnacht!» und «Narrenfreiheit!» rufen. Aber das ist, mit Verlaub, Unsinn. Solche und noch fremdenfeindlichere Sprüche waren während der Kolonialzeit nie angebracht, nicht als man noch «Neger» sagen durfte und heute sind sie es genau so wenig. Zumal an der Fasnacht nach oben getreten wird, nicht nach unten. Falls noch jemand fragen sollte: Oben ist, wo sich die Macht ballt, wo Entscheide fallen. Unten ist dort, wo man sich nicht wehren kann. Gilt übrigens trotz aller gesamtgesellschaftlich empfundener Verunsicherung auch 2019 noch.

Ja, was jetzt, Zensur? Wollen sie uns wirklich an der Fasnacht den Mund verbieten? Jetzt darf man auch das nicht mehr? Die Antwort ist einfach: Das gehörte sich schon in jenen ominösen Zeiten nicht, auf die man sich in diesem Jammer beruft. Klar, einige traten damals schon genau so gern nach unten, wie es andere noch heute tun. Besser war’s deswegen aber nicht. Also, liebe Mitfasnächtler und Ihr, die Ihr für Traditionen gerne eine oder zwei Lanzen brecht: Bleibt kritisch, giftig, bunt und kontrovers. Aber – und gerade wegen unserer Fasnacht – bleibt dabei auch auf dem Boden.