Es sind Zahlen, die den Heiratswilligen Mut machen. Die Ehen in der Region zerbrechen immer seltener. Dies zeigen die Jahrbücher der beiden Statistischen Ämter in Baselland und Basel-Stadt, die zum Jahresende 2018 erschienen sind. Zwischen 2008 und 2017 sank die Zahl der Scheidungen in Basel-Stadt von 530 auf 349, in Baselland von 698 auf 492.

Dabei boomt die Ehe weiterhin – in beiden Kantonen blieb die Zahl der Hochzeiten auf einem konstant hohen Niveau. In Baselland heiraten im Schnitt rund 1300 Paare, in Basel-Stadt etwa 900.

Infogram: So oft wurden in Baselland und Basel-Stadt geheiratet und geschieden

Ehe als sicherer Hafen

Es gibt viele Antworten auf die Frage, warum sich Herr und Frau Basler heutzutage öfter ans Ja-Wort halten als noch vor zehn, zwanzig Jahren, als die Scheidungsrate über 50 Prozent betrug. Die rückläufige Scheidungsrate ist ein schweizweiter Trend – doch nirgends ist er so stark wie in beiden Basel.

Die Basler Paartherapeutin Denzler glaubt, dass sich heute mehr Menschen nach Verbindlichkeit sehnen. «Unsere digitale Welt ist schneller und teilweise unzuverlässiger geworden. Dem gegenüber steht der Wunsch nach Stabilität und Kontinuität, so auch in der Beziehung» sagt Denzler.

Sie beobachte zudem, dass junge Paare vermehrt über ihre Aufgabenteilung im gemeinsamen Alltag diskutieren und einen Weg miteinander suchen. Hinzu kommt eine grössere Offenheit, sich professionellen Rat zu holen. Möglicherweise ist dies auch ein Verdienst der weiblichen Emanzipation. Denzler stellt fest, dass die Frauen meist früher unzufrieden seien mit der Beziehung als die Männer – und die Probleme anpackten. «Währenddem die Männer die Partnerschaft noch ganz okay finden, fühlen sich die Frauen oft nicht mehr verstanden», sagt die Paartherapeutin. Und je früher die Probleme in einer Partnerschaft angesprochen würden, desto besser seien die Chancen, die Beziehung wieder in richtige Bahnen zu lenken.

Prognosen sind nicht möglich

Geistliche heben ebenfalls den Zeitgeist hervor, wenn sie nach Erklärungen suchen, warum der Bund fürs Leben wieder vermehrt bis zum Ableben hält. Lukas Michel etwa, Pfarrer in Arisdorf, glaubt, es habe eine «Flurbereinigung» stattgefunden. Früher hätten die Leute geheiratet, weil es gesellschaftlich üblich war. «Heute sind sie überzeugt davon und, das kann ich sagen, obwohl ich in meiner jungen Karriere noch nicht so viele Trauungen durchgeführt habe, sie wollen die Ehe.»

Doch auch der positive Trend vermag nicht darüber hinwegzutäuschen, dass noch immer ein grosser Teil der Ehen in die Brüche geht. Am gefährlichsten sind gemäss der jüngsten Statistik die Ehejahre fünf bis neun. 101 der 349 Basler Scheidungen wurden in diesem Zeitraum im Jahr 2017 durchgeführt.

Oft stösst die Frau die Trennung an

Gemäss einer Studie der Psychologieprofessorin Pasqualina Perrig-Chiello, die 2000 Paare zu ihrer langjährigen, gescheiterten Partnerschaft befragt hat, stösst meist die Frau den Trennungsprozess an. Die Ergebnisse stützen Denzlers Beobachtungen. Neun Zehntel der Frauen gaben an, Schwierigkeiten in der Beziehung angesprochen zu haben. Das tat nur gerade ein Fünftel aller Männer. In 80 Prozent der Fälle war die fehlende Kommunikationsfähigkeit des Mannes für die Trennung verantwortlich – so die Meinung der Frau. Gegenüber der «Berner Zeitung» führte Perrig-Chiello aus, dass auch das zunehmende Alter eine Gefahr für die Ehe darstelle. Die charakterlichen Änderungen stellten die Ehe auf einen Prüfstand. Männer würden zunehmend sanfter, Frauen aufmüpfiger und selbstbewusster – eine Herausforderung für beide.

Rezepte gegen Scheidungen aber wird es nie geben. Genauso wenig wie Vorhersagen dazu, ob eine Beziehung ewig hält. Die Basler Paartherapeutin, Dozentin und Wissenschaftlerin Janina Bühler sagt, solche Prognosen liessen sich mit den Wettervorhersagen vergleichen. «Auch wenn genaue Prognosen wünschenswert seien, sind meist nur Annahmen möglich.» Und nicht immer sei es wirklich erstrebenswert, dass die Paare zusammenblieben. «Es kann durchaus vorkommen, dass beide zum Schluss kommen, dass sie glücklicher sind, wenn sie sich trennen», sagt Bühler.