Sie wollen mitreden. Und das bei einer 300'000-Quadratmeter-Fläche – oder bildlich gesprochen: bei einer Fläche von 40 Fussballfeldern. Im Klybeck soll ein belebtes Quartier mit Wohnungen, Gewerbe, Schulen, Beizen entstehen. Bloss kein steriles Viertel, in dem man den eigenen Atem hört, keine zweite Erlenmatte.

Der Kulturschaffende Christoph Mörikofer (52) und der Künstler Christian Mueller (36) vom Verein «Zukunft Klybeck» stehen mit ihrem Wunsch nicht allein da: Auch die Planungsvereinbarung von Kanton und den Firmen BASF und Novartis sieht vor, auf den ehemaligen Werkarealen im unteren Kleinbasel ein «lebendiges Stadtquartier» zu entwickeln. Dies soll zusammen mit der Bevölkerung geschehen. «Wir begrüssen es, wenn sich die Bevölkerung einbringt», sagt Marc Keller vom Bau- und Verkehrsdepartement.

Ziel: Dialoge statt nur Reaktionen

Bevölkerungsbeteiligungen sieht die Verfassung seit Jahren vor, ausgeschöpft wurde der Paragraf 55 bisher kaum. «Der Staat bezieht die Quartierbevölkerung in seine Meinungs- und Willensbildung ein, sofern ihre Belange besonders betroffen sind», heisst es. Bisher hat der Kanton der Bevölkerung stets die fertigen Pläne vorgelegt und sie dann nach ihrer Meinung gefragt. Bei diesem Projekt ist es umgekehrt. Und das ist die Chance für Mörikofer, Mueller – und alle Basler Bewohner.

Bei einem «Social Muscle Club» will sich der Verein unter dem Motto «Bedürfnisse und Ressourcen» mit Interessierten vernetzen. Wer etwas anzubieten hat, kann dies tun. Umgekehrt kann er formulieren, was er braucht. «Wir wollen die Bevölkerung aus der reagierenden in eine dialogische Position führen, mit ihr Luftschlösser erfinden», sagt Mörikofer. Dabei soll es nicht bleiben: Aus den Luftschlössern sollen konkrete Ideen entstehen. Beim Workshop «Hack Klybeck» entwickeln die Besucher Konzepte und Visualisierungen. Fachleute unterstützen die Laien.

Grundrisse und Nutzungsvisionen

Bereits im Juni kann «Zukunft Klybeck» seine Resultate an der offiziellen Beteiligungsveranstaltung präsentieren. Im Publikum werden Vertreter vom Kanton, Novartis und BASF sitzen. Mueller und Mörikofer ist klar, dass nicht sie, sondern die Planungsteams die Hauptattraktion des Tages sein werden. Diese waren beauftragt worden, in einer Testplanung Szenarien für die Arealentwicklung zu erarbeiten.

Zum Abschluss dieses Planungsschritts präsentieren sie ihre Resultate. Das wird auch «Zukunft Klybeck» tun, allerdings wird es da kaum um Grundrisse und Verkehrsführungen gehen. «Wir werden inhaltliche Visionen präsentierten», sagt Mueller. Er und sein Kumpan wollen ihre Ideen niemandem aufdrängen, sondern warten, was die Veranstaltungen ergeben. Nur so viel: Es geht in Richtung «halböffentliche Räume» und unkonventionelle Wohnungsformen. Auch zum Thema «Teilen» wird es Ideen geben.

Die Visionen der Personen, die sich der Gruppe angeschlossen haben, gehen in eine ähnliche Richtung: Es soll ein Quartier für alle werden und kein Ort nur für Superreiche. Unerwünscht sind Investoren, die das Maximum erwirtschaften wollen.

Diesbezüglich besteht Hoffnung. In einem informellen Gespräch hätten Novartis und BASF bekräftigt, sich mit einer «schwarzen Null» zu begnügen, sagt Mueller. Marc Keller vom Baudepartement bestätigte diese Woche gegenüber «Radio SRF», dass es entsprechende Hinweise gäbe.