«Schau mal, Fussfesseln. Das ist echt krank», murmelte der 36-Jährige etwas genervt mit einem Blick nach hinten zu seinem Vater im Zuschauerraum und wackelte ein wenig den Knöcheln. «Das ist bei der Polizei hier Standard, das hat nichts mit Ihnen persönlich zu tun», erklärte ihm Gerichtspräsident Dominik Kiener. So richtig zufrieden war der Mann mit der Antwort nicht, liess sich aber von seiner Verteidigerin beruhigen.

Im Herbst 2010 wurde er verhaftet, später folgte das Urteil wegen mehrfacher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Rassendiskriminierung und Nötigung. Zum Vorfall gab es gestern keine genauen Informationen, doch zwei Opfer trugen damals jeweils einen Nasenbeinbruch und einen verlorenen Zahn davon. Eine Strafe gab es nicht, der Mann wurde als Schuldunfähig eingestuft.

Die Diagnose: Paranoide Schizophrenie, dazu eine dissoziale Persönlichkeitsstörung sowie Abhängigkeiten von Opiaten, Kokain, Alkohol und Benzodiazepinen. Das Basler Strafgericht ordnete damals eine stationäre Massnahme an.

Vor einem Jahr stand er kurz vor der bedingten Entlassung.

Seither ging es gelegentlich aufwärts, manchmal aber auch steil abwärts: Je nach Zustand wurde er in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik behandelt, musste im Gefängnis ausharren oder genoss im letzten Jahr gar in einem Vollzugszentrum das sogenannte Arbeitsexternat mit den damit verbundenen Vollzugslockerungen.

Doch an Weihnachten 2015 kehrte er nach einem Familienurlaub mit 1,9 Promille ins Zentrum zurück, und im Sommer 2016 verlor er seinen Arbeitsplatz, weil er aus dem Vollzugszentrum für zwei Tage nach Zürich «auf Kurve» ging und deshalb nach seiner Rückkehr vorübergehend ins Gefängnis zurückverlegt wurde. Das diente nicht nur als Sanktion, denn Plätze in den Vollzugszentren sind rar und werden üblicherweise rasch mit Nachrückenden Kandidaten gefüllt, die ihrerseits in Gefängnissen ausharren und auf einen Platz warten.

«Weshalb sind Sie denn damals abgehauen, es lief doch gut?», fragte ihn Kiener. «Eine Freundin hatte Probleme. Und ich hatte einfach Lust, mal wieder etwas zu trinken», erklärte er dazu am Montag im Gericht. Seine Medikamente habe er abgesetzt, weil er von den Nebenwirkungen genervt war. «Das Problem ist, dass Sie mehrmals die Medikamente abgesetzt haben und dann psychotisch wurden», meinte Kiener dazu. Er attestierte ihm allerdings auch, heute massiv klarer zu sein als in der ersten Hauptverhandlung im Jahr 2011.

Auch Zwangsmedikationen nach einem psychotischen Schub gab es schon: Der Mann reagierte mit Todesdrohungen gegenüber dem Arzt, was ihm wiederum eine Auszeit im Gefängnis verschaffte. Derzeit ist er in einer psychiatrischen Klinik.

Caroline Schnoz vom Amt für Justizvollzug beantragte gestern eine Verlängerung der Massnahme um weitere zwei Jahre. Während sie von der Rückfallgefahr für Gewaltdelikte sprach, drehte er sich wieder grinsend zu seinem Vater um und tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stirn.

Seine Verteidigerin betonte, während der Flucht habe er trotz Alkoholkonsum nie Delikte begangen, wichtig sei jetzt der rasche Übertritt in ein Massnahmezentrum mit baldigem Arbeitsexternat.

Das Dreiergericht verlängerte die Massnahme um zwei Jahre: «Eine Verwahrung ist bei Ihren Delikten kein Thema. Wenn Sie in zwei Jahren an derselben Stelle stehen wie heute, dann landen Sie einfach auf der Strasse. Das ist für Sie auch keine Lösung», betonte Dominik Kiener.