Was hat Publikum gelacht, gestaunt, geweint. War gerührt, aufgewühlt, amüsiert. Während 27 Jahren in der heutigen Form – und zuvor 44 Jahre lang als Zuschauer der Schaubude. Die heutige Form aber, die ist ebenfalls bald die Form von gestern.

«Obwohl wir in Basel eine wunderbare Unterstützung genossen haben, hat sich an den übrigen Schweizer Standorten die politische Lage der Kultur gegenüber dermassen verhärtet, dass der Verwaltungsapparat mit unseren Mitteln nicht mehr zu bewältigen ist – oder zumindest nicht, ohne dabei gesundheitlich in Verlegenheit zu geraten», sagt der 42-jährige Luca Botta.

Der Artist gehört seit 17 Jahren zum Ensemble des Broadway Variétés. Zusammen mit seinen Partnern hat er das Theater vor sieben Jahren vom Basler Künstlerpaar Jrma und David Schoenauer übernommen. Die jetzige Entscheidung sei «gut und richtig», sagt Botta. «Auch wenn unsere geliebte Variété-Welt wirtschaftlich gesund da steht, haben wir aus den genannten Gründen entschieden, mit dem Lebensprojekt aufzuhören.» Er sei froh, dass das Team diesen Schritt freiwillig mache. «Wir geben nicht auf, wir hören auf.»

Hochschulabschluss für Artisten

Als Beispiel für die behördlichen Hürden nennt er die strengere Motorfahrzeugkontrolle. Neu muss das Team die rund 30 Wohnwagen-Anhänger alle zwei Jahre und nicht wie früher alle drei Jahre vorführen lassen. Problematisch dabei seien nicht in erster Linie die Kosten, sondern vor allem der zeitliche Aufwand. «Unser Mechaniker braucht im Schnitt zwei Tage, um einen Anhänger für die Kontrolle parat zu machen. Wenn dieser nicht durchkommt, fängt die ganze Arbeit von vorne an.»

Und während es früher ein Leichtes gewesen sei, Artisten aus Übersee für eine Saison zu beschäftigen, müsse man jetzt einen riesigen Behördenlauf auf sich nehmen. Zwei Künstler aus den USA und zwei weitere aus Kanada mussten erstmals einen Hochschulabschluss vorlegen oder nachweisen, dass sie seit mindestens zehn Jahren als Spezialisten ihres Metiers tätig sind. «In unserer Branche ist das nicht so einfach, da viele Artisten nur wochen- oder monateweise angestellt sind und zwischendurch sonst wo arbeiten müssen, um über die Runden zu kommen», sagt Botta.

Ein weiterer Punkt seien die Platzmieten. Diese seien teils viel teurer geworden. Krassestes Beispiel: In einer Stadt zahlte das Variété einst 750 Franken für dreieinhalb Wochen, neu werden für dieselbe Dauer 13'000 Franken verlangt. Auch hier betont Botta: «In Basel sind die Preise gleich geblieben.» Basel ist die Heimat des Variétés – und damit jene Stadt, deren Bewohner ein wenig mehr trauern werden als Leute anderswo, wenn das Zelt 2019 nicht wieder beim Joggeli-Bad steht. Denn einen Nachfolger fand Botta keinen.

Mit dem Ende des Broadway Variétés verschwindet eine Welt, wie es sie sonst nicht gibt. Ein reisendes Theater, das kein klassischer Zirkus ist, aber auch kein Theater mit flauschigen Sitzen in Reih und Glied, sondern eine Mischung aus allem, ein Variété eben, bei dem die Gäste während der Show essen und trinken und die Stimmung locker ist. Was der Professionalität des 17-köpfigen Teams aber keinen Abbruch tut, sie alle sind Profis in ihrem Bereich und arbeiten hart für die Show, die sie ab heute letztmals in Basel zeigen. 

Bis 28.10. in Basel. www.broadway-variete.ch