Es war ein Experiment. Man wollte frischen Wind, modern sein, sich wegbewegen vom Fasnachts-Mainstream und das traditionsreiche Drummeli mit den Formen des zeitgenössischen Sprech-Theaters erneuern. Das verkündeten der neue Drummeli-Regisseur Laurent Gröflin und der Drummeli-Verantwortliche des Fasnachts-Comité, André Schaad, an der traditionellen Drummeli-Medienkonferenz knapp zehn Tage vor der Premiere am Samstagabend.

Ohne Witz und Ironie

Nun, es kam es tatsächlich anders vorgestern. «S Drummeli isch nümme das, was es emol gsy isch», liess der Regisseur seine Schauspieler denn auch im ersten Raamestiggli nach der Pause sagen. Es war das einzige Mal am Abend, als das Ensemble tosenden Applaus erntete. An den Schauspielern lag dies nicht. Skelt!, Susanne Hueber, Patrick Gusset, Sarah Speiser und Daniel Buser, spielten hervorragend. So zeigte Daniel Buser als depressiver Schnitzelbänggler ebenso wie die von Susanne Hueber gespielte Pharma-Empfangsdame, welche den Tod (ebenfalls Daniel Buser) abweist, welches Potenzial der Abend gehabt hätte.

Wie aus dem Leben gegriffen auch die von Sarah Speiser dargestellte hypernervöse, multi-taskende junge Mutter im 10er-Tram. Leider blieb ihr Text ebenso humorfrei wie das belehrende Raamestiggli über den Kreuzritter, der nach 1000 Jahren wieder erwacht und mit modernen Frauen konfrontiert wird. Einzig das Stück über zu früh abgestellte Bebbi-Sägg war zumindest im Ansatz ironisch, aber zu lang. Schon das erste Stück, eine Therapiesitzung für vom Drummeli abgewiesene Fasnachtsfiguren, war langatmig.

Wo die Autoren politisch wurden, wie in der Nummer über das Waldeburgerbähnli und die 80-Millionen-Zahlung an das Baselbiet, wirkte die Darbietung mangels Ironie nur laut, plakativ und stereotyp. Das im Vorfeld gepriesene neuartige Bühnenbild reduzierte sich dabei auf einen unterschiedlich grauen Hintergrund, die Kostüme beschränkten sich meist auf Wollknäuel.

Nun kann auch Reduktion funktionieren, wenn die Texte stimmen. Das war aber nicht der Fall. Was im zeitgenössischen Theater durchaus ankommt, funktionierte im Drummeli nicht. Die Auftritte erhielten nur sparsamen Applaus. Vor allem nach der Pause kam es sogar zu Zwischenrufen.

Von alldem nicht beirren liessen sich die Cliquen. Sie alle boten musikalisch und visuell hervorragende Auftritte. Hier folgt eine kurze und leider unvollständige Auswahl: Die «Verschnuuffer» thematisierten das Terminprogramm «Doodle» mit dem stück «Dudelsagg». Einen grandiosen Auftritt bot danach die «Drummelschuel» der «Naarebaschi». Die «Rootsheere»-Clique präsentierte Panflöten vor peruanischen Landschaften. Die «Muggedätscher» entführten futuristisch in die Fasnacht im Jahre 2066. Humorvoll dann auch die «Giftschnaigge»: mit «Flying Circus» von Monty Python.

Live-Schaltung in die Baiz

Mit der Liebesgeschichte von «Olaf & Olivia» bieten etwa die «Naarebaschi» ein musikalisches und visuelles Highlight. Als Premiere trat danach die «Olympia» nicht im Saal auf, sondern per Live-Schaltung in der Baiz «Schafegg», was Rückschlüsse ermöglichte auf das Cliquen-Leben. Die «Räpplischpalter»-Gugge ehrt Udo Jürgens und James Last. Mit den «Dreydaagsfliege» und dem «Schunggebegräbnis» treten zwei solide Schnitzelbängg auf. Eine Uraufführung bietet danach «mit unter em Rhy* die Rätz-Clique 1923. Als letzte Clique krönte die «Seibi & Seibi Mysli» den Abend mit dem «Ueli». Es war Fasnachtsmusik vom Feinsten.

Trotzdem: Als Nachwirkung der Raamestiggli blieb der Applaus kurz – und der Saal leerte sich schnell.