Selbst wenn das Sinfonieorchester Basel (SOB) nicht auf Tournee ist, sind die Musiker derzeit ständig auf Achse. Mal proben sie im Kuspo Münchenstein, mal im Landgasthof Riehen oder im Musicaltheater – allerdings nicht freiwillig: «Das ist eher ziemlich mühsam», sagt SOBGeschäftsführer Franziskus Theurillat. Doch die Show muss weitergehen.

Das Problem: In Basel besteht grosser Mangel an Orchesterproberäumen, was sich mit dem Umbau des Stadtcasinos noch zugespitzt hat. Schon 2016 teilte die Basler Regierung deshalb mit, dass sie für 5,86 Millionen Franken die Christi-Kirche am Picassoplatz gekauft hatte.

Möglichst rasch sollte die Liegenschaft in Proberäume umgebaut werden. Im Frühling 2017 hätten sie bezugsbereit sein sollen. Den Betrieb wird das Sinfonieorchester Basel übernehmen. Doch bereits letztes Jahr machte die bz bekannt, dass sich das Projekt bis mindestens Ende 2018 verzögert. Nun zeigt sich: Die Fertigstellung dauert sogar nochmals ein Jahr länger. Das geht aus der Regierungsantwort auf eine Interpellation von LDP-Grossrätin Catherine Alioth hervor.

Die Gründe für die Verzögerung sind immer noch dieselben. Es geht um bauliche Probleme. Oder wie es Barbara Neidhart von Immobilien Basel-Stadt formuliert: «Im Fokus steht die Vereinbarkeit der denkmalpflegerischen, energetischen und nutzerbezogenen Anforderungen und deren Umsetzung im Bauprojekt.» Oder anders: «Man hat den Aufwand durch die denkmalpflegerischen Vorgaben sowie die akustischen Anforderungen offenbar unterschätzt», sagt SOB-Geschäftsführer Theurillat.

Festhalten an Plan A

Zu diesem Schluss kommt auch Alioth. «Das ist natürlich besonders ungünstig, weil sich auch der Umbau des Stadtcasinos verzögert», findet das Mitglied der Bildungs- und Kulturkommission. Bei denkmalgeschützten Gebäuden wie der Christi-Kirche könne das zwar immer passieren, «aber ich erwarte, dass das Parlament dies nicht aus der Zeitung erfahren muss». Sie werde das Projekt deshalb sicher im Auge behalten.

Noch sei das Umbauprojekt planerisch nicht abgeschlossen. Dieses wird zusammen mit der Denkmalpflege erarbeitet. Auch das Präsidialdepartement hat bisher klargestellt, dass der Kanton weiter an seinen Plänen festhält. Die Einreichung des Baugesuchs im laufenden Jahr sei immer noch realistisch, betont Immobilien Basel-Stadt. «Wir halten an Plan A fest», unterstreicht auch Theurillat. «Das wird ein Super-Projekt, an dem alle beteiligten Seiten weiter ein grosses Interesse haben.»

Mittlerweile seien zumindest betriebliche Fragen geklärt. Das Sinfonieorchester war sich lange nicht sicher, ob es das Projekt kostendeckend betreiben kann. Uneinigkeit herrschte mit dem Kanton über die nötigen Mieteinnahmen. Der Kanton habe zu hohe Vorstellungen gehabt, was das SOB befürchten liess, in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten.

Das Problem: Um die geplanten Proberäume kostendeckend betreiben zu können, braucht es genügend Nutzer, die sich die Mieten leisten können. Sowohl das Kammerorchester Basel als auch Basel Sinfonietta sind aber frühzeitig abgesprungen, sie haben sich für ein eigenes Projekt in der ehemaligen Don-BoscoKirche entschieden. «Mittlerweile haben wir uns aber mit dem Kanton gefunden», versichert Theurillat. «Jetzt wären wir einfach froh, wenn es vorwärts ginge.»