«Wie geht es euch, Basel?» begrüsst Max Loong das Publikum. «Na, wie soll es euch auch gehen... fünf Mal nacheinander, fünf Mal...», sinniert Loong und schaut in die strahlenden Augen der Gäste, nur um anzufügen: «moderiere ich schon das Young Stage, da kann es euch ja nur gut gehen!» Gelächter im Publikum, bevor der sichtlich gut gelaunte Loong noch relativiert: «Nein, natürlich meine ich den FCB, ich gratuliere zum Meistertitel.» Und schon hat der Moderator mit seinem unüberhörbaren Zürcher Dialekt das Publikum auf seiner Seite. Doch für einmal geht es in Basel nicht um Fussball, sondern um Artistik – um aufstrebende Jungartisten, um genau zu sein.

Am Dienstagabend ging die letzte Show des diesjährigen Young Stage, dem einzigen Schweizer Zirkusfestival, über die Bühne. Unter den Augen der beiden Schirmherren des Events, dem Baselbieter Regierungspräsidenten Urs Wüthrich und dem Basler Regierungsrat Carlo Conti, des Regierungspräsidenten von Basel-Stadt, Guy Morin, und des Vorstehers des Justiz- und Sicherheitsdepartements, Baschi Dürr, präsentierten Artisten ihre Kunststücke und kämpften um Geld, Engagements und nicht zuletzt um Anerkennung.

Mix aus Moderne und Tradition

Die sechste Ausgabe des Events wusste zu überzeugen. Alljährlich zieht das Young Stage auf der Rosentalanlage Zirkusbegeisterte aber auch Scouts der grossen Zirkusse der Welt an. Neben vier neuen Disziplinen, dem Swing Bike, dem Russian Bar, dem Hoop Diving und dem Aerial Bamboo, bot das Young Stage eine abwechslungsreiche Show und eine Symbiose zwischen traditionell und modern. Neben den Jonglier-Weltmeistern von Jonglissimo, die mit ihren LED-Keulen den Zirkus von Morgen repräsentierten, kamen auch fast vergessene Disziplinen wie der erwähnte Russian Bar zum Zug.

Noch nie war die Auswahl der Artisten so schwer wie in diesem Jahr. Aus einer Rekordzahl von 211 Bewerbungen aus 45 Ländern musste die Festivalleitung die Besten heraus-
picken und ein Teilnehmerfeld zusammenstellen. 31 Artisten aus rund 16 Nationen hatten die Ehre, beim Festival aufzutreten, das «in einem Atemzug mit dem internationalen Zirkusfestival von Monte Carlo genannt wird» ,wie Loong betont.

Würdige Siegerinnen

Dementsprechend war das Programm auch mit Highlights gespickt: Bereits der zweite Auftritt, jener von Beata und Jamie, einem Hand-to- Hand-Duo, konnte das Publikum begeistern. Es war das erste, aber nicht das letzte Mal, bei dem das Publikum sich teilweise zu Standing Ovations erhob und den Boden mit seinem Stampfen zum Zittern brachte. Die Gewinner des silbernen Sterns und des Publikumspreises, das Trio Anneaux, überzeugten bei ihrer Hoop-Diving-Performance nicht nur mit Präzision und einer scheinbaren Leichtigkeit, sondern brachten das Publikum auch zum Lachen.

Den absoluten Höhepunkt lieferte das Trapez-Duo Evelyne und Shannon ab. Die beiden Kanadierinnen, die die renommierte Zirkusschule in Montreal besuchten, bekamen am Ende des Abends verdienterweise den mit 5000 Franken dotierten ersten Platz und den goldenen Stern überreicht. «Wir unterscheiden uns sehr. Am Ende komplettieren wir uns aber», so die beiden.

Nach diesem Grundsatz dürften die meisten der aufgetretenen Gruppen funktionieren, Harmonie war das Zauberwort des Abends.