Am Montag wurde publik, dass der Basler SP-Grossrat Beda Baumgartner während seines Zivildiensteinsatzes bei der Stiftung Oekomedia Abstimmungskampf betrieben hat. Er hat im Auftrag der Kampagnen-Firma Ecos Anrufe für das Pro-Komitee zum Museumsneubau getätigt. Die Stiftung und die Kampagnenfirma sind eng verbandelt und teilen sich das Grossraumbüro an der Elisabethenstrasse.

Lisa Freuler, die sowohl in der Stiftung als auch bei Ecos in leitender Funktion tätig ist, sagt, dass in der Vergangenheit «alle Zivildienstleistenden exakt nach dem Pflichtenheft eingesetzt» worden seien. Es habe mehrere Kontrollen durch die Zivildienstbehörde gegeben. Allerdings seien die Aufgaben der Zivis früher «klarer» gewesen, weil sie ausschliesslich für spezifische Anlässe der Stiftung zuständig gewesen seien.

Thomas Brückner vom Bundesamt für Zivildienst bestätigt, dass es insgesamt drei Kontrollen gegeben habe und dass diese zu keiner Beanstandung Anlass gegeben hätten. Auch seien keine negativen Rückmeldungen der insgesamt 15 Zivildienstleistenden eingegangen, die seit 2009 für die Stiftung tätig gewesen waren. Weitere Angaben können nicht gemacht werden, weil die Bundesbehörde aufgrund der Berichterstattung von «Prime News» über den Fall Baumgartner eine Untersuchung aufgenommen hat.

Wegen dieser Untersuchungen wollen auch zwei ehemalige Zivis gegenüber der bz keine Auskunft geben über ihren Einsatzbetrieb. Einer von ihnen ist Jonas Eggmann. Aus seinem Bewerbungsschreiben für die Geschäftsstelle der Juso Schweiz, die online zugänglich war, ehe sie nach der bz-Anfrage vom Netz genommen worden ist, geht hervor, dass er während seines Zivi-Einsatzes bei Oekomedia auch Wahlkampfleiter der SP-Baselland war. Freuler sagt: «Ich wusste nicht, dass Jonas Eggmann Mitglied der SP Baselland war. Er wurde nur mit Aufgaben beauftragt, die dem Pflichtenheft entsprachen. Er hat keine Tätigkeiten für Ecos gemacht.»

Zivis für Spitäler «sehr wichtig»

Die meisten Zivis sind in Basel im Gesundheitsbereich tätig, allen voran am Uni-Spital und an den Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) mit jeweils über 25 Zivis. Uni-Spital-Sprecher Nicolas Drechsler sagt: «Zivildienstleistende sind für das USB sehr wichtig. Diverse Abteilungen, in denen Zivildienstleistende eingesetzt werden, würden auch gerne noch mehr von ihnen beschäftigen.» UPK-Sprecher Jan Kirchhofer: «Ein Verzicht auf Zivildienstleistende würden die UPK Basel vor grosse Herausforderungen stellen.» Beide betonen, dass es nicht schwieriger geworden sei, geeignete Kandidaten zu finden, um die ausgeschriebenen Stellen zu besetzen.

Eine gewisse Dringlichkeit beim Besetzen scheint die Stiftung Addulam zu haben. Das geht zumindest aus der Ausschreibung auf der Zivildienst-Website hervor. Dort wird «dringend» ein «Mitarbeiter Wäscherei» gesucht. Direktor Martin Birrer relativiert. «Der Betrieb würde ohne Zivis nicht zusammenbrechen, aber sie sind sehr wichtig für unsere Bewohner. Gerade der Wäscherei-Zivi bringt Entlastung, wenn wir die Wäsche unserer älteren Bewohner aufs Zimmer bringen. Es liegt ein Schwatz drin oder auch Mal Nachforschungen, sollte das Blüsli einer Bewohnerin nicht auffindbar sein.»