Im Grossen Rat gibt es Zweifel am Ozeanium-Projekt. Mitglieder der Bildungs- und Kulturkommission (BKK) sorgen sich wegen der «langfristigen wirtschaftlichen Tragfähigkeit und der allfälligen Folgekosten», berichtete die «Schweiz am Wochenende». Sie berief sich dabei auf einen bisher unveröffentlichten Bericht der BKK.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Widerstand regt gegen das Millionenprojekt des Basler Zoos. Tierschützer hatten beklagt, das Ozeanium sei nicht nachhaltig. Beim Transport würden viele der auszustellenden Fische sterben.

Derzeit befassen sich im Kantonsparlament auch die Bau- und Raumplanungskommission sowie die Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission mit dem Projekt. So oder so: Zollidirektor Olivier Pagan rechnet fest mit einer Volksabstimmung. Im Interview mit der bz erklärt er, warum das für seine Absichten aber sogar eine Chance bedeuten könnte.

Herr Pagan, wann werden erste Besucher ins Ozeanium gehen?

Olivier Pagan: Unser Wunsch ist es, das Ozeanium zum 150-Jahr-Jubiläum des Zolli eröffnen zu können. Das ist 2024.

Das entspräche dem Zeitplan. Nun hat aber die vorberatende Bildungs- und Kulturkommission des Grossen Rates Kritik geäussert. Die «Schweiz am Wochenende» zitierte aus einem unveröffentlichten Bericht. Müssen Sie Verzögerungen befürchten?

Momentan beraten diverse Kommissionen das Projekt. Weshalb die Berichte der Kommissionen schon im Voraus an die Öffentlichkeit gegangen sind, verstehe ich nicht und es erschreckt mich. Ich sage inhaltlich aber nichts zu den Berichten.

Rechnen Sie mit Gegenwind aus weiteren Kommissionen?

Zur Kommissionsarbeit möchte ich nichts sagen. Wir sind auf die Diskussionen im Grossen Rat vorbereitet und freuen uns darauf. Es wäre auch komisch, wenn ein solch grosses Projekt nicht für Diskussionen sorgen würde. Wir stellen uns gerne allen Fragen und haben im Voraus viel Informationsarbeit für das Ozeanium betrieben. Wir sind überzeugt, die Unterstützung der Basler Politiker und Politikerinnen zu gewinnen.

Aus der Politik werden Stimmen laut, das Ozeanium sei zu gross für Basel. Wie stehen Sie dazu?

Das sind nur einzelne Stimmen. Der Zolli hat sich seit den 60er-Jahren flächenmässig nie mehr erweitert. Die Vision Ozeanium, ist die Art des Zollis, sich noch mehr mit dem Ökosystem Ozean auseinanderzusetzen und die Leute darüber aufzuklären. Mit dem Ozeanium wollen wir auf die Gefährdung der Meere hinweisen und zeigen, dass jede und jeder über die Nutzung von Wasser, Seen und Flüssen mit dem Meer verbunden ist. Gerade wir Binnenländer müssen uns mit diesem Thema auseinandersetzen. Wir finden nicht, dass das Projekt zu gross für Basel ist. Der Schritt ist für eine Institution wie den Zolli absolut angemessen.

Über die Mauern des Zolli hinaus zur Heuwaage. Wie soll das gehen nach dem Margarethenstich-Nein?

Der Zolli hat schon immer mit der Möglichkeit eines Neins gerechnet. Natürlich wäre es praktisch gewesen, wenn die Fläche bei der Heuwaage direkt frei geworden wäre. Unsere Aufgabe als Zolli ist es, etwas zu bauen, das der Qualität und der Botschaft des Zollis entspricht. Gemäss unserem Leitbild sind unsere vier Kernaufgaben Erholung, Bildung, Naturschutz und Forschung. Für die Infrastruktur ist der Kanton zuständig, solange uns das Baufeld zur Verfügung steht.

2020 soll Baubeginn sein. Haben Sie eine Volksabstimmung einkalkuliert?

Ja, auf jeden Fall. Wir rechnen mit einem Referendum. Wir sind aber begeistert von unserem Projekt und setzen alles daran, dass diese Begeisterung überschwappt. Die Bevölkerung braucht noch Zeit, darüber nachzudenken. Eine Volksbefragung böte sogar eine Chance, die Bevölkerung für die Meereswelt und ihre Bedürfnisse noch mehr zu sensibilisieren.

Wo stehen Sie finanziell?

Wir haben mit 52 Millionen Franken Spenden mehr als 50 Prozent der Baukosten gedeckt. Der Zolli Basel geniesst im Gegenteil zu vielen anderen Zoos eine unglaubliche Akzeptanz und breite Verankerung in der Bevölkerung. Sie würden staunen, wie viele kleine Spenden zusammenkommen. Wir sind uns absolut sicher, dass wir die nötigen Spenden erhalten werden.

Und wer kommt für den Unterhalt des Ozeaniums auf?

Wir werden die Betriebskosten zu 100 Prozent selber tragen können, da stützen wir uns auf Erfahrungswerte. Es ist wichtig, dass alle wissen: Wir belasten die öffentliche Hand weder beim Bau noch beim Unterhalt. Sämtliche Ozeanien in Europa sind ein wirtschaftlicher Erfolg. Kommt dazu: In den vergangenen zwölf Jahren wurden im Zolli selbst 100 Millionen Franken investiert. Da hat auch niemand gefragt, ob wir den Unterhalt gewährleisten können. Mit dem Ozeanium streben wir nach einem Projekt, wie es im Umkreis von mehreren hundert Kilometern keines gibt. Ein Kontrapunkt auch zum Zolli, wenn Sie so wollen: Wenn es kalt oder nass ist, haben wir Mühe, Besucher anzuziehen. Das Ozeanium ergänzt den Zolli. Vor allem ist es die perfekte Ergänzung zum Vivarium. Im Zolli werden übrigens gerade die Pinguinanlagen neu gebaut und bald das Vogelhaus totalsaniert und erweitert.

Wieso braucht es dazu echte Tiere? Es wurden schon Dinge wie eine Multimedia-Wand vorgeschlagen.

Früher war der Zoo eine Sammlung aus verschiedenen Tieren. Heute ist das anderes. Wir haben verschiedene Themenfelder, die durch Akteure, lebendige Tiere, inszeniert werden. Das heisst nicht, dass der Zolli sich gegenüber den neuen Medien verschliesst. Sie bilden eine gute Ergänzung zu den Tieren. Die Leute können aber mit echten Tieren hautnah erleben wie die Meereswelt aussieht. Um diese Organismen darzustellen, braucht man lebendige Tiere in ihrem gewohnten Lebensraum. Wir möchten auch gemeinsam mit anderen einen Beitrag an den Artenschutz leisten.

Mit wem?

Wir holen Naturschutzorganisationen mit ins Boot, die in eigenen Räumen Wanderausstellungen haben werden. Beispielsweise die Fondation Prince Albert II oder Geomar, ein Forschungsinstitut aus Kiel, das sein Wissen auf dieser Plattform teilen möchte. Auch einige Stiftungen, die sich für den Meeresschutz engagieren, werden im Ozeanium einen Platz haben.

Warum sollten Familien, die den Zolli besuchen, anschliessend noch ins Ozeanium gehen, wo es vor allem um Bildung und Informationsvermittlung geht?

Natürlich wird es Familien geben, die nur in den Zolli geben. Es wird aber sicher auch häufig vorkommen, dass Leute nur wegen des Ozeaniums hierher reisen. Wir haben versucht, die Preise möglichst erschwinglich zu halten. Das Ozeanium soll nicht elitär sein. Der Durchschnittpreis wird bei 18 Franken liegen.

Sie erwarten jährlich 700'000 Besucher, die müssen auch irgendwo parkieren. Was wurde aus den Plänen zum Erdbeergrabenparking?

Das Erdbeergrabenparking wird in zwei bis drei Jahren gebaut. Wir haben einen Investor, einen Ersteller und einen Betreiber. Wir waren noch nie so weit mit den Plänen. Viele Besucher des Ozeaniums werden auch im Steinen- und Elisabethenparking parkieren können, die an den Sonntagen nicht stark ausgelastet sind. Die Parkplätze vor dem Zolli werden aufgehoben.

Dadurch entsteht eine grosse, freie Fläche vor dem Zolli. Was soll damit passieren?

Wir wünschen uns schon lange, den Zolli erweitern zu können. Deshalb ist das optimal. Ich weiss aber noch nicht, was wir in Zukunft an Themen behandeln werden. Es ist denkbar, dass wir die Afrika-Anlage erweitern oder die Fläche als Expansionsgefäss für anderes ausbauen.

Zum Schluss eine generelle Frage: Im Grossen Rat wurde letztes Jahr darüber diskutiert, die Beiträge zu kürzen. Wie geht es dem Zolli?

Dem Zolli geht es gut. Der Rückhalt der Bevölkerung ist sehr stark, das merken wir an konstanten Besucherzahlen und auch am Feedback der Besucher. Es hat uns deshalb umso mehr überrascht, dass die Diskussion im Grossen Rat so kontrovers stattgefunden hat. Wir mussten zwei Jahre lang kämpfen, dass die Leistungsabgeltung nicht gekürzt wurde. Der Zolli tut sehr viel für Kultur und Bildung. Wir rechnen also nicht damit, dass in Zukunft noch einmal über Sparmassnahmen beim Zolli diskutiert wird. Die Debatte im vergangenen Jahr hat die Augen geöffnet.