Der Niedergang der Baselworld ist für die MCH Group kein Problem. Zu diesem überraschenden Ergebnis ist die Beratungsfirma Research Partners gekommen. Vom Klumpenrisiko, das die Uhren- und Schmuckmesse vor wenigen Jahren noch war, sei wenig übrig geblieben. Schon jetzt operiere die Baselworld knapp an der Gewinnschwelle. Selbst wenn bereits 2020 keine Uhrenmesse mehr stattfinden sollte, werde dies auf den Cashflow des Unternehmens keinen Einfluss haben.

Nach Meinung der Analysten hat die MCH Group ohnehin eine erfreuliche Zukunft vor sich. Bis in vier Jahren soll sich der Umsatz des Konzerns von gut 550 auf knapp 700 Millionen Franken erhöht haben. Nach Vorgabe des Managements sollten dann 70 Prozent des Umsatzes im Ausland erzielt werden. Ronald Wildmann, Autor des Reports sagt: «Die Zukunft der MCH Group liegt nicht in Basel.»

Wichtigster Einzelposten unter den Gewinnablieferern wird nach der strategischen Unternehmensplanung die US-amerikanische Gesellschaft MC2 (ausgesprochen: MC-Square) sein. Dieser vor Jahresfrist gekaufte Eventveranstalter soll ab 2019 zusätzliche 14 Millionen Franken an Gewinn nach Basel liefern. Dies nicht zuletzt, weil US-Präsident Donald Trump die Unternehmensbesteuerung halbiert.

Die neuen Verhältnisse

Den Rat an Investoren, Aktien der MCH-Group zu kaufen, hat die Research Partners AG am vergangenen Freitag nach dem Rücktritt von René Kamm als Konzernchef allerdings zurückgezogen. Abwarten sei nun angesagt, schreiben die Berater in einer Neubeurteilung.
An den Basisdaten hat sich zwar wenig geändert. Der Rückzug von Swatch bei der Baselworld werde zu einem verkraftbaren Umsatzrückgang von 10 bis 15 Millionen Franken führen und den Gewinn um ein bis zwei Millionen Franken schmälern. Doch zu erwarten seien weitere grosse Abschreiber. Bereits im Jahresabschluss 2018 wurde der Wert des Messezentrums um 102 Millionen Franken reduziert. Ein weiterer Schritt wird erwartet.

Die Wahrscheinlichkeit dazu ist unabhängig von der Absage der Swatch-Gruppe gestiegen. Ronald Wildmann, Analyst bei Research Partners, sagt: «Der Wechsel in der Geschäftsleitung eröffnet die Möglichkeit einer ‹kitchen-sinking›-Übung.» Finanzexperten bezeichnen damit die Strategie, bei Gelegenheit die schlimmstmögliche Wendung eines Problems zu skizzieren, um in einem Aufwisch auch andere Altlasten zu bereinigen. Folge wäre ein Geschäftsabschluss mit einem grossen Defizit. Nach dem Defizit des vergangenen Jahres hätte Kamm versucht, ein zweites negatives Ergebnis in Folge zu verhindern. Doch Kamm ist weg. Dafür nimmt Beat Zwahlen, seit Frühjahr der neue Finanzchef, gerne ein schlechtes Geschäftsjahr in Kauf, das er nicht zu verantworten hat, wenn er dann in den kommenden Jahren mit goldenen Zahlen glänzen kann.

Zwei Seelen in Brutschins Brust

Die grundsätzlich positive Einschätzung durch die Börsenanalysten müssten Christoph Brutschin eigentlich freuen. Der SP-Regierungsrat vertritt den Kanton Basel-Stadt im Verwaltungsrat, mit 33 Prozent der grösste Einzelaktionär. Doch die positiven Aussichten basieren auf einer internationalen Strategie, die eine staatliche Beteiligung fragwürdig machen.

Entsprechend bezeichnet Brutschin ein Szenario mit einem Anteil des Auslandsumsatzes von 70 Prozent als «oberste Limite». Und auch der Niedergang der Baselworld bleibt für ihn als Volkswirtschaftsdirektor ein Problem; schliesslich generiert der Glitzeranlass in der Region eine hohe Wertschöpfung.

Und während der Analyst Wildmann dem Unternehmen rät, sich von der Immobilien-Last zu befreien, ist es für den Regierungsrat entscheidend, dass die Messehallen weiter bespielt werden. Brutschin sagt: «Wir müssen die Interessen so weit wie möglich unter einen Hut bringen.»

Weiterhin sieht Brutschin genügend Gemeinsamkeiten zwischen den privaten und gewinnorientierten Investoren, die 51 Prozent der Aktien halten, und den staatlichen Investoren von Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Zürich, die zusammen 49 Prozent besitzen und Standortinteressen zu vertreten haben. Bedingung dafür sei, dass das Schweizer Messegeschäft weiterhin schwarze Zahlen schreibe und nicht durch das Auslandsgeschäft quersubventioniert werden müsse. Zur Strategie mache sich der Verwaltungsrat derzeit viele Gedanken, die aufgrund der Börsengesetze allerdings nicht öffentlich diskutiert werden könnten.