Die Bilanz der neunten und letzten Spielzeit des Theaters Basel unter der künstlerischen Direktion von Georges Delnon sieht gar nicht rosig aus. Die erschreckendste Zahl: Auf der grossen Bühne ist 2014/15 die Auslastung von 58 auf 52 Prozent zurückgegangen. Als Folge ist die Gesamtauslastung erneut unter die kritische 60-Prozent-Marke gefallen: auf knapp 59 Prozent. Das hat sich auch auf die Einnahmen ausgewirkt: Die Jahresrechnung weist bei einem Ertrag von knapp 60 Millionen Franken einen Verlust von fast 16 000 Franken aus.

Es geht bereits wieder aufwärts

Die schlechte Botschaft kam am Mittwoch Vormittag per Mail – und wurde nicht wie üblich an einer Medienkonferenz im Theater vermittelt. Georges Delnon ist als Intendant an die Staatsoper Hamburg weitergezogen. Und der neue Intendant, Andreas Beck, würde sich davor hüten, die Ergebnisse des Vorgängers zu kommentieren – obschon er und sein neues Team nun auf dieser Zuschauerbasis aufbauen müssen.

Doch nach einem schwierigen, wegen der Umbauten erst noch verspäteten Start geht es nun aufwärts. Es spricht sich offenbar herum, dass vor allem das Schauspiel an Substanz und Relevanz gewonnen habe. «Obwohl die Premieren sehr gut liefen, war der Anfang steinig», sagt die neue Pressesprecherin Ingrid Trobitz. «Doch nun steigen die Zuschauerzahlen stetig.» Vor allem «LSD – Mein Sorgenkind», «Engel in Amerika», die Oper «Chowanschtschina» und das Ballett «Tewje» hätten eine sehr gute Auslastung. Genaue Zahlen werden inmitten der laufenden Saison jedoch nicht bekannt gegeben.

Auch unter der alten Leitung lief längst nicht alles schlecht. Zuletzt erlebten vor allem die Produktionen im Schauspielhaus einen Aufschwung. «Frankenstein», «Die Wildente», «Der Besuch der alten Dame» und «Tom Sawyer und Huckleberry Finn» erreichten gemäss Mitteilung «mit Auslastungen von bis zu 79 Prozent ein breites Publikum». Die Marthaler-Inszenierung «Isoldes Abendbrot» mit Star-Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter brachte es zu einer Rekordauslastung von 98,9 Prozent.

Die Oper war traditionellerweise George Delnons stärkste Sparte. Während seiner Intendanz bekam das Theater Basel zweimal den prestigeträchtigen Titel «Opernhaus des Jahres» zugesprochen. Doch im letzten Jahr brachen gerade hier – trotz einiger herausragender Produktionen – die Besucherzahlen ein. Auch das Ballett kannte schon bessere Zeiten. Dafür erholte sich das Schauspiel von seinen tiefsten Tiefs; es ging beim Sprechtheater die letzten zwei Saisons allmählich wieder bergauf – trotz einiger inhaltlich dünner bis blamabler Inszenierungen.

Zahlen messen die Nähe zur Stadt

Zahlen können die Qualität nicht messen. Und gerade ein subventioniertes Theater muss hin und wieder ein künstlerisches Wagnis eingehen können – ohne Rücksicht auf Verluste. Und doch geben die Besucherzahlen wertvolle Hinweise: Auf die Nähe des Hauses zu seinem Publikum, darauf, ob ein Theater den Nerv der Zeit trifft – oder nicht. Diese letzten Zahlen sagen: Es war höchste Zeit für einen Wechsel.