Das Aufatmen an der Niederdörfer Bürgergemeindeversammlung am Donnerstagabend war gross: Mit 20 gegen 3 Stimmen unterstützten die anwesenden Stimmberechtigten nach sachlicher Diskussion den Antrag des Bürgerrats, einen Zusammenschluss mit der Einwohnergemeinde zu prüfen.

Wäre die Versammlung diesem Begehren nicht gefolgt, hätten die Bürgerräte Katharina Stuck (Vizepräsidentin und Finanzchefin), Marianne Hartmann (stellvertretende Protokollführerin) und Martin Hubschmid (Waldchef) sowie Schreiber Beat Hartmann, der Mann von Marianne Hartmann, ihre Ankündigung wahr gemacht und auf Ende Jahr demissioniert. Dann hätte der Rat ab Anfang 2018 nur noch aus zwei Mitgliedern bestanden. Nun ist dieser mehrfache Rücktritt ausgesetzt, weil die vier Personen den Prozess bis zu einer allfälligen Fusion mit der Einwohnergemeinde Niederdorf begleiten wollen.

Die Gründe, weshalb das Quartett seinen Rückzug angekündigt hat, sind Differenzen im Bürgerrat, klamme Finanzen und die nur noch wenigen Aufgaben des Gremiums. Die drei Ratsmitglieder, alle seit mindestens fünf Jahren im Amt, und der Schreiber werfen Präsident Heinrich Trachsler vor, dieser führe sein Amt «nicht mehr zeitgemäss», handle «eigensinnig» und stelle den Bürgerrat immer wieder vor «vollendete Tatsachen». «Er führt patriarchalisch, wie früher, aber wir können miteinander reden», sagt Hartmann und fügt an, dass Trachsler auch viel Gutes für die Bürgergemeinde getan habe.

Die Vorwürfe kenne er, erklärt der seit 2004 amtierende Bürgerratspräsident, «ich sage jedoch nichts dazu, weil ich nicht noch mehr Unfrieden stiften will.» Heinrich Trachsler sieht das Problem der Bürgergemeinde Niederdorf primär in den schlechten Finanzen. Die Zahlen seien rot, so gehe es nicht mehr weiter.

Bloss noch wenige Aufgaben

Dazu trug auch der Forstbetriebsverband Dottlenberg bei, der derart in Schieflage geraten war, dass er sich heuer einen regelrechten Kahlschlag verpassen und sich von vier Mitarbeitenden trennen musste (die bz berichtete). Die tiefen Preise für Rohholz, die der Waldwirtschaft seit mehreren Jahren schon grosse Probleme bereiten, haben dem Forstbetrieb besonders stark zugesetzt. «Das hat unter anderem dazu geführt, dass der Bürgerrat praktisch keine Aufgaben mehr hat», hält Hartmann fest, der als Schreiber im Bürgerrat ohne Stimmrecht ist. Es gehe fast nur noch um Einbürgerungen, und auch das eher selten.

Als nächstes muss der Bürgerrat den Gemeinderat orientieren. Anschliessend können die beiden Behörden zusammen darüber brüten, wie eine Fusion mit der Einwohnergemeinde aussehen könnte. An einer weiteren Bürgergemeindeversammlung wird dann informiert über die Prüfung dieses Zusammenschlusses und wie dieser realisiert werden soll. Zur Debatte steht auch ein Vorschlag des Bürgerratspräsidenten, den fünfköpfigen Bürgerrat auf drei Mitglieder zu verkleinern.