Liestal erhält an seinem Ostrand zu Lausen in ungefähr drei Jahren ein neues Quartier mit gegen 500 Einwohnern. Das ist das Fazit der gestrigen Medienkonferenz der Bürgergemeinde Liestal und der auf Arealentwicklungen spezialisierten Firma Priora AG. Im Zentrum stand dabei das Resultat des Architekturwettbewerbs, den die beiden Partner für das 17'600 Quadratmeter grosse Geviert Grammet zwischen der gleichnamigen Brücke, der Heidenlochstrasse und der Ergolz durchgeführt haben.

Zehn Architekturbüros vor allem aus Basel, Zürich und Liestal wurden eingeladen, obenaus schwangen die Zürcher, allen voran das Büro Knapkiewicz & Fickert. Dieses legte mit «gloamy morning» ein Projekt mit bis zu sechsgeschossigen Bauten mit insgesamt 168 Wohnungen vor, die im nördlicheren Teil einen grossen, aber mittels mehreren Portalen gegen aussen offenen Innenhof umkreisen und gegen Süden zweiarmig Richtung Ergolz auslaufen. Peter Ess, ehemaliger Leiter des Hochbauamts Zürich und Vorsitzender der Jury, bezeichnete das Siegerprojekt als «expressive Architektur mit einem Siedlungsgesicht, einer Siedlungsmitte, Offenheit gegenüber dem Quartier und hoher Wirtschaftlichkeit». Die Jury entschied sich denn auch einstimmig für «gloamy morning».

Ess bezeichnete das Gebiet zwischen dem Sigmund-Hügel und der Ergolz als Idylle, «aber nur wenn man die Dächlikappe weit nach unten zieht». Denn der grosse Störfaktor ist die A 22, die entlang der Ergolz verläuft. Deshalb bedeutete der Lärmschutz auch eine besondere Herausforderung für die Wettbewerbsteilnehmer, die aber alle gemeistert hätten.

Mietwohnungen für Mittelstand

Die Bürgergemeinde, der der Boden mit den jetzigen Schrebergärten gehört, wagt sich mit dem Projekt in neue Sphären vor, denn noch nie hat sie ein so grosses Wohnbauprojekt realisiert. Ob sie sich nur mit dem Grundstück oder darüber hinaus an den auf 76,5 Millionen Franken veranschlagten Anlagekosten beteiligt, ist im Moment laut Bürgergemeindepräsident Peter Siegrist offen. Er betonte indes: «Die Fläche bietet sich direkt an für eine grosse Überbauung, eine Aufteilung in Einfamilienhäuser wäre schade. Denn es ist besser, das vorhandene Baugebiet verdichtet zu überbauen und dafür die Siedlungsränder grün zu lassen.» Mit einem Mix von 1,5- bis 5,5-Zimmer-Wohnungen wollen die Initianten vor allem den Mittelstand von Singles über Familien bis zu Senioren ansprechen.

Und Gerhard Läuchli von der Priora ist zuversichtlich: «Wir werden die Überbauung in zwei Etappen ausführen und so die Mietwohnungen sukzessive auf den Markt bringen. Das sollte funktionieren.» Als nächster Schritt wird nun das Siegerprojekt nochmals überarbeitet und dann das für das Gebiet notwendige Quartierplanverfahren eingeleitet.

Ausstellung Die zehn eingereichten Projekte können am 21. (18–20 Uhr) und 22. November (10–14 Uhr) an der Frenkendörferstrasse 27 in Liestal besichtigt werden.