Der Baselbieter Landrat entscheidet diese Woche, ob der Kanton Baselland seine Theatersubventionen verdoppelt. Befindet sich das Theater Basel in einer Abwärtsspirale?

Georges Delnon: Nein, wir befinden uns in einer Aufwärtsspirale, jedenfalls, was die Zuschauerzahlen betrifft. Ich kann Ihnen bereits heute sagen – die Zahlen sind noch nicht veröffentlicht –, dass wir im vergangenen Jahr zum vierten Mal hintereinander die Auslastung verbessert haben. Wir haben uns in vier Jahren von 54 auf 63 Prozent verbessert. Rund 180000 Zuschauerinnen und Zuschauer haben wir ins Theater gelockt, und wir wollen noch mehr überzeugen.

Weshalb braucht es mehr Mittel, wenn Sie schon heute erfolgreich sind?

Delnon: Wir brauchen mehr Geld, um den Betrieb überhaupt aufrechtzuerhalten. Auch in den letzten Jahren mussten wir ein strukturelles Defizit ausweisen, das mit Reserven gedeckt wurde. Weil die Reserven erschöpft sind, dürfen wir die Politik der strukturellen Defizite nicht fortführen.

Heisst das, dass die Besucher von den höheren Subventionsgeldern nichts haben, weil diese einfach künftig die strukturellen Defizite ausgleichen?

Delnon: Nein. Der Status quo bedeutet Abbau. Der Kredit, über den das Baselbiet abstimmt, führt auch zu Mehrwert für das Publikum. Es würde auch Neues möglich, beispielsweise auch in Augusta Raurica. Wir könnten insgesamt ein breiteres Angebot schaffen, gezielt auf verschiedene Publika ausgerichtet. Und wir könnten auch in die Theaterpädagogik investieren, Jugendliche mit unserer Kultur und ihrer Geschichte konfrontieren.

Alternativ wurde auch schon diskutiert, in Basel die dritte Sparte aufzugeben. Weshalb wollen Sie an allen drei Sparten festhalten?

Delnon: Wir wollen nicht nur an allen drei Sparten festhalten, sie entsprechen auch einem Bedürfnis. Das Ballett, das zur Diskussion gestellt wird, hatte letzte Saison am meisten Zuschauer.

Was halten Sie von der Idee, das Ballett zu verselbstständigen?

Delnon: Auch das Ballett braucht die Infrastruktur. Ein Outsourcing wäre ineffizient.

Wie steht es mit den Billettpreisen – etwa im Vergleich zu Genf oder Zürich?

Delnon: Wir sind in der Tat etwas günstiger. Aber wir möchten für möglichst viele zugänglich sein. Wir wollen kein elitäres Theater sein. Unsere Preispolitik ist sehr sorgfältig. In den höheren Kategorien haben wir die Preise etwas angehoben.

Wie vergleichbar sind die künstlerischen Bedingungen in Basel mit Genf und Zürich?

Delnon: In Genf und Zürich sind die Sparten getrennt, in Basel nicht. Das ist ein Plus. Das birgt künstlerische Chancen, die wir heute noch zu wenig nutzen. Natürlich sind die finanziellen Bedingungen in Zürich und Genf viel besser. Dennoch schaffen wir es, künstlerisch mitzuhalten.

Die Regierung beantragt den Kredit für vier Jahre. Ist das vernünftig? Es gibt einen Kompromissantrag, vorerst nur zwei Jahre zu bewilligen.

Delnon: Opern werden heute zwei Jahre im Voraus geplant. Vier Jahre Planungssicherheit sind deshalb ein Minimum.

Noch wird nicht über eine bikantonale Trägerschaft fürs Theater gesprochen. Ist die jetzt anvisierte Lösung nur die zweitbeste?

Delnon: Als Direktor habe ich den Auftrag von der Theatergenossenschaft, gute Arbeit am Theater zu leisten. Darauf konzentriere ich mich. Es ist nicht an mir, kulturpolitisch zu bestimmen, wie das Theater in der Region organisiert zu sein hat. Das muss die Region selber bestimmen. Ich versuche, wie ein Fussballtrainer, mit meiner Mannschaft das Beste zu erreichen.

Aber Sie richten das Angebot auf die ganze Region aus?

Delnon: Ja, extrem. Unabhängig von der Diskussion um die Subventionen.

Was reizt Sie persönlich, in Basel Theater zu machen? Sie bleiben, obwohl Sie auch nach Berlin hätten wechseln können.

Delnon: Ja, ich hatte ein Angebot. Ich lebe aber sehr gerne in dieser spannenden Region im Dreiländereck. Schliesslich bin ich Schweizer. Und: Schon als ich am Gymnasium war, zog es mich nach Basel ins Theater, weil Basel auch damals innovativ war.