Natürlich, sie musste in der anlaufenden Fasnachtszeit thematisiert werden: des Nationalrats Roger Köppel harntreibende Wirkung auf Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Unvergessen ist ihr Auszug aus dem Nationalratssaal. Nach der Verbalattacke ihres Kontrahenten gings schnurstracks in Richtung Bundeshaus-Toilette. Allerdings verzichtete das Ensemble des «Rahmdäfeli», den Auszug mit «frivoler Leichtfertigkeit» umzusetzen. Es sang die Magistratin in der tierischen Manier eines Bundeshauszoos der Schüssel entgegen. Unter stürmischem Applaus des Publikums.

Klamauk und Poesie

Die Ausgabe 2017 des «Rahmdäfeli» feierte am Freitag Premiere. «Ich bin zufrieden», sagte Daniel Muri nach schweiss-treibender Uraufführung bei einem kühlen Bier, «das Programm ist vielseitig und die Stimmung im Ensemble hervorragend.» Im Liestaler Theater Palazzo stiess «Rahmdäfeli»-Vordenker und Stadtrat Muri auf eine Vorfasnachtsveranstaltung, wie es sie nur einmal gibt im Baselbiet. Das «Rahmdäfeli» ist Klamauk und Poesie, ist Pathos und der Finger in der Wunde. Das «Rahmdäfeli» ist manchmal berührend, manchmal verwegen und bleibt immer unberechenbar.

«Mit Worten statt mit Waffen, so würde ein Krieg Sinn machen», mischt sich das Ensemble politisch ein. Es singt von Flüchtlingen, die hoffen, dass Europa ihnen die Hand reichen wird. Auch von Zukunftsängsten singt es. Es fliegen braune Tauben, grinsen braune Fratzen und die Furcht geht um vor Braunen, die Ängste schüren, bis es brennt. Das «Rahmdäfeli» traut sich, eine eigene Meinung zu vertreten. Lacher gibt es dafür keine.

Die Lacher holt es sich an anderer Stelle. Etwa in der Persiflage der Therwiler Handschlagaffäre, mit einem grossartigen Jürg Schenk als verweigernder Schüler «Musti». Ohne Worte, aber mit einer Trotzigkeit, die ihresgleichen sucht. Oder – ja, da gibt es noch einige Gelegenheiten: Die Strassen von Baudirektorin Sabine Pegoraro; die Fähigkeiten, ein Haus zu bauen, von alt Kantonsingenieur Oliver Jacobi; die Kundenstopper auf Liestals Trottoirs.

Die Zunft der Bänggler vertreten «d Stroofrichter» und «d Ständerlampe». Aufs Korn genommen werden die Schliessungen der Polizeiposten genauso wie jene geplanten der Poststellen. Ein bisschen Schelte für Baschi Dürr und Hans-Peter Wessels darfs auch im Baselbiet sein. Schliesslich werden neue Bazillen entdeckt, die zu Trump und «Erdowahn» führen sollen.

Aussergewöhnlich ungewöhnlich

Ohne eine Ode an den «Chienbäse»-Umzug, diese archaische, flammende Prozession, darf in Liestal keine Fasnachtsveranstaltung zu Ende gehen. Fabienne Affolter schmettert hemmungslos pathetisch «immer, wenn der Himmel Blutrot trägt». Es ist eine Geschichte über die Schönheit von Feuer und Glut, die auf pure Dunkelheit treffen. Die Musik, die Arrangements sind vortrefflich.

Mit zwei Augenzwinkern und zur Melodie von Mani Matters «I han es Zündhölzli azündt» singt Richy Wipf von einem Malheur, das weltweit Beachtung auslöst. Sein so versehentlich wie viel zu früh in Brand gesetzter Wagen rast letztlich gegen das Regierungsgebäude im Stedtli. Muss ein Anschlag sein. Das wiederum gefällt Kim Jong-un, Nordkoreas beliebtestem Diktator, so gut, dass er auch einen Feuerwagen will.

Eine aussergewöhnlich ungewöhnliche Vorfasnachtsveranstaltung.