Rund 2100 Asylbewerber sind derzeit im Baselbiet in Institutionen der Gemeinden, des Kantons und Bundes untergebracht. Gemäss dem kantonalen Asylkoordinator Rolf Rossi ist die Lage derzeit eher ruhig. In den ersten vier Monaten 2016 ist die Zahl der Asylgesuche gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode rückläufig. Schweizweit sind bis Mitte Mai rund 11 000 Asylgesuche gezählt worden; im gesamten 2015 waren es 40 000. Im Mehrjahresvergleich liegen die Zahlen in den Wintermonaten 50 Prozent über dem Durchschnitt. Für die wärmeren Sommermonate erwarten die Behörden einen Anstieg der Gesuche. Das geplante Bundesasylzentrum in Muttenz (Text oben) soll diesem Anstieg Rechnung tragen. Nachfolgend ein Überblick über die Unterkünfte für Asylsuchende in Baselland.

1 Bundesasylzentrum in Muttenz

Das neue Asylzentrum des Bundes auf dem Muttenzer Feldrebenareal wird ab August in einem ersten Schritt bis zu 500 Personen beherbergen und die grösste solche Anlage der Schweiz sein. Es erfüllt die Funktion eines Registrierzentrums: Dort wird die Identität von Asylsuchenden festgestellt, sie werden befragt, und es werden Fingerabdrücke genommen. Die 500 hier beherbergten Personen werden an die Quote des Kantons angerechnet. Gemäss Verteilschlüssel muss Baselland 3,7 Prozent aller Asylsuchenden aufnehmen, die in die Schweiz gelangen. Das heisst: «Dank» Muttenz ist der Kanton bis zu einer Zahl von 13 500 Gesuchen von der Aufnahme zusätzlicher Asylbewerber befreit.

2 Aussenstellen des Basler Bundeszentrums Bässlergut

Das Bundesempfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) im Basler Bässlergut mit seinen 400 Plätzen ist zeitweise überlastet. Dann kommt der Bund dort mit der Abwicklung der Asylgesuche nicht nach. Deshalb führt das EVZ im Baselbiet fünf Satelliten: vier temporär genutzte Zivilschutzanlagen in Aesch, Arlesheim und Pratteln (je 100 Plätze) und in Allschwil (80) sowie die fixe EVZ-Aussenstelle Atlas in Allschwil (120). Zusammen mit 80 Plätzen auf dem Basler IWB-Gelände und 20 in der Villa Bässlergut stehen dem EVZ total 1000 Plätze zur Verfügung. Davon sind derzeit laut EVZ-Leiter Roger Lang 457 besetzt, 139 davon in den Baselbieter Anlagen, 255 im Bässlergut. Aktuell wäre der Bund also nicht auf die Baselbieter Aussenstellen angewiesen. Allerdings kann sich das schnell ändern. Die vier Standortgemeinden entlasten nicht nur den Kanton bei der Zuweisung von Asylsuchenden durch den Bund (wie dies auch in Muttenz der Fall sein wird), sie sind zudem von der Erfüllung der Asylquote für die Gemeinden befreit.

3 Kantonales Auffangzentrum

Baselland betreibt seit Ende 2015 in einer Zivilschutzanlage in Niederdorf ein temporäres kantonales Auffangzentrum mit 100 Plätzen. Laut Asylkoordinator Rolf Rossi ist diese aktuell zu 40 Prozent ausgelastet. Niederdorf ist wie die Gemeinden mit Bundeszentrum von der Erfüllung der Asylquote befreit. Das kantonale Auffangzentrum hat den Zweck, bei einer hohen Zahl an Zuweisungen durch den Bund Druck von den Gemeinden zu nehmen, die letztlich für die Unterbringung zuständig sind. Im kantonalen Auffangzentrum bleiben die Asylbewerber durchschnittlich vier bis acht Wochen, dann werden sie auf die Gemeinden verteilt. Der Kanton hält aktuell zwei weitere Auffangzentren in Laufen und Münchenstein «standby». Diese könnte er bei einem raschen Anstieg der Gesuche innert 14 Tagen in Betrieb nehmen.

4 Unterkünfte in den Gemeinden

In Unterkünften der 86 Gemeinden leben derzeit rund 1900 Personen. Gemäss Asylquote werden die Asylbewerber vom Kanton auf die Gemeinden proportional nach deren Bevölkerungszahl verteilt. Per 1. April hat der Kanton die Asylquote von 0,8 auf 1 Prozent erhöht. Viele Baselbieter Gemeinden erreichen dieses Soll jedoch nicht. Mitte April betrug das Minus gegenüber der geltenden 1-Prozent-Quote rund 600 Personen. Demnach müssten derzeit rund 2500 Personen in Asylunterkünften der Gemeinden leben. Laut Rolf Rossi ist es gut möglich, dass wegen des prognostizierten Anstiegs der nationalen Gesuchzahlen die Asylquote für die Gemeinden in der zweiten Jahreshälfte auf 1,2 Prozent erhöht wird.