Es sollte eigentlich ein ganz normaler Verkaufstermin werden. Im Dezember 2015 tauchten zwei Männer bei einem Kleinunternehmer im Oberbaselbiet auf, gaben sich nach dem Betreten des Grundstücks aber als Geldeintreiber zu erkennen und forderten 250'000 Franken.

Einer der Geldeintreiber zog dabei laut dem Geschäftsmann die Jacke leicht zur Seite, präsentierte eine Waffe und drohte mit Schlägen. Der geschockte Unternehmer sollte in ein Auto einsteigen, weigerte sich allerdings. Die Sache wurde vorerst vertagt, wegen des Kennzeichens ermittelte die Polizei einen heute 31-jährigen Mann aus Luzern als Täter. Dieser bestritt die Geschichte, stammte aber offensichtlich aus dem Umfeld der Hells Angels.

«Mädchen für alles»

Das Baselbieter Strafgericht in Muttenz verurteilte ihn wegen versuchter Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten. «Mädchen für alles» soll er bei den Hells Angels gewesen sein, auch das Wort «Anwärter» ist im erstinstanzlichen Prozess vor dem Strafgericht im Oktober 2017 gefallen.

Diese Woche nun präsentierte sich der heute 31-jährige Elektriker im Anzug vor dem Kantonsgericht und betonte, er arbeite inzwischen regelmässig. Mit den alten Geschichten habe er nichts mehr zu tun. «Das ist Vergangenheit. Damit habe ich abgeschlossen», sagte er.
Verteidiger Victor Peter hatte den Schuldspruch weitergezogen, weil er einen Freispruch verlangt hatte: Als Beweise gebe es praktisch nur die Aussagen des Oberbaselbieter Kleinunternehmers, und diese seien völlig unglaubwürdig.

Strafgerichts-Urteil angefochten

Doch auch Staatsanwältin Evelyn Kern hatte das Urteil angefochten, weil sie ein höheres Strafmass von drei Jahren wegen versuchter Erpressung verlangt hatte. Das Strafgericht hatte damals argumentiert, der Mann habe das Geld nicht auf eigene Rechnung eingetrieben, daher bestehe keine Bereicherungsabsicht, somit sei auch kein Schuldspruch wegen Erpressung möglich.

Das Kantonsgericht unter dem Vorsitz von Enrico Rosa kam diese Woche allerdings zu einem anderen Schluss: Die drei Richter verurteilten den Mann wegen versuchter Erpressung und erhöhten das Strafmass auf 28 Monate. Ein bedingter oder teilbedingter Vollzug ist damit ausgeschlossen. Noch ist ein Weiterzug ans Bundesgericht möglich, dort werden allerdings nur Rechtsfragen geprüft.

Der Mann hat bereits sechs Vorstrafen, hauptsächlich Strassenverkehrsdelikte. Allerdings trieb er als Abwart bereits früher bei einer Mieterin mit zweifelhaften Methoden Geld ein und erhielt damals einen Strafbefehl wegen Nötigung. Er ist kroatischer Staatsbürger, bei diesem Strafmass wird das Migrationsamt wohl seine C-Bewilligung kassieren, sobald er die Strafe abgesessen hat.

Auch gegen Unternehmer ermittelt

Die Staatsanwaltschaft hatte nach dem Vorfall im Oberbaselbiet zuerst auch gegen den Kleinunternehmer ermittelt, weil der Verdacht bestand, er erzähle nicht die ganze Geschichte. Dieses Verfahren wurde allerdings eingestellt, es gab keine Beweise etwa für Drogenlieferungen und entsprechende Schulden.

Wer auch immer die Hintermänner sind, offenbar liessen sie danach nicht locker: Es gibt Hinweise darauf, dass nach der Verhaftung des 31-Jährigen ein anderer den Job übernehmen und beim Kleinunternehmer die 250'000 Franken eintreiben sollte. Bei der Staatsanwaltschaft ist dazu noch immer ein Untersuchungsverfahren hängig. Fortsetzung folgt.