«Ich muss mich gegen Sachen wehren, die rechtswidrig sind. Die Justiz manipuliert. Ich kann das beweisen», meinte der 46-jährige Mann vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz kämpferisch. Er ist unter anderem wegen Drohungen gegen seine ehemalige Partnerin vorbestraft, ein Urteil vom Dezember 2013 sah eine 18-monatige Freiheitsstrafe vor.

Allerdings wurde diese damals zugunsten einer ambulanten Massnahme aufgeschoben, zur Einleitung sass der heute 46-Jährige im Frühling 2014 nach einer langen Untersuchungshaft deshalb zwei Monate lang in der geschlossenen Psychiatrie.

Zwei Drittel der Strafe hat er damit bereits abgesessen, ein Vollzug der Reststrafe wäre lediglich bei einem Rückfall ein Thema. Und den gab es nicht, urteilte das Gericht gestern Mittwoch. Die Therapie gab man allerdings bald auf, zumal das ursprüngliche Gutachten offenbar nicht über alle Zweifel erhaben war. Details wurden dazu in der Gerichtsverhandlung in Muttenz diese Woche nicht genannt.

Am Existenzminimum

«Ich arbeite, damit ich nicht dem Staat auf den Kosten liege. Derzeit auf Baustellen». Seinen Lohn wusste er nicht genau, zumal dieser sowieso gepfändet ist. «Ich bin auf dem Existenzminimum und kriege 2500 Franken ausbezahlt.» Sauer war er aber vor allem wegen der neuen Vorwürfe: Kurz nach der Entlassung aus der Psychiatrie soll der Mann erneut seine Ex-Partnerin und deren Söhne gestalkt haben. Konkret warf ihm die Staatsanwaltschaft vor, im Jahr 2014 mehrmals vor dem Haus der Ex-Freundin in Pratteln demonstrativ zur Einschüchterung mit seinem Motorrad herumgefahren und dabei absichtlich mit dem Gasgriff Lärm gemacht zu haben. Einmal habe er dabei auch eine Frau erschreckt, die die Söhne zu Hause gehütet habe. Die Mutter habe nach dem Anruf der Frau deswegen den Elternabend verlassen müssen und sei nach Hause geeilt. «Das stimmt nicht», meinte der 46-Jährig dazu kurz und knapp. Seine Ex-Freundin hatte auch weitere Anzeigen gemacht: Die Verfahren wurden eingestellt, weil der Mann beweisen konnte, zur Tatzeit woanders gewesen zu sein.

Stawa ohne Augenmass

«Sie hat ja erst mit den Strafanzeigen aufgehört, als ich sie wegen übler Nachrede angezeigt habe.» Die Kinderhüterin wurde vor Gericht zu den Anschuldigungen befragt, konnte sich aber nach drei Jahren an nichts mehr erinnern. «Und bei mir bohren Sie mit Ihren Fragen nach wie ein Wilder», kommentierte der Mann danach genervt. Die Beweislage war für das Gericht danach allerdings klar: Die Stalking-Vorwürfe waren nicht nachgewiesen, der Mann wurde deshalb freigesprochen. Die Zeugin hatte beispielsweise in einer früheren Aussage von einem schwarzen Motorrad gesprochen, der Mann fuhr allerdings eine rote Maschine. Einzelrichter Beat Schmidlin betonte, er könne die Behördenkritik des Mannes teilweise durchaus nachvollziehen: So habe es die Staatsanwaltschaft in seinem Fall teilweise an Augenmass mangeln lassen, auch die Aktenführung sei nicht korrekt gewesen.

Am Mittwoch gabs allerdings einen Schuldspruch wegen grober Verkehrsregelverletzungen: Der Mann wurde von der Polizei auf der Autobahn mit Tempo 115 und einem Abstand von unter sechs Metern zum Vordermann gefilmt, er ist als Verkehrsrowdy vorbestraft. Diverse einfache Verkehrsregelverletzungen waren bereits verjährt. Das Gericht beliess es bei einer unbedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 30 Franken. Der Führerschein wurde ihm bereits entzogen.