Der Baselbieter Finanz- und Asyldirektor Anton Lauber steht vor einer delikaten Aufgabe: Noch in diesem Jahr will er im Landkanton einen Standort für ein neues Bundeszentrum für Asylbewerber präsentieren. Die Standortsuche geht jetzt in die Endphase. Und Lauber ist offenbar zum Schluss gekommen, dass ein solches Mega-Zentrum, das bis zu 500 Asylbewerbern Platz bieten soll, entweder in Liestal oder in Hölstein gebaut werden kann. Liestals Stadtpräsident Lukas Ott bestätigt entsprechende Recherchen: «Die Baselbieter Regierung hat mit uns Kontakt aufgenommen. Eine Suche nach allfälligen Standorten in einem strukturierten Prozess hat bisher nicht stattgefunden, aber wir halten dennoch die Augen offen.»

Ein möglicher weiterer Standort befindet sich gemäss verlässlichen Quellen in Hölstein; genauer gesagt auf dem Gebiet des mittlerweile stillgelegten Hofs Holdenweid. Gemeindepräsidentin und FDP-Regierungskandidatin Monica Gschwind sagt dazu: «Es gibt wenige Fragen, zu denen ich in der Öffentlichkeit keine Auskunft geben will. Aber das ist so eine.» Liestal spielt in den Überlegungen Laubers eine wichtige Rolle, aber der Stadtpräsident will noch nicht über mögliche Standorte sprechen. Für Hölstein und Liestal spricht nicht nur, dass genügend Platz für ein Bundeszentrum vorhanden wäre, sondern auch die verkehrstechnisch gute Anbindung.

Liestal «kritisch-konstruktiv»

Lukas Ott signalisiert im Namen des Stadtrats, «kritisch-konstruktiv» an der Suche teilnehmen zu wollen. Er sagt aber auch: «Ein solches Zentrum darf die strategischen Entwicklungsperspektiven nicht übersteuern. Areale, die vorrangig für den Gewerbe- oder Wohnungsbau bestimmt sind, dürfen nicht tangiert werden. Zudem braucht es die nötige Akzeptanz in der Bevölkerung.» Anton Lauber weiss um die Brisanz eines Bundeszentrums für Asylbewerber – denn es wird mit Abstand das grösste in der Nordwestschweiz werden. Er selber wolle die Recherche der bz «weder bestätigen noch dementieren».

Der Hintergrund des Grossprojekts liegt in Neuerungen des Asylrechts auf eidgenössischer Ebene. Der Bund hat zusammen mit den Kantonen und Gemeinden an der Asylkonferenz vom letzten Frühling entschieden, das Asylverfahren in der Schweiz zu straffen. Fortan sollen die einfachen Fälle auf grosse Zentren verteilt werden. Während sich die einzelnen Fälle heute über Jahre strecken können, soll das Verfahren künftig auf 140 Tage beschränkt werden. Die Nordwestschweiz hat als eine der sechs Asylregionen den Auftrag, insgesamt 840 Zentrumsplätze zu schaffen, wo der Bund die Fälle abwickeln kann.

Weil Basel-Stadt im Bundesempfangszentrum Bässlergut rund 350 Plätze zur Verfügung stellt und ohnehin kaum Platz für mehr hätte, kommt der Stadtkanton für ein neues Zentrum nicht mehr infrage – das sehen auch die anderen Nordwestschweizer Kantone so. Aargau, Solothurn und Baselland müssen sich daher einig werden – denn bis Dezember verlangt das Bundesamt für Migration (BfM) eine Lösung. Das ist ein ehrgeiziger Zeitplan, und auch die Kantone Aargau und Solothurn stehen in der Pflicht, bei der Suche mitzuhelfen. Es ist aber schwierig, abzuschätzen, ob die zuständigen Regierungsräte in den anderen Nordwestschweizer Kantonen mit ähnlichem Ehrgeiz auf der Suche sind. «Wir sind unter Einbezug aller im Moment relevanten Anspruchsgruppen daran, Abklärungen zu treffen. Diese werden im Verlauf des Gesamtprojekts in den entsprechenden Gremien im Rahmen einer Gesamtschau zu diskutieren sein», sagt Enrico Kopatz, Sprecher des Aargauer Departements Gesundheit und Soziales. Claudia Hänzi vom Solothurner Amt für soziale Sicherheit gibt sich noch vorsichtiger: Zurzeit würden Standorte in der Asylregion Nordwestschweiz evaluiert. Für Medieninformationen sei das Bundesamt für Migration zuständig.

Asylzentren versprechen Debatten

Die Zurückhaltung der Gemeinde- und Kantonsvertreter über die fortschreitende Planung ist nachvollziehbar. Die Standortwahl eines Asylzentrums ist hoch emotional, wie ein Blick in die jüngere Geschichte zeigt. Als der Kanton vor vier Jahren vorgeschlagen hatte, in Arlesheim ein Durchgangszentrum für 80 bis 100 Leute zu bauen, stiess er auf erbitterten Widerstand. Regierungsrat Lauber muss behutsam vorgehen, will er für das fast fünfmal grössere Projekt Goodwill schaffen. Tatsächlich sprechen einige Argumente für ein Bundeszentrum. «Unsere Erfahrungen zeigen, dass Standortgemeinden und -regionen von Asylzentren des Bundes von der Schaffung von Arbeitsstellen im Asylzentrum sowie von Arbeitsplätzen in den Bereichen Betreuung, Beschäftigung und Sicherheit profitieren können», sagt beispielsweise BfM-Sprecher Martin Reichlin. Weiter seien in der Regel das Baugewerbe und lokale Zulieferer an der Erstellung von Asylzentren des Bundes beteiligt; die Arbeiten zum Unterhalt und Betrieb generieren Aufträge in der Region. Gerade im wirtschaftlich serbelnden Waldenburgertal könnte das neue Impulse setzen. Damit nicht genug: Standortgemeinden und Standortkantone, das sieht die Asylrevision vor, sollen bei der Aufnahme von Asylbewerbern stark entlastet werden. Davon hat auch Lukas Ott Kenntnis: Da ein Verfahrenszentrum die Standortgemeinde von der Verpflichtung zur Führung eines eigenen Asylheims enthebt, sei der Stadtrat nicht dagegen, am Suchprozess teilzunehmen.